Jürgen Staiger tritt ein schweres Erbe an

ASV Habach: Der Ex-Trainer wirft einen langen Schatten

+
Gratuliere, Kollege: Jürgen Staiger (rechts) nimmt nach dem 5:1 seiner Habacher die Glückwünsche von Pollings Trainer Robert Färber entgegen. Mit neun Punkten aus drei Partien hat der ASV einen Start nach Maß hingelegt.

Nach fünf Jahren als Trainer des ASV Habach hat Martin Wagner seinen Abschied eingereicht. Sein Nachfolger Jürgen Staiger tritt ein schweres Erbe an, der 50-jährige Schwabe wird bisweilen noch mit skeptischen Blicken beäugt. Die bisherige Bilanz in der Kreisliga 1 straft Skeptiker jedoch Lügen.

VON ANDREAS MAYR

Habach – Martin Wagner ist noch da. Er gehört nicht zu der Gattung Trainer, die sich nach ihrem Rücktritt vom Fußballplatz fernhalten. Wagner coacht zwar nicht mehr, aber er grillt dafür jetzt. Er war am vergangenen Wochenende mit der Zange in der Hand beim Würstl-Wenden neben dem Vereinsheim anzutreffen. Er machte einen glücklichen Eindruck, was natürlich auch am höchst erfolgreichen Spiel des ASV Habach gelegen hat. Also seine Mannschaft, die er fünf Jahre betreut hat. 5:1 besiegte sie das Kreisliga-Team den SV Polling.

Der ASV-Trainer heißt jetzt aber Jürgen Staiger. Der Schwabe gibt zu, wie schwierig es ist, aus dem Schatten eines so geschätzten wie gemochten Kollegen zu treten, der noch dazu aus dem Ort kommt. Anfangs reagierte das Team, das ihn gut aufgenommen hat, mit Skepsis. Der Neue brachte Ideen mit, die an manchen Ecken mit Wagners Ansätzen – über Jahre eingeübt und gewachsen – kollidierten. Dagegen möchte Staiger gar nicht ankämpfen. Sein Vorgänger habe „sehr, sehr gute Arbeit geleistet“. Nur manchmal fällt es den Spielern schwer, sich für Neues zu öffnen, „weil sie auf das Alte zurückkommen“. Geht es nach dem 50-Jährigen, zersägt Habach künftig mit Passspiel die Ketten der Gegner. Er lässt das vor jedem Ligaduell zum Aufwärmen trainieren. Auf engem Raum, manchmal auch großflächig, sollen die Kicker den Ball fehlerfrei hin- und herschieben. Im Training klappt das noch besser als im Wettkampf.

Die Ansätze gefallen Staiger. Allerdings erkennt er die Handschrift, die er dem ASV verpassen will, nicht immer. Gut, es ist erst August, die Saison dauert noch zehn Monate. „Wir arbeiten weiter.“ Solange die Ergebnisse passen, beschwert sich keiner. Mit den Erfolgen lässt sich in Ruhe fortfahren. „Wenn ich keine Punkte hätte, wäre das Murren groß.“ Staiger wird an den Erfolgen seines verehrten Vorgängers gemessen. Der Routinier weiß das. Das Umfeld beäugte ihn zu Beginn kritisch, weil er doch zuletzt in Antdorf gearbeitet hatte. „Beim Feind“, wie er scherzt.

Mittlerweile lernen sich beide Seiten besser kennen und beseitigen Ressentiments. Staigers Ansichten vom Teamsport passen hervorragend nach Habach. Kameradschaft sieht der Trainer seit jeher als wichtigste Tugend. Mit 29 Jahren begann er in Schwaben seine Trainer-Laufbahn. In der ersten Saison feierte er den Titel in der Bezirksoberliga. Zusammenhalt habe schon die Landes- und Bezirksligisten geprägt, die er früher in der Heimat trainierte. Habachs Kombination aus Gemeinschaft und Potenzial reizt Staiger, seit ihn die Anfrage des ASV im Frühjahr erreichte.

Die ersten Wochen dieser frischen Ehe verliefen traumhaft. Habach führt mit Lenggries und Otterfing (alle mit neun Punkten) die Kreisliga 1 an. So schnelle Erfolge hatte keiner erwartet. Die Nachwehen der Relegation, Verletzte und Urlauber sorgten für eine kurze Vorbereitung. „Wir konnten nicht so durchziehen wie erhofft“, sagt Staiger. Umso glücklicher stimmen ihn die ersten Siege. „Ich bin riesig froh.“ Trotzdem vermeidet er das Thema „Aufstieg“. Allein schon, weil der Kader nicht der größte ist. „Ich habe keine 19 Mann.“ Aber jammern möchte er nicht. Denn ähnliche Probleme kenne jeder Trainer der Kreisliga – auch sein Vorgänger, doch der muss sich damit jetzt nicht mehr herumquälen.

Quelle: Merkur.de

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

„Trainiere nur den TSV Neuried“: Tobias Rehse fühlt sich Heimatverein verbunden - Zukunft nach Corona dennoch unklar
„Trainiere nur den TSV Neuried“: Tobias Rehse fühlt sich Heimatverein verbunden - Zukunft nach Corona dennoch unklar
MA Club Championship: Sebastian Voichtleitner im Portrait
MA Club Championship: Sebastian Voichtleitner im Portrait
TSV Geiselbullach-Neu-Estig und TSV 1860 Rosenheim unterstützen Hilfsprojekt
TSV Geiselbullach-Neu-Estig und TSV 1860 Rosenheim unterstützen Hilfsprojekt
FC Aschheim: Antonio De Spirito organisiert Quiz für Kinder
FC Aschheim: Antonio De Spirito organisiert Quiz für Kinder

Kommentare