Es geht nicht nur um die Sorge nach dem Nachwuchs

Kommentar: Amateure hoffen auf Restart - Zeit, dass sich was dreht

Die Amateurfußballer sind im Moment kalt gestellt. 
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Die Amateurfußballer sind im Moment kalt gestellt. 

Die Amateurfußballer hoffen auf eine Rückkehr zum Spielbetrieb. Der DFB will sich für die Basis einsetzen. Ein Kommentar von Daniel Mücksch vom Münchner Merkur.

Die Zahlen lesen sich erst einmal beruhigend: 95 Prozent der Amateurfußballer wollen in ihren Sport nach der Pandemie zurückkehren. 98 Prozent vermissen ihn. Also alles wie vorher, sobald der Ball wieder auf den Amateurplätzen rollt? So einfach wird es leider nicht funktionieren.

Amateurfußball: Appel von Fritz Keller an die Politik erinnert an einen zahnlosen Tiger

In der Umfrage des Deutschen Fußballbundes wird nicht erfasst, wie viele Prozent der Kinder durch den Lockdown erst gar nicht mit dem Fußball anfangen. Wenn diese Kinder nicht schnell an den Sport herangeführt werden können, drohen inzwischen mehrere Jahrgänge gänzlich an das Smartphone oder die Spielkonsole verloren zu gehen. Was auch schon vor der Pandemie eine ernst zu nehmende Gefahr gewesen ist.

Daher ist der Appell von DFB-Präsident Fritz Keller richtig. Wenngleich er etwas an einen zahnlosen Tiger erinnert. Nur weil der Verband mit ernster Miene den Zeigefinger hebt, wird die Politik nicht hektisch die Vereinsanlagen aufsperren. Doch es geht darum, ein Zeichen zu setzen. Den Amateur-Fußballern eine einheitliche Stimme zu verleihen. Und wer könnte das nicht besser als der mitgliederstärkste Sportverband der Welt? Nach zuletzt einem Fehltritt nach dem anderen gehört die klare Forderung nach einer Perspektive für die Mitglieder zu den besseren Aktionen des DFB.

Daniel Müksch ist Sport-Redakteur beim Münchner Merkur.

Der Sportplatz ist auf dem Land ein Fixpunkt des lokalen Lebens

Neben der Sorge um den Nachwuchs kommen noch zwei Punkte hinzu: Zunächst die Gesundheit. Viele Amateure kicken neben dem Beruf gegen den Ball, weil sie sich in der Gruppe zum Sport aufraffen können. Nicht jeder ist zum einsamen Dauerläufer oder monotonem Radfahrer geboren. Nicht nur das Virus gefährdet die Gesundheit unserer Gesellschaft, sondern auch ein strenger Lockdown über weitere Monate. Und zweitens ist der Sportplatz – besonders in ländlichen Regionen – ein Fixpunkt für das soziale Leben. In vielen Ortschaften hat die Dorf-Kneipe in den letzten Jahren nicht überlebt, stattdessen trifft man sich nun auf dem Fußballplatz. Hier wird gejubelt, geschimpft – ein Bier in gemütlicher Runde im Vereinsheim getrunken.

Bis diese Gemütlichkeit zurückkehrt, ist es noch ein weiter Weg. Aber die Entscheidungsträger in der Politik sollten sich immer bewusst sein, dass der Amateur-Fußball viel mehr ist als ein Spiel, bei dem es nur um Tore, Titel und Tabellen geht.

(DANIEL MÜKSCH)

Daniel.Mueksch@merkur.de

Quelle: Merkur.de

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