SpVgg Unterhaching - die Filiale des 1. FC Heidenheim

Stefan Schimmers Wandel zum Profi

Die Freude musste oft raus: Stefan Schimmer erzielte für die SpVgg Unterhaching 19 Treffer in 67 Spielen.
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Die Freude musste oft raus: Stefan Schimmer erzielte für die SpVgg Unterhaching 19 Treffer in 67 Spielen.

Von der Landesliga in die 2. Bundesliga. Stefan Schimmer ist schon der dritte Hachinger Spieler, der zum 1. FC Heidenheim gewechselt ist. 

An seinem ersten Arbeitstag als Profi im Sportpark hatte Stefan Schimmer wie damals Florian Niederlechner alles dabei: „Torinstinkt und Übergewicht“, sagt Haching-Präsident Manni Schwabl über den Stürmer, der mit zu vielen Kilos das Training aufnahm. Dass Schimmer überhaupt beim damaligen Drittliga-Aufsteiger gelandet ist, verdankt er seinem langjährigen Coach und Mentor Stefan Anderl. „Er hat einen sehr großen Anteil daran, dass ich jetzt in Heidenheim bin“, sagt der 25-Jährige über seinen Förderer aus Gundelfinger und Memminger Zeiten.

Der 1. FC Heidenheim bedient sich gerne bei Haching. Die Schwaben schätzen die Arbeit der SpVgg. Manni Schwabl pflegt beste Kontakte zum Tabellenvierten der 2. Liga. „Holger Sanwald (Geschäftsführer 1. FC Heidenheim, Anm. d. Red.) wird es bestätigen. Er sagt, wenn von uns ein Spieler kommt, muss er nur noch schauen, ob es sportlich passt.“ Bei Schimmer hat es wieder einmal gepasst. Das war vor dreieinhalb Jahren noch nicht absehbar. In der Saison 2015/16 schoss Gundelfingen mit 18 Toren in 31 Spielen noch von der Landes- in die Bayernliga. „Ich hatte das nicht mehr auf dem Schirm, dass es noch mal reichen könnte“, sagt Schimmer im Rückblick.

Durchbruch beim FC Memmingen

Ein Nachwuchsleitungszentrum (NLZ) hat der Stürmer nie von innen gesehen.„Bis zur B-Jugend war ich bei meinem Heimatverein TSV Wertingen. Fußball war ein Hobby. Ich möchte es nicht missen, wie ich es erlebt habe mit einer normalen Kindheit, in der man besonders aus Spaß und Freude gespielt hat“, sagt Schimmer. Sein Weg führte ihn zur U17 des FC Gundelfingen. Dort traf er auf Anderl, der ihn formte und antrieb. „Wir haben ihn schon als B-Jugendlichen ins Training der ersten Mannschaft geholt. Wir haben sein enormes Talent in Richtung Tor gleich bemerkt“, sagt Anderl über seinen ehemaligen Schützling. Der 54-Jährige war es dann auch, der ihn nach der Landesliga-Meisterschaft mit in die Regionalliga zum FC Memmingen genommen hat.

Dort schlug Schimmer mit 26 Toren in 34 Spielen ein, obwohl er nach der Winterpause „mit zu vielen Kilos zurückgekommen ist. Aber es hat trotzdem gereicht“, denkt Anderl an die gemeinsame Zeit zurück. Die Umstellung auf einen professionellen Lebenswandel sollte Schimmer noch eine Weile begleiten. „Er kam in einem sehr unfitten Zustand. Das erste halbe Jahr war durchwachsen“, sagt Ex-Trainer Claus Schromm, der gemeinsam mit Schwabl und Anderl auf den Torjäger einwirkte: „Wir haben ihm dargelegt, dass er an einer T-Kreuzung angekommen ist. Entweder nach links zurück nach Memmingen oder nach rechts in den Leistungsbereich.“

