SPORTLER IM PORTRÄT

Als Spätberufener kommt Martin Eimansberger im Kraftsport zum WM-Titel  

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Kraftsport ohne „Mittelchen“: Martin Eimansberger wird auch mit 84 Jahren als Sportkamerad akzeptiert und „weiß noch nicht einmal, wie ein Eiweißpulver schmeckt“. Foto: Patrick Staar

Viele Sportarten hat Martin Eimansberger (84) in seinem  Lebens ausprobiert. Im Kraftsport findet der Tölzer seit einem Vierteljahrhundert seine Erfüllung. Vor vier Jahren wurde er sogar Weltmeister.

Bad Tölz – Es kommt immer wieder vor, dass junge Leute zu Martin Eimansberger kommen und ihm mit verschwörerischem Blick zuraunen: „Jetzt mal ganz ehrlich: Was nimmst Du eigentlich für Mittel?“ Eine nahe liegende Frage, schließlich ist es schon höchst ungewöhnlich, wenn ein 84-Jähriger ein wahres Muskelgebirge mit sich herumträgt, den Weltmeistertitel im Bankdrücken gewinnt und im Training mal eben 95 Kilo in die Höhe stemmt. Eimansberger muss dann immer herzlich lachen: „Ich kann einen Eid leisten, dass ich noch nie leistungssteigernde Mittel genommen habe. Ich weiß ja noch nicht einmal, wie ein Eiweißpulver schmeckt.“

Eimansberger ist ein spätberufener Kraftsportler, erst mit 60 Jahren begann er mit dem Training. Davor widmete er sich ganz anderen Sportarten. „Als Bub bin ich Ski gefahren – wie alle anderen auch. Es gibt kaum eine Disziplin, mit der er nicht in Kontakt kam. Gerne ging er zum Segeln, 13 Jahre war er beim Reitverein aktiv. Mit 17 war Eimansberger dabei, als in Bad Tölz der Wassersportverein gegründet wurde. Er erlebte ebenfalls hautnah die Organisation des ersten Blomberglaufs mit: „Wir haben damals gedacht, dass das der erste Berglauf in Bayern ist“, erinnert sich Eimansberger. „Später hat sich herausgestellt, dass es am Hochfelln im Chiemgau ein Jahr früher schon einen Berglauf gegeben hat.“ Auf seine Initiative geht auch die Langlaufstrecke zwischen Reichersbeuern und Tölz zurück, die noch heute in fast unveränderter Form existiert. Eimansberger steckte die Strecke aus und befuhr sie mit dem Fahrrad samt Kilometerzähler, „um zu wissen, wie lang sie ist“.

Begeisterter Kajakfahrer: Martin Eimansberger 1972 auf der Ötztaler Ache. Foto: Privat

Der Tölzer liebte die Herausforderung: In Österreich und der Schweiz unternahm er immer wieder schwierige Touren mit dem Expeditions-Kanufahrer Hans Memminger. Dieser machte sich unter anderem mit einer 3000 Kilometer langen Eismeer-Expedition von Grönland nach Kanada einen Namen. Ebenso unternahm Eimansberger oft Klettertouren, durchquerte beispielsweise die Herzogkante an der Lalidererwand. Eine weitere Leidenschaft war das Langlaufen. Zehnmal beteiligte sich der Tölzer am Koasalauf, einem 72 Kilometer langen nordischen Rennen in St. Johann in Tirol.

Eimansbergers sportliches Leben war vielseitig. Im Beruf drehte sich bei ihm stets alles um Schuhe. Er lernte Schuhmacherei und führte über zehn Jahre lang ein Schuhgeschäft. Anschließend war er im Auftrag der Firma Romika in ganz Süddeutschland als Vertreter unterwegs. Mit 60 Jahren ging er in Rente, und nun geriet der Kraftsport in seinen Fokus: „Das hat mich schon immer interessiert“, sagt der 84-Jährige.

Der Höhepunkt war vor vier Jahren der Gewinn des Weltmeistertitels in der Mastersklasse in Warschau. Eimansberger wäre nie auf die Idee gekommen, dort teilzunehmen, doch ein paar Freunde kümmerten sich um den Flug und die Organisation. „Da hab’ ich 110 Kilo im Bankdrücken weggedrückt und 125 Kilo im Kreuzheben – das war schon eine Sache.“

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Solche Leistungen sind seiner Ansicht nach keine Frage des Talents: „Das ist reine Übungssache.“ Eimansberger trainiert normalerweise dreimal pro Woche im Tölzer „Cleverfit“: „Da kenne ich alle Leute, und alle Leute kennen mich – das ist wirklich schön. Ebenfalls schön ist, wenn man sieht, dass man auch im Alter noch als Sportkamerad akzeptiert wird.“

Der Tölzer hält Kraftsport für positiv, „gerade für ältere Leute, denn bei den meisten baut die Muskelmasse da stark ab – gerade oben herum.“ Jedes Training sei hart, oft müsse man sich überwinden. Allein schon durch tägliche Liegestütze könne man enorm Kraft aufbauen: Er weiß es aus eigener Erfahrung: „Bevor ich mit dem Kraftsport angefangen habe, habe ich jeden Tag 35 Liegestütze gemacht.“

Quelle: Merkur.de

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