Wittig patzt im letzten Spiel und Saller wird zum Matchwinner

Als der 1. FC Garmisch-Partenkirchen den SV Ohlstadt in die Kreisliga schoss

Christoph Saller bejubelt seinen goldenen Treffer
+
Christoph Saller bejubelt seinen goldenen Treffer

Eine Geschichte aus dem Jahr 2008, als der 1. FC Garmisch-Partenkirchen den SV Ohlstadt in die Kreisliga schoss. Dort spielt der SVO bis heute noch.

Oberammergau – In Folge eins der Tagblatt-Serie blickt unsere Zeitung auf eines der denkwürdigsten Fußballmatches im Landkreis zurück. Im Juni 2008 entschieden 90 Minuten in Oberammergau über die sportliche Zukunft zweier Aushängeschilder. Vor annähernd 1500 Zuschauern setzte sich der 1. FC Garmisch-Partenkirchen in einem Bereinigungsspiel mit 1:0 gegen den SV Ohlstadt durch. Der Klub aus der Marktgemeinde schaffte über die folgende Relegation den Verbleib in der Bezirksliga. Für den SVO ging’s in die Kreisliga – in der er bis heute spielt.

Die Vorgeschichte: Beide Klubs haben 30 Punkte

Beide rivalisierenden Klubs ähnelten sich in der Zusammensetzung ihrer Teams. In Ohlstadt die Reißl-Brüder Michael, Markus und Josef, die wie niemand sonst das Wappen des SVO im Herzen trugen und dementsprechend verkörperten. Ergänzt durch Spieler wie Markus „Match“ Müller oder Franz „Charlie“ Wittig, die vor allem mit ihrer Physis und Willenskraft glänzten. Gleichwohl gepaart mit Ausnahmefußballern, wie etwa den torgefährlichen Angreifern Pierre Schröfele und Maximilian Rapp. Auf FC-Seite standen Hannes und Franz Benkert sowie deren Vater Franz Senior als Vorsitzender für die familiäre Komponente. Ergänzt von weiteren FC-Größen wie Christoph Saller, dem Oberammergauer Korbinian Heinzeller, oder den einheimischen Jungspunden Manuel Deutschmeyer und Philipp Frankenberger. Der SVO vollendete im Jahr 2000 unter der Leitung von Trainer Stefan „Speedy“ Schwinghammer einen ebenso beeindruckenden wie ungebremsten Aufstieg von der C-Klasse bis in die Bezirksliga. Dort stieß das Team nach einigen Jahren allerdings an seine Grenzen. „Es ist die gesamte Saison nicht richtig gelaufen“, erinnert sich Müller. Für den kompromisslosen Innenverteidiger eine logische Entwicklung nach den zahlreichen Erfolgen und Aufstiegen. „Die Mannschaft war irgendwann satt, die Spieler hatten plötzlich andere Interessen, einige schon Familie.“ Im Spätherbst noch versuchten die Ohlstädter mit einem Trainerwechsel die Wende herbeizuführen. Für den glücklosen, ehemaligen Bayernliga-Kicker Thomas Simmeth übernahmen zunächst aushilfsweise Markus Eberhart und Tormann-Coach Stefan Jaklin, ehe zur Winterpause der Obersöcheringer Peter Kramer seine zweite Amtszeit am Boschet anging. Am Ende der Bezirksliga-Saison 2007/2008 erreichte der SVO die Marke von 30 Punkten – und damit exakt so viele wie die Konkurrenz aus Garmisch-Partenkirchen. Ein Bereinigungsspiel auf neutralem Boden musste also her. In dieses Szenario war auch der 1. FC nicht ganz unversehens hineingeschlittert. Jahr für Jahr hatten etablierte Spieler ihre Schuhe an den Nagel gehängt. Nach Harti Schmidt folgten Michael Koller, Marc Dannemann oder Sebastian Kleiner. Hinzu kam Heinzellers langwierige Verletzung. „Wir hatten viel Qualitätsverlust“, erinnert sich Tormann Sebastian Schmölzl an den „relativ abrupten Aderlass“. Zudem fehlten Charlie Richter in seinem abschließenden Jahr als FC-Trainer neue Ideen und Impulse.

