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„Basti musste auf sehr vieles verzichten“

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Beim FC Bayern II hatte Tobi Schweinsteiger keine leichte Zeit.

SpVgg Unterhaching - Tobias Schweinsteiger über das Leben im Schatten seines Bruders, Haching und Tränen beim Mensch ärgere dich nicht

Tobias Schweinsteiger muss seit vielen Jahren mit dem Prädikat „der andere Schweinsteiger“ leben. Während sein jüngerer Bruder als Nationalspieler und Bayern-Star das Rampenlicht genießt, hat es der Stürmer nie über die Zweite Liga hinaus geschafft. Am Sonntag treffen die beiden im Sportpark im Test der SpVgg Unterhaching gegen den FC Bayern aufeinander (Anpfiff: 18.15 Uhr). Im Interview erzählt der 30-Jährige, der vor einer Woche vom FC Bayern II an die Unterhachinger ausgeliehen wurde, wie er sich mit dem Leben im Schatten des kleinen Bruders arrangiert hat.

-Herr Schweinsteiger, noch nie ist es bis jetzt in einem Profispiel zu einem Duell mit Ihrem Bruder Bastian gekommen – wie fühlt sich das jetzt an?

Naja, wie es sich anfühlt, weiß ich wohl erst nach dem Spiel (lächelt). Aber es wird sicher eine lustige Erfahrung und wird auch mal den einen oder anderen Spruch geben. Der Fokus liegt jedoch ganz klar auf dem Spiel beider Mannschaften. Es klingt zwar wie eine Floskel, aber es ist nun einmal so: Da spielt immer noch Haching gegen Bayern – und nicht Schweinsteiger gegen Schweinsteiger.

-Von Thomas Müller und dessen älterem Bruder ist bekannt, dass sie zuhause immer gegeneinander gekickt haben – bei Regen notfalls im Keller. Wie war das bei Schweinsteigers?

Ähnlich. Wir haben im Garten gekickt, im Wohnzimmer, überall. Zuhause immer eins gegen eins, im Verein oder mit Kumpels haben wir immer in einem Team gespielt.

-Und zuhause, eins gegen eins – hat da eher der ältere Bruder gewonnen?

Wahrscheinlich schon. Zwischen uns liegen zwei Jahre Unterschied. Das ist jetzt, bei 30 und 28, nicht mehr wild. Aber wenn man sieben und fünf ist, merkt man das noch.

-Gab es mal Tränen, mussten die Eltern auch mal dazwischengehen?

Ach, gab es sicher mal. Das ist doch normal unter Brüdern. Und das war jetzt nicht unbedingt auf Fußball begrenzt. Beim „Mensch ärgere dich nicht“ hat Basti schon auch mal unter Umständen wütend den Tisch verlassen (grinst).

-Wie sehr nervt es Sie, immer wieder auf Basti angesprochen zu werden?

Um ehrlich zu sein gar nicht. Ich kenne es ja gar nicht anders und weiß es einzuschätzen. Ich bin stolz, einen so erfolgreichen Bruder zu haben. Und ich vergleiche mich nicht mit ihm. Ich bin meinen eigenen Weg gegangen und kann ehrlich sagen, dass ich mit mir auch zufrieden sein kann.

-Was viele nicht wissen: Sie haben mit 16 vier Jahre mit Fußball aufgehört, um sich dem Skifahren zu widmen. Sie waren damals eines der drei größten deutschen Alpin-Talente.

Ich war auf jeden Fall unter den Top 10. Mit 20 war ich drei Mal deutscher Junioren-Vizemeister, ich war mit Felix Neureuther bei der Junioren-WM in Treviso. Damals habe ich Fußball zur Gaudi oder mal zum Warmmachen gespielt. Ich war zwar noch mal ein halbes Jahr hier bei der Hachinger A-Jugend, aber 95 Prozent meiner Zeit drehten sich ums Skifahren. Als ich mich dann mit 20 entschieden habe, doch wieder Fußballer zu werden, musste ich Dinge lernen, die andere bereits mit 15, 16 gelernt hatten.

