Garchings Edeltechniker will in die Regionalliga

Aufstiegsexperte Flo de Prato und der Traum vom Grünwalder Stadion

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Viel Gefühl im rechten Fuß: Florian de Prato ist auch ein Spezialist für Standards.

VfR Garching - Vor zwei Jahren ist Flo de Prato mit dem VfR Garching in die Regionalliga aufgestiegen, doch den Traum, dort zu spielen, opferte er der Familie. Nun steht er mit Garching wieder vor dem Aufstieg, diesmal würde er mit nach oben gehen. Es wäre der sechste Aufstieg in Folge für den 29-Jä

Und plötzlich standen alle auf. Es lief die 80. Minute im Bayernligaspiel des VfR Garching gegen den SV Raisting, der Aufstieg stand fest, nun galt es einen Mann gebührend zu verabschieden, der so viel beigetragen hatte zu dieser fantastischen Story, den Weg in die Regionalliga aber nicht mehr mitgehen würde. Florian de Prato, der sich nun mit Tränen in den Augenwinkeln von den Garchinger Fans verabschiedete, war am Ziel. Und am Ende. „Die letzten sechs Spiele habe ich nur noch mit Schmerztabletten durchgestanden“, ein Knorpelschaden im Knie, erklärte er, zwinge ihn, seine Karriere zu beenden.

Es war ein emotionaler Abschied an diesem sonnigen 24. Mai 2014, während sich eine Weißbierdusche nach der anderen über Spieler und Trainer ergoss, drückten sie alle de Prato, alle dankten ihm, dem so oft Unterschätzten. Seine für Leistungssportler ungewöhnliche Körperfülle hatte ihm spöttische Beinamen wie „Kugelblitz“ eingebracht, aber auch viel Respekt. Daniel Weber, Garchings Trainer, hatte immer große Stücke auf sein „wampertes Ding“ gehalten, in dem so viel Energie, so viel Ehrgeiz steckte.

Dass Florian de Prato inzwischen vor seinem sechsten Aufstieg in Folge steht, ist nun eine ganz besondere Geschichte. Damals, vor knapp zwei Jahren, hat de Prato nicht die ganze Wahrheit erzählt. Klar, sein Körper war stark strapaziert, das Knie wirklich ziemlich kaputt. Der Entschluss aber, auf dem Höhepunkt abzutreten, hatte vor allem private Gründe. Die de Pratos, zu denen neben einer Schwester noch vier weitere Fußballer zählen, sind Familienmenschen. Und in diesem Sommer wusste Florian, mit 29 der Älteste der fünf Brüder, dass er nun vermehrt zu Hause gebraucht wurde, von Frau und Tochter. Das war der entscheidende Grund gewesen, warum er sich seinen „Traum, in der höchsten Amateurliga zu spielen“, in Stadien wie dem Grünwalder in München, gegen die Amateure der Bayern und die U21 der Löwen, nicht erfüllen konnte, einfach nicht durfte.

Einen wie Florian de Prato aber lässt der Fußball nicht einfach gehen, er kickte bald weiter, mit weniger Aufwand, aber gemeinsam mit den Brüdern, vier Klassen tiefer. Beim TSV Moosach in der Kreisliga. Und während seine Garchinger am Ende unglücklich aus der Regionalliga abgestiegen sind, ist de Prato zum fünften Mal in Folge aufgestiegen, mit Moosach in die Bezirksliga. 18 Tore hat er zum Aufstieg beigetragen. Und gespürt: Das war es noch nicht, er sehnte sich zurück in höhere Amateurklassen, zurück auf das Niveau, das seinem Talent, seinem Können entsprach. Und seinem Anspruch: „Ich habe beschlossen, mindestens Landesliga sollte es schon sein.“

Es wurde Bayernliga. Weil Garchings Trainer Daniel Weber seinen Zauberfuß nie vergessen hatte und ihn bald überredete, zum VfR zurückzukehren. De Prato hatte hart an sich gearbeitet, viele überflüssige Pfunde abgebaut, er fühlt sich topfit, seine Figur ist inzwischen so, wie man sie sich vorstellt bei einem Bayernligaspieler. Und wieder spielt er eine überragende Saison mit Garching. Als Tabellenführer geht man in die Restsaison, gerade hat man sich mit einem Trainingslager in Bardolino auf das große Ziel eingeschworen, die Rückkehr in die Regionalliga. „Für mich persönlich wäre das nach dem Verzicht vor zwei Jahren ein extremes Erlebnis“, weiß de Prato.

Dabei ist er in den letzten 13 Jahren fast jedes Jahr aufgestiegen, vor seiner Garchinger Zeit schon mit dem Kirchheimer SC und dem TSV Grasbrunn. Dort hat man dann drei Tage lang durchgefeiert, ist mit dem Traktor die umliegenden Ortschaften abgefahren, „diese Erfolge waren schon was Spezielles“, von der Bedeutung her aber natürlich nicht zu vergleichen mit einem Regionalligaaufstieg. Sollte er gelingen, de Prato hätte dann in der kommenden Saison sämtliche Amateurligen von der B-Klasse bis zur Regionalliga in seiner Biografie stehen.

Darauf arbeitet er hin, mit Fleiß, Entbehrungen und großem Ehrgeiz. In der Garchinger Truppe ist er einer der Führungsspieler, diese Rolle will er noch mehr verinnerlichen, lauter werden, wie es der Trainer von ihm fordert. Eigentlich liegt mir das nicht, ich bin eher ruhig.“ Als lauffreudiger Sechser gibt er den Abräumer, aber auch den Regisseur vor der Abwehr, der das Spiel eröffnet, der versucht, den Toptorjäger Dennis Niebauer in Tornähe zu bringen: „Hat man einen Mann mit dieser Qualität im Abschluss im Team, arbeitet man gern für ihn. Wenn er am 16er zum Schuss kommt, ist das wie ein Elfmeter.“

17 Treffer hat Niebauer in 21 Spielen erzielt, eine unglaubliche Quote für einen Mittelfeldspieler. Der Kapitän ist damit einer der Hauptverantwortlichen dafür, dass der VfR drauf und dran ist, sofort in die Regionalliga zurückzukehren. Von den letzten zehn Spielen vor der Winterpause hat man keines verloren, die letzte Niederlage datiert von Mitte September. „Das war nicht zu erwarten“, sagt de Prato, „nach dem Abstieg war die Mannschaft im Umbruch“, die Vorbereitung kurz, noch immer müsse man sich „zusammenraufen“. Wenn man nun gut startet, sei der Aufstieg möglich.

Diesmal wird Florian de Prato mitgehen, er spürt, dass er noch ein paar Jahre auf höchstem Amateurniveau spielen kann, träumt von Auftritten im Grünwalder Stadion, vielleicht sogar in der neuen Regensburger Arena. „Ein Wahnsinn, das will ich genießen.“ Und dafür sogar auf seine große Leidenschaft verzichten, den wöchentlichen Hallenkick mit Fußball-Promis wie Jens Lehmann, Benny Lauth, Thomas Hitzlsperger und Francisco Copado: „Sogar den Sebastian Kehl hat der Jens neulich mitgebracht“, schwärmt de Prato. „Lauter tolle Fußballer.“ Ein Florian de Prato kann auch da mithalten.

Wichtiger aber ist ihm jetzt, den Aufstieg zu schaffen. Und sich damit zu belohnen für die harte Arbeit der letzten Jahre, die aus dem einstigen „Kugelblitz“ einen echten Athleten gemacht hat.

Dieser Artikel erschien auf der Amateursportseite des Münchner Merkurs. Sie erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner. Erreichbar unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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