Das Spiel: Wittig patzt – Saller wird zum Matchwinner

Aufgrund eines Reifevorsprungs ging der SVO minimalfavorisiertindie Partie.In Richters Elf waren die Verteidiger-Brüder Max und Didi Hahn ebenso Grünschnäbel wie Deutschmeyer oder Frankenberger.Angesichts der hohen Bedeutung agierten beide Teams abwartend und vorsichtig. Torchancen hatten im Grunde nur die Ohlstädter. So kratzte Schmölzl in Hälfte eins einen FreistoßKnaller von Franz Albrecht aus dem Winkel. Zuvor verpasste Schröfele aufVorarbeit von Stefan Gut die Führung. In der Schlussphase vergab zudem Rapp einen Hochkaräter, beim Nachschuss von Schröfele war abermals Schmölzl zur Stelle. „Da konnte ich mich gerade noch reinwerfen“, betont der Keeper. Den alles entscheidenden Treffer allerdings setzte der 1. FC. Christoph Saller nutzte Mitte des ersten Abschnitts einen Fauxpas der Ohlstädter Defensive. Ausgerechnet Wittig war es, der in seiner letzten Partie als aktiver Fußballer der Ersten Mannschaft nach einem langen Ball aus der FC-Abwehr ein Luftloch schlug. „Ich habe spekuliert, konnte so alleine aufs Tor laufen“, blickt Saller zurück. Nicht einmal der „Hexer“ konnte da noch etwas retten. SVO-Keeper Franz Fischer, dem dieser Beiname ob zahlreicher spektakulärer Paraden anhaftete, war gegen Sallers abgezockten Abschluss machtlos. „Wir haben danach nur noch verteidigt“, sagt Schmölzl mit Blick auf die umkämpfte Schlussphase. Mit Erfolg: Die optische Überlegenheit des SVO zahlte sich nicht in Toren aus. Der 1. FC schaffte es in die Relegation, Ohlstadt stieg ab. Der damals 21-jährige Gut räumt heute ein: „Garmisch war einfach einen Hauch abgezockter.“

Die denkwürdigste Szene: Wittig der Unglücksrabe

Franz Wittig konnte es nicht fassen. Er, der zuvor sein Karriereende verkündet hatte, trug die vermeintliche Last der Niederlage. Klar, der Patzer war massiv. Aber Wittig war zuvor über Jahre ein mehr als verlässlicher Verteidiger, den die gegnerischen Stürmer durch die Bank scheuten. Das wussten auch seine Mitspieler. Keiner von ihnen versäumte es, den am Boden zerstörten Unglücksraben noch auf dem Platz wieder aufzumuntern. So geht Zusammenhalt.

Der heimliche Held: Fast 2000 Zuschauer

Zweifelsohne der Zuschauer. Zu keinem anderen Pflichtspiel in der Region baute sich bis dato eine solch mächtige Kulisse auf. Die offiziell angeführten 1100 Zuschauer waren mit Verlaub arg dürftig angesetzt. Unisono war man sich einig, dass man deutlich näher an der 2000er Marke war. „Locker 1500 Zuschauer, Emotionen pur“, sagt Siegtorschütze Saller. „80 Prozent der Leute am Platz waren gegen uns. Daraus haben wir extrem viel Kraft und Selbstvertrauen gezogen.“ Auch bei Gut kitzelt es heute noch, wenn er an die Partie von damals denkt. „Beim Einlaufen hatten alle Spieler Gänsehaut“, unterstreicht der einstige Flügelflitzer. Zweifelsohne das größte Duell in der Laufbahn des Wurmansauers, „Daran erinnere ich mich mit Abstand am öftesten“.

Das Vermächtnis: SVO ist inzwischen Dienstältester in der Kreisliga

Für den 1. FC ebnete der Sieg gegen Ohlstadt letztlich den Weg zum Klassenerhalt. In der anschließenden Relegation bezwang dass Team so wohl Geiselbullach als auch Herakles München. Der Abstieg folgte jedoch bereits in der darauffolgenden Saison. Der Söcheringer Peter Kienast erwies sich auf der Trainerposition als Fehlgriff. Mit seiner Art kam er bei der Mannschaft alles andere als gut an und war zur Winterpause bereits Geschichte. Unter dem Ohlstädter Stefan Schwinghammer blühte das Team zwar auf, verpasste den Klassenerhalt aber um Haaresbreite. Zwölf Monate später stand Schwinghammer inmitten von Bierduschen. Er hatte den 1. FC umgehend in die Bezirksliga zurückgeführt. Die Garmisch-Partenkirchner entwickelten sich fortan zur Fahrstuhlmannschaft. Auch Christoph Saller, der zur Winterpause 2014 als Bezirksliga-Coach übernahm, musste zunächst wieder in die Kreisliga, ehe 2017 der Doppelaufstieg in die Landesliga seinen Anfang nahm. Ohlstadt behielt Peter Kramer noch drei weitere Jahre, ehe Andreas Fischbach und später Markus Eberhart das Team betreuten. Der Traum von der Rückkehr in die Bezirksliga blieb aber allen dreien verwehrt. Seit zwölf Jahren verweilt der SV Ohlstadt inzwischen in der Kreisliga – und damit länger als jeder seiner Konkurrenten.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare