BFV-Präsident fordert Gleichbehandlung von Profis und Amateuren

„Großes Unverständnis“ - Koch kritisiert bayerische Staatsregierung

Schwer verärgert zeigte sich BFV-Präsident Rainer Koch.Leipzig
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Schwer verärgert zeigte sich BFV-Präsident Rainer Koch.

BFV-Präsident Rainer Koch geht in die Offensive und kritisiert nach der Zickzack-Entscheidung um die Freigabe von Freundschaftsspielen die bayerische Staatsregierung.

  • Die bayerischen Amateurfußballer dürfen jetzt doch wieder Testspiele austragen. 
  • DFB-Vize- und BFV-Präsident Rainer Koch kritisiert die Staatsregierung und fordert transparente Entscheidungen. 
  • Die befürchteten Massenabmeldungen durch die Corona-Pandemie ist bisher ausgeblieben. 

München – Nun also doch: Bayerns Amateur-Fußballvereine dürfen Freundschafts- und Testspiele austragen. Das entschied das für den Sport zuständige Innenministerium am Mittwoch in München, wie ein Sprecher auf Anfrage sagte. Zuerst hatte die „Passauer Neue Presse“ darüber berichtet, dass Amateurclubs im Rahmen der Lockerungen in der Corona-Krise ab sofort wieder gegeneinander antreten dürfen. „Sofern solche Trainingsspiele vereinsübergreifend angesetzt werden, begrenzen wir aufgrund der aktuellen pandemischen Lage dies auf Spiele zwischen Vereinen aus Bayern“, sagte Ministeriumssprecher Martin Scholtysik. Das bedeutet, dass nur bayerische Teams gegeneinander spielen dürfen. Darüber hinaus seien die üblichen Corona-Vorsichtsmaßnahmen weiter einzuhalten – Zuschauer etwa sind bei den Partien nicht erlaubt.

Rainer Koch fordert klare Entscheidungen von der bayerischen Staatsregierung

Tags zuvor hatte das noch ganz anders ausgesehen. Der Ministerrat beschloss unter anderem, dass Test-, Freundschafts- und Vorbereitungsspiele für Amateurfußballer in Bayern weiterhin untersagt sind. BFV-Boss Rainer Koch verfasste auf Facebook einen langen Text: „Wenn die Regierung mit ihren Entscheidungen aber bei den über 4500 Fußballvereinen und deren über 1,5 Millionen Mitgliedern auf breites Verständnis stoßen will, muss sie ihre Entscheidungen so treffen und begründen, dass sie von den Menschen verstanden und akzeptiert werden“, heißt es da. 

Koch ärgert sich darüber, dass das Trainingsspiel vom SV Heimstetten gegen Olympique Marseille am 22. Juli in Heimstetten stattfinden durfte, Trainingsspiele für bayerische Amateurvereine aber weiterhin untersagt bleiben sollten: „Die Nichtfreigabe von Freundschaftsspielen im Amateurfußball stößt auf großes Unverständnis, zumal sie bislang von der Staatsregierung in der Sache in keiner Weise begründet worden ist. Ehrlich gesagt auch bei mir.“ Umso mehr als ja auch der FC Bayern am 31. Juli gegen Marseille testet, Koch: „Das Virus macht keine Unterschiede zwischen Profis und Amateuren.“

Amateurfußball in Bayern: Ist der Re-Start Anfang September noch zu halten?

Der BFV hatte als einziger Verband beschlossen, die Saison nicht abzubrechen. Die Fortsetzung ist bislang für Anfang September angedacht. Die Vereine sollen jedoch mindestens vier Wochen vor der geplanten Wiederaufnahme des Spielbetriebs informiert werden. Heißt: Je länger die aktuellen Verbote anhalten, desto unwahrscheinlicher wird der geplante Zeitpunkt.

Der fehlende Spielbetrieb hat freilich auch enorme wirtschaftliche Folgen für die bayerischen Vereine: „Natürlich haben viele unserer Vereine finanziell große Sorgen. Einfach ausgedrückt kommt es bei den Amateurvereinen auf jede verkaufte Bratwurst an“, sagt Sebastian Dirschl von der Pressestelle des BFV. Die Vereine können sich auf der Homepage des Verbands über finanzielle Hilfen informieren (www.zusammenhalt.bayern). Koch indes hat für Donnerstag eine Sitzung des BFV-Vorstands einberufen.

Corona-Krise: Rainer Koch hofft auf Durchhaltevermögen der Amateurfußballer

Doch nicht nur in Bayern ist der Neustart ungewiss. Nach monatelanger Corona-Zwangspause fährt der Amateurfußball den Betrieb vielerorts wieder hoch. Die fast 2. 000 Clubs, die beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) registriert sind, haben die erste Welle der Pandemie überstanden. Mal mit mehr, mal mit weniger Schrammen. Noch sind aber gar nicht alle Folgen absehbar. „Der Amateurfußball hat in dieser Krise seine Kraft entfaltet, das stimmt mich zuversichtlich“, sagt Koch, der neben seiner Führungsrolle beim BFV auch das Amt des DFB-Vizepräsidenten bekleidet: „Aber wir alle müssen auch etwas dafür tun, dass er so stark bleibt und diese Krise, die sich keiner ausgesucht hat, durchsteht.“

Die befürchteten Massenabmeldungen von Mannschaften sind bisher ausgeblieben. In Baden beispielsweise sind zwar nur noch 844 statt der 888 Herren-Teams aus dem Vorjahr gemeldet, in Sachsen nur noch 1045 statt 1060. Die Verbände führen das aber nicht auf Corona zurück. Schon in den vergangenen Jahren war ein Schwund zu beobachten. Und angesichts der knapp 55.000 Herren-Mannschaften, die der DFB bei seiner letzten Erhebung im Januar zählte, hält er sich in Grenzen.

In anderen Bundesländern gibt es schon Vorbereitungs- und Pokalspiele

In zahlreichen Bundesländern gab’s schon wieder Vorbereitungs- und Pokalspiele, im September sollen die Meisterschaftsrunden starten. In Bayern wird die alte, abgebrochene Saison fortgesetzt, in den übrigen 20 Landesverbänden – Stand jetzt – eine neue angepfiffen.

Teils mit aufgestockten Ligen, da es nach dem Lockdown in den meisten Fällen zwar Auf-, aber keine Absteiger gab. Teils mit neuem Modus, zum Beispiel einer Hinrunde und anschließender Auf- und Abstiegsrunde. Und mit einem Hygiene-Leitfaden des DFB, der die Spielstätten fortan in drei Zonen teilt (Spielfeld, Umkleidebereich, Publikumsbereich). Die Clubs desinfizieren ihre Bälle, tragen die Zuschauer in Listen ein, lassen ihre Spieler in Etappen duschen. Viel Aufwand für oft wenig Personal. Dennoch überwiegt dort, wo schon wieder gespielt werden darf, die Dankbarkeit.

Vereine in finanzieller Hinsicht „schwer getroffen“

„In finanzieller Hinsicht aber hat es unsere Vereine schwerer getroffen, weil sie beispielsweise auf die Pacht des Wirtes ihres Vereinsheimes, das ja auch geschlossen war, verzichten mussten oder keine Sommerfeste und Jugendturniere austragen konnten“, sagt Koch: „In den einzelnen Bundesländern gab es unterschiedliche Lösungen wie Soforthilfen oder etwa verdoppelte Übungsleiter-Pauschalen. Dafür haben wir uns mit unseren Landesverbänden bei der Politik stark gemacht.“ Einige Clubs halfen sich auch selbst, verkauