Zeljko Perusic feiert Geburtstag

Ois Guade, Peru! Merkels Lieblingslöwe wird 80

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Zeljko Perusic (r.) beim 2:1-Sieg gegen die Bayern im März 1970 im Duell mit Gerd Müller.

München - Vor eineinhalb Jahren feierte Petar Radenkovic seinen 80. Geburtstag, am Mittwoch kann mit Zeljko Perusic ein zweiter Meisterlöwe auf acht Jahrzehnte seines Lebens zurückblicken.

 Der „Peru“, wie ihn alle nannten, war Publikumsliebling, Wadlbeißer und trotz einer überragenden Offensive mit gleich sechs Nationalstürmern vielleicht der wichtigste Faktor dafür, dass sich der TSV 1860 im Mai 1966 zum bisher einzigen Mal als Deutscher Meister feiern lassen durfte. Heutzutage würde man einen wie ihn als „Sechser“ bezeichnen, damals war er in erster Linie dafür zuständig, die gegnerischen Spielmacher an die Kette zu legen. Leute also wie Wolfgang Overath oder Günter Netzer.

Und das beherrschte Perusic auf überragende Art und Weise. „Weil er auch ein technisch perfekter Spieler war“, wie sich sein Mannschaftskollege Hansi Rebele erinnert. „Peru musste hinten oft die Feuerwehr spielen und war immer im richtigen Moment zur Stelle.“

Insgesamt fünf Jahre, von 1965 bis 1970, trug Perusic das Löwen­trikot, nach dem Abstieg verabschiedete sich der damals 34-Jährige in die Schweiz. Dass der TSV 1860 seinerzeit runter in die Zweite Liga musste, lag möglicherweise auch daran, dass Perusic in der Saison 1969/70 gesundheitliche Probleme hatte und nur 17 Spiele bestreiten konnte.

„Trotzdem habe ich nur gute Erinnerungen an die Zeit bei Sechzig“, sagt Perusic der tz, die ihn in St. Gallen am Telefon erreichte, wo er mit seiner Frau Magda bereits seit mehr als vier Jahrzehnten lebt. Sein Highlight war natürlich der Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Mai vor 50 Jahren, die ihm damals eine Extraprämie von 10.000 Mark eingebracht hatte. Dafür hatte sich nämlich Trainer Max Merkel beim Vorstand starkgemacht. Der Österreicher, der gern recht grantig und sarkastisch mit seinen Spielern umging, hatte mit Perusic nämlich nie Probleme. Rebele: „Ich kann mich nicht erinnern, dass der Merkel mal ein böses Wort über den Peru verloren hätte.“ Ebenso wenig fiele ihm ein, so Rebele, dass Perusic „mal ein schlechtes Spiel gemacht“ habe.

Perusic schoss nur ein Bundesliga-Tor - ausgerechnet gegen den FC Bayern

Eins allerdings sticht trotzdem heraus: Das Lokalderby gegen die Bayern am 30. März 1968. An diesem Tag nämlich gelang ihm sein einziges Tor in 138 Bundesligaspielen. Und das ausgerechnet gegen die Roten. 3:2 siegten die Löwen, und Perusic hatte mit einem Flachschuss das 2:0 erzielt. Danach sprang er wie ein kleines Kind auf dem Platz des Sechzger-Stadions umher – seine Freude war riesengroß.

„Leider ist es nur bei diesem einen Tor geblieben“, sagt Perusic heute. „Ich hätte eigentlich viel mehr machen müssen. Eins war zu wenig.“ Aber wenigstens eins mehr als sein Kumpel und Landsmann Petar Radenkovic, der, und das obwohl er Torhüter war, nach eigener Ein- oder Überschätzung zehn Tore hätte schießen müssen.

Peru, der Kroate, und Radi, der Serbe – verstanden haben sie sich immer bestens. Und während der vielen Trainingslager, in die Merkel seine Spieler verfrachtete, um sie besser unter Kontrolle zu haben, teilten sie auch stets gemeinsam ein Zimmer.

Die Geschehnisse beim TSV 1860 verfolgt Perusic inzwischen nur noch aus der Distanz. „Ich habe wieder Angst, dass die Löwen absteigen“, sagt er. „Hoffentlich geht’s ebenso gut wie im vergangenen Jahr.“

Nach München kommt er schon seit ein paar Jahren nicht mehr. „Die Gesundheit lässt weite Fahrten nicht mehr so zu“, bedauert er. „Aber mir geht es schon noch einigermaßen gut. Und dass ich jetzt 80 werde, das freut mich und bedeutet mir schon wahnsinnig viel.“

tz

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