Brucks Urgestein Baier spricht Klartext

Baier: „Der Amateurfußball ist unglaublich dreckig geworden"

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Auf zu neuen Ufern: Florian Baier blickt gespannt in die Zukunft, fernab vom SC Fürstenfeldbruck.

SC Fürstenfeldbruck – Der Trainerwechsel beim Bayernligisten Fürstenfeldbruck war wohl die Überraschungsnachricht der Woche. Im Zuge der Entlassung von Cheftrainer Roberto Fontana warf SCF-Urgestein Florian Baier sein Handtuch. Schweren Herzens - und alles andere als freiwillig.

von Christoph Kammerlander

Es dauerte bis zum Freitag, ehe man Florian Baier telefonisch erreichte. Ständig klingelte sein Handy, er eilte von einem Gespräch zum nächsten, hatte täglich Sitzungen mit der Vorstandschaft und Telefonate mit Verantwortlichen oder Spielern.
Vielleicht war es jedoch auch gar nicht so schlecht, die Geschehnisse rund um den Trainerwechsel erstmal ein wenig sacken zu lassen. So konnte sich auch der innere Frust, den der 33-jährige Gastronom Baier in sich hatte, etwas setzen und geordnet werden.

"Ich habe alle Höhen und Tiefen des Vereins mitgemacht"

Der Defensiv-Spezialist befand sich in seiner 15. Spielzeit bei seinem SCF. „Ich habe alle Höhen und Tiefen des Vereins mitgemacht, schließlich spielte ich seit meiner A-Jugendzeit hier“, berichtet Baier, der immer den Traum hatte, seine fußballerische Karriere, die in Bruck begonnen hatte, auch dort zu beenden und mit dem Ende seiner Laufbahn seinen Sohn in der Brucker Jugend anzumelden. Nun kam jedoch alles etwas anders.

„Am Mittwoch habe ich einen Anruf von meinem Spezl und Teamkollegen Christian Lippert bekommen, der mir sagte, ich würde rausgeschmissen, weil ich nicht mehr ins Konzept passe.“ Perplex und vor den Kopf gestoßen hat Baier dann begonnen, auf Ursachenforschung zu gehen. „Ich wusste gar nicht, was los ist, das war ein Schlag ins Gesicht nach so vielen Jahren“, erzählt er hörbar geknickt.

In Sitzungen mit dem neuen starken Mann beim SCF, Dylan Hughes, sowie weiteren Vereinsverantwortlichen, habe er wenige Wochen zuvor kundgetan, er wolle nicht der letzte „Alte“ in der Mannschaft sein, als er gehört hatte, dass die Mannschaft drastisch verjüngt werden sollte. „Das wurde mir dann offenbar falsch ausgelegt – dabei wollte ich aus meiner Erfahrung heraus lediglich davor warnen, dass man mit ausschließlich jungen Spielern in der Bayernliga keinen Blumentopf gewinnt, schon gar nicht im Abstiegskampf“, so der ehemalige Co-Trainer, dem vor allem sauer aufstieß, dass er von alledem nur hintenherum erfahren hatte.

„Der Amateurfußball ist unglaublich dreckig geworden"

Kämpfernatur: Flo Baier ließ sich auch auf dem Platz nur ungern etwas sagen.

Als er die Verantwortlichen schließlich in den vergangenen beiden Tagen auf die Geschehnisse ansprach, bekam er kaum klare Antworten. „Der Amateurfußball ist unglaublich dreckig geworden. Früher hat man sich die Dinge noch ins Gesicht gesagt, da konnte man sich auch mal reiben und streiten – heute geht alles hinterrücks, die Leute reden sich bei direkten Konfrontationen heraus oder berichten Unwahrheiten“, ärgert er sich.
Zwar möchte Baier nun keine schmutzige Wäsche waschen - auch aus Respekt gegenüber seiner ehemaligen Teamkollegen, mit denen er sich sehr gut verstand - unkommentiert wollte er diese Sache dennoch nicht stehen lassen. „Es gab Zeiten, da habe ich sieben Monate lang keinen Cent gesehen, weil der Verein am Abgrund stand. Dennoch habe ich nie etwas nach außen getragen oder gemosert, aber irgendwann ist auch bei mir der Bogen überspannt.“ Zu einzelnen Personen, auch zu seinem Spezl und Trainerkollegen Roberto Fontana, mit dem er fast täglich telefoniert, wollte Baier nichts sagen.

Baier zwischen Wut, Herzblut und Wehmut

Wie wichtig dem Verteidiger der Verein wirklich ist, wird während des Gesprächs immer wieder deutlich. Er spricht mit Herzblut – und Wehmut. Trotz aller Geschehnisse sei ihm eine „saubere Trennung“ sehr wichtig, immer wieder spricht Baier von „seinem“ Verein und betont, er wolle ihm „unter keinen Umständen schaden“. Sogar einen Deal ist er zum Abschied noch eingegangen. „Ich habe versprochen, zu keinem Bayernliga-Konkurrenten zu wechseln“, gibt er schmunzelnd zu Protokoll.

Die Lust am Fußballspielen ist ihm allerdings trotz der Querelen noch nicht vergangen, wohl noch in dieser Woche wird er seinen neuen Verein bekannt geben. „Schon am Mittwoch habe ich einige Anrufe von interessierten Vereinen bekommen, die Entscheidung wird wohl auf einen Landesligisten fallen“, berichtet er freudig.

„Ich muss leider auflegen“ lacht Baier am Ende des Gesprächs in der Hörer, „mein Telefon klingelt schon wieder“.
Vielleicht war es ja schon sein neuer Verein, der letzte Wechselmodalitäten mit dem sympathischen jungen Mann besprechen wollte.

Quelle: fussball-vorort.de

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