Forderungen sind „schwer nachvollziehbar“ / Heute großer Knall?

Ziffzer greift Wettberg an

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Kühler Realist: Löwen-Finanzboss Dr. Stefan Ziffzer will bei 1860 „das Machbare machen“ – am Dienstag will der Aufsichtsrat wissen, wie groß dieses Machbare ist.

München - Stefan Ziffzer klingt amüsiert. Seit Sonntagabend ist der Finanzboss des TSV 1860 zurück aus Moskau – und was er Montag früh im Büro lesen musste, das lässt ihn einfach nicht los.

Quer durch die Münchner Presselandschaft wurde von Ziffzers Dienstreise berichtet, eine Zeitung sah sich sogar zu der Schlagzeile „Lauth-Rückkehr dank Russen-Millionen?“ veranlasst. „Unglaublich, was da schon wieder alles spekuliert wird“, wundert sich Ziffzer. Seine Erklärung des Trips klingt lapidar: „Ich war mit unserer B-Jugend zu einem Turnier eingeladen, darum war ich in Moskau. Alles andere ist Unsinn.“

Immerhin: Die B-Jugend hat das Turnier gewonnen. Doch dieser Triumph dürfte Ziffzer bei der heutigen Aufsichtsratssitzung kaum entscheidend weiterhelfen. Das Kon-trollgremium will vom Hauptgeschäftsführer Auskunft über den Investitionsrahmen der Löwen erhalten. „Schnell realisierbare Finanzierungsmodelle“ solle Ziffzer präsentieren, sagt ein Ratsmitglied. Die sportlichen Forderungen sind seit Wochen bekannt. „Punktuelle Verstärkungen in allen Mannschaftsteilen“ wollen Trainer Kurz und Manager Reuter sehen, auch um in der neuen Saison besser vor Verletzungen gefeit zu sein. Vizepräsident Karsten Wettberg konkretisiert das ganze, er fordert „drei abgezockte Profis“, das nötige Kleingeld müsse von der Geschäftsführung „beschafft“ werden.

Und damit sind wir beim Problem.

Denn laut Ziffzer wird beim heutigen Abendtermin „nichts Sensationelles“ passieren. Die Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung von Aktienausgabe bis Genussscheinverkauf seien lange bekannt, „theoretisch könnten wir das umsetzen“ – nur praktisch hapere es an den Rahmenbedingungen. „Wir brauchen ein überzeugendes Sach- und Personalkonzept“, sagt Ziffzer. „Investoren wollen vor allem eines wissen: Wie stabil ist das Gebilde 1860?“

Die alten Fragen also. Wer wird Nachfolger des unberechenbaren Präsidenten Albrecht von Linde? Und: Was passiert mit Reuter und Ziffzer, deren Verträge 2009 bzw. 2010 auslaufen?

Gut möglich, dass es vor allem in diesen Punkten heiß hergehen wird bei der heutigen Sitzung. Fortschritte in der Sache sind eher nicht zu erwarten. Dabei ist es doch vor allem das, was die Löwen-Anhänger interessiert. Ist nun Geld da, um den Kader zu verstärken und vielleicht doch irgendwann ernsthaft um den Aufstieg mitspielen zu können, oder lautet die Perspektive doch eher wie bisher: Jugend und Geduld?

Ziffzer lässt sich nicht unter Druck setzen: „Im Rahmen dessen, was geht, werden wir den einen oder anderen Spieler finden, der uns weiterhilft“, sagt er kühl. „Auch im Fall Berkant Göktan (dessen Vertrag 2009 ausläuft) werden wir alles tun, was vertretbar ist. Stefan Reuter und Marco Kurz sind mit mir auf einer Linie.“

„Die Kalkulation fürs kommende Jahr lautet minus drei Millionen“, sagt Ziffzer. „Wenn Gremiumsmitglieder (gemeint ist natürlich Karsten Wettberg, d. Red.) dann drei Kracher fordern, ist das schwer nachvollziehbar. Auch bei erfolgreichen Kapitalmaßnahmen müssen mindestens 1,5 Millionen für die Reduzierung des Verlusts verwendet werden. Das wird übrigens bei der DFL genauso gesehen.“

So ist der Ton bei den Löwen im April 2008. Die Gräben sind tiefer denn je, der große Knall scheint unabwendbar. Auch eine Perspektive.

Quelle: tz

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