-Warum haben Sie mit dem Skifahren aufgehört?

Es gab unterschiedliche Ansichten mit den Trainern, und ich wollte mein Abi nachmachen. Fußball schien die bessere Option für die Zukunft. Und ich bereue es nicht.

-Ein früherer Jugendcoach von Ihnen und Bastian sagte mal, Ihre Karriere sei eigentlich viel höher zu bewerten, da Sie viel mehr Willen aufbringen mussten, um sich letztlich im Profibereich zu etablieren.

Das ist sehr nett, aber ich denke nicht, dass meine Leistung höher einzuschätzen ist. Basti hatte zwar den Vorteil, dass er früh gefördert worden ist. Aber schauen Sie sich an, wie viele Talente von klein auf gestützt werden – da wird trotzdem nicht jeder einer der weltweit Besten auf seiner Position. Basti musste auf sehr vieles verzichten, ich habe das hautnah miterlebt – auch er hat viel Willen benötigt.

-Sie sagten mal, da, wo Sie spielen – etwa Regensburg oder Unterhaching – rieche es noch richtig nach Fußball. Nach nassen Klamotten nach einer verregneten Trainingseinheit zum Beispiel. Bastian wüsste schon gar nicht mehr, wie das so sei. Sind Sie ein Fußballromantiker?

Hm, schon ein bisschen. Ich bin auf jeden Fall ein echter Fußballfan. Wissen Sie, ich mag diese modernen Fußball-Arenen wirklich, die sind toll. Aber ich habe selbst noch am Millerntor gespielt und muss sagen: Das hatte einen unheimlichen Charme auf mich.

-Vor einiger Zeit sprangen Sie mal vor der Arztpraxis von Dr. Müller-Wohlfahrt für Bastian ein. Als draußen eine Reportermenge wartete, spazierten Sie in seiner Jacke und seinem Schal raus. Erzählen Sie mal, wie das so war.

Basti ging es an dem Tag einfach nicht gut, er wollte seine Ruhe. Da habe ich ihm dieses Versteckspiel angeboten. Ich denke, die Leute können das nachvollziehen, dass man bei schlechter Verfassung nicht so große Lust hat, dass einen 50 Kameras durch die Stadt jagen. Für mich war es lustig. Ich musste grinsen, weil unser Plan voll aufgegangen ist. Es sind alle mir nachgerannt.

-Sollen Ihnen nun auch in Unterhaching alle nacheifern? Sie sind 30, das prädestiniert Sie als Anführer.

Ich kann schlecht als Neuer gleich allen erklären, wie es zu laufen hat. Zunächst muss ich mich eingliedern. Aber es ist natürlich eine junge Mannschaft. In ruhigen Momenten gebe ich gerne Tipps. Ohne jetzt aber hier auf den großen Zampano machen zu wollen.

-Ist der Aufstieg drin?

Die Trainer haben ein klares Konzept, und die Hinrunde eröffnet alle Möglichkeiten. Ziel muss sein, bis zum Saisonende oben dran zu bleiben. Ich habe mit Regensburg erlebt, was dann alles drin ist. Unrealistisch ist es nicht.

-Sie telefonieren täglich mit Ihrem Bruder, oder schicken sich zumindest eine SMS. Herrscht am Sonntag vor Anpfiff Funkstille?

Das denke ich nicht. Es ist ja nur ein Testspiel. Wir freuen uns beide, wenn wir uns da über den Weg laufen. Basti ist ja immer viel unterwegs, und nachdem ich jetzt nicht mehr bei Bayern II an der Säbener Straße trainiere, sehen wir uns nicht so besonders oft.

Interview: Andreas Werner

Quelle: fussball-vorort.de

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