Andreas Hohlenburger: Das Ende einer persönlichen Leidenszeit

Verspürt Angriffslust: Andreas Hohlenburger will wieder in die Nähe seines Torrekordes (34 in der Saison 2018/19) kommen.
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Verspürt Angriffslust: Andreas Hohlenburger will wieder in die Nähe seines Torrekordes (34 in der Saison 2018/19) kommen.

Freising – Als Andreas Hohlenburger auf den 41-Tore-Rekord von Robert Lewandowski angesprochen wird, muss der 29-Jährige erst einmal schmunzeln. Als eingefleischter Löwen-Fan hält es Freisings Topstürmer eigentlich so gar nicht mit den Roten. Aber, und das zeigt schon ein wenig, wie die Sportwelt mit dem Bruch dieses endlos scheinenden Rekords von Fußballgott Gerd Müller umgeht, so ganz verschließen konnte sich Hohlenburger, selbst seit Jahren eifriger Toresammler, davon dann doch nicht. „Das ist schon etwas Bemerkenswertes“, erzählt der 29-Jährige, „obwohl ich das als Löwenfan eigentlich so gar nicht sagen dürfte.“

Hohlenburger traf in der Saison 2018/19 34 Mal 

Hohlenburger ist, wie viele seiner Angreifer-Kollegen, mit dem Glauben aufgewachsen, dass da ein Rekord für immer besteht. 40 Tore erzielte jener sagenumwobene Gerd Müller in der Saison 1971/72, Generationen an Fußballinteressierten dachten, dass da etwas für die Ewigkeit bestimmt war. Bis zu jenen beiden Samstagen im Mai, als Lewandowski erst sein 40. Saisontor, dann sogar noch das 41. erzielt hatte und somit eine neue Ewigkeit anbrach. Und Andreas Hohlenburger legt sich fest: „So schnell wird das keiner nachmachen – wenn überhaupt, dann der Lewandowski selbst.“

Was aber macht Robert Lewandowski so einzigartig, zum wohl besten Stürmer seiner Generation, zum heutigen Gerd Müller? Hohlenburger, der selbst als einer der besten seiner Zunft im hiesigen Amateurbereich gilt, muss da nicht lange überlegen. „Bei ihm passt das Gesamtpaket“, resümiert der 29-Jährige, „er kann mit rechts und links schießen, trifft per Kopf, hat Elfmeter sicher verwandelt und irgendwann kamen auch noch die Freistöße dazu.“ Schwer zu kopieren also? Vieles ist da sicher Veranlagung, „jedoch“, so Hohlenburger weiter, „hat er sich das auch erarbeitet.“ Lewandowski gilt als Sportasket, richtet alles auf den Erfolg aus, trainiert wie ein Narrischer, hat einen Körper wie ein griechischer Modellathlet. „Das fliegt einem nicht einfach zu“, erkennt Hohlenburger an.

Dass er selbst einmal beinahe vor diesem 40-Tore-Rekord stand, daran erinnert sich Hohlenburger nur allzu gern, gibt aber auch zu, dass damals – in der Saison 2018/2019 – der ewige Gerd Müller nie ein Thema war. 34 Treffer hatte Freisings Stürmer damals erzielt (und 28 im Jahr zuvor), holte sich die Torjägerkrone in der Südost-Staffel und war auch bester Schütze aller Landesligen. „Ich hab damals ja quasi jedes Spiel getroffen, manchmal sogar doppelt“, erinnert sich Hohlenburger, „das war für meine Verhältnisse eh schon überragend.“

Seine volle Konzentration gilt dem Hier und Jetzt. Weil die Inzidenzen im Landkreis stabil niedrig sind, durften die Lerchenfelder Fußballer am Montag wieder voll trainieren (maximal 25 Mann). Für Hohlenburger ging damit eine lange Leidenszeit wohl endgültig zu Ende. Es war im Sommer 2019, als beim SEF-Stürmer zum ersten Mal das Schambein schmerzte, er von Arzt zu Arzt lief, lange keine Besserung eintrat, sich sogar die Frage stellte, ob er überhaupt wieder auf höchstem Niveau würde spielen können. Jetzt, fast zwei Jahre später, ist alles ausgeheilt und Hohlenburger voll einsatzfähig. „Auch wenn das blöd klingt“, erklärt der 29-Jährige, „kam die Verletzung zum richtigen Zeitpunkt.“ Corona zwang alle zur Fußballpause, Hohlenburgers Fuß hatte also genügend Zeit. Nicht nur das, der Stürmer nutzte die Zwangspause, um sich fit zu halten, das ganze Team stieg irgendwann auf die B42-App um. Deswegen scharrt Hohlenburger mit den Hufen, dass es endlich wieder losgehen kann mit dem Spielbetrieb, mit einer hoffentlich regulären Saison 2021/2022. Ob’s dann die 42 Treffer von Lewandowski sein werden? Da muss Hohlenburger wieder schmunzeln. Erst einmal fit und verletzungsfrei bleiben, lautet die Devise. Was dann kommt, würden die ersten Wochen schon zeigen. „Ich bin immer mit dem Ziel in eine Saison gegangen, zweistellig zu treffen, und das ist auch dieses Mal zunächst so.“

Hart an der eigenen Fitness gearbeitet, um wieder anzugreifen 

Wer erwartet, dass Hohlenburger erst einmal Anlauf brauchen wird, um 90 Minuten durchzustehen, die ersten seit September 2019 seit dem Match gegen Hauzenberg, den wird der 29-Jährige sicher eines Besseren belehren. Hohlenburger hat viel trainiert in den letzten Wochen und Monaten, hat aber auch das Mountainbiken wieder für sich entdeckt, mit seinen Spezln steht sogar eine Alpenüberquerung auf dem Plan.

Wie wird man Andi Hohlenburger also erleben die nächsten Wochen, als Robert Lewandowski oder doch Sascha Mölders, der mittlerweile als „Wampe von Giesing“ bekannt geworden ist? Da muss Hohlenburger, der eingefleischte Löwenfan, laut lachen. „Dann wohl eher doch als Lewandowski.“ Auch wenn am Ende die 41 Tore Bestand haben werden.

(MATTHIAS SPANRAD)

Quelle: Merkur.de

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