Schimmer bog nach rechts ab und machte den entscheidenden Schritt zum Profi. „Stefan hat eine super Mentalität“, sagt Anderl. „Der kann auch grantig werden. Wenn er mal eine Zeit lang nicht spielt, dann wird er auch unangenehm. Er pusht sich dann noch mehr.“ Laut Claus Schromm muss es „irgendwann Klick“ gemacht haben. „Er hat dann athletisch brutal zugelegt und eine sehr gute Quote gehabt.“ Manni Schwabl berichtet, dass Schimmer in einer Saison nach der obligatorischen Wiesn-Einkleidung sogar zwei Lederhosen gebraucht hat. Zunächst vermutete der SpVgg-Präsident eine Schlamperei bei seinem Stürmer. „Hat er sie schon wieder liegenlassen?“, wollte er wissen. „Die ist ihm inzwischen zu groß“, lautete die Antwort. „Dann san ma beinand. Dann hat er ja das umgesetzt, was wir wollten.“ Die zu Saisonbeginn festsitzende Hose war Schimmer nach intensivem Training zu groß geworden. „Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sagt Schwabl. Die letzte Hürde war also genommen. „Es war ein Prozess, was Professionalität angeht, sagt Schromm.

Schimmer: „Ich weiß, wo ich herkomme“

Obwohl es für Schimmer weiter steil nach oben ging, hat er seine Wurzlen nie vergessen. „Ich weiß, wo ich herkomme und dass es schnell von der Landesliga bis in die 2. Liga ging. Ich bin gut damit gefahren, dass ich nicht anfange zu spinnen, sondern lasse es auf mich zukommen.“ Bei seinen Jugendvereinen TSV Wertingen und dem FC Gundelfingen schaut er trotz seiner Verpflichtungen als Profi noch regelmäßig vorbei. „Er hat eine ganz große Treue zu seiner Heimat. Er ist ein Vorzeigetyp in unserer Umgebung geworden“, berichtet Anderl. Eine Tatsache hat sich allerdings geändert. Als Amateurspieler war er auch in der dritten Halbzeit ein Anführer seiner Mannschaft, erinnert sich Anderl. „Stefan hat ein gutes Feeling für das Team gehabt. Er hat feiern können und stand am nächsten Tag auf dem Platz. Er war mit Sicherheit keiner, der um 22 Uhr gesagt hat, ich gehe jetzt heim.“ Regelmäßige Treffen mit alten Freunden nimmt der Mittelstürmer aber immer noch wahr. „Er ist weg von seinem jugendlichen Auftreten, Bierchen hier, Party da... er geht mit seinen früheren Kumpels weg, aber nicht zum Party machen, sondern zum Essen.“

Beim FC Heidenheim lebt Schimmer seinen Traum. „Dass ich das, was ich am liebsten mache, auch als Job haben kann und machen darf, ist ein Privileg“, sagt der 25-Jährige. Diese Bodenständigkeit scheint auch seinem neuen Trainer Frank Schmitt besonders zu gefallen: „Stefan ist nicht dieser Prototyp aus einem Nachwuchsleistungszentrum. Er hat sich in seiner Karriere vieles selbst erarbeitet“, sagt der Erfolgscoach des FCH über seinen Stürmer. „Dieser Werdegang passt gut zu unserem Verein.“ Bisher kommt Schimmer meistens als Joker von der Bank. In elf Einsätzen traf dreimal für seinen neuen Arbeitgeber, einmal sechs, einmal 17 und einmal drei Minuten nach seiner Einwechslung. Sein Chef macht ihm Hoffnung auf mehr Spielzeit. „Er befindet sich auf einem guten Weg. Seine drei Tore waren alle sehr wichtig für uns. Natürlich muss auch er sich an die Herausforderungen, die die 2. Bundesliga mit sich bringt, gewöhnen. Wir setzten auf seine Entwicklung und seine Tore, die er für uns noch machen wird.“

Schimmer kann zwei Aufstiege feiern

Heidenheim ist wie Unterhaching in Schlagdistanz zu den Aufstiegsrängen. Die Schwaben lauern hinter Bielefeld, Hamburg und Stuttgart. „Wir lassen uns davon nicht verrückt machen“, bremst Schimmer. „Wenn wir am Ende der Saison immer noch da oben stehen, können wir vielleicht davon träumen und darüber reden.“ Im Optimalfall winkt ihm sogar ein Doppelaufstieg, da er zu Saisonbeginn noch vier Spiele im Haching-Trikot absolviert hat. Packt die Spielvereinigung den Sprung in die zwei Liga, dürfen sich die ehemaligen Kollegen auf ein Wiedersehen freuen - wie zum Oktoberfest, als er seine Ex-Kollegen mit einem spontanen Besuch überraschte. „Bei der Aufstiegsfeier würde ich einfach vorbeikommen“, kündigt Schimmer lachend an. „Ich glaube, Manni würde das sogar befürworten.“

Quelle: Merkur.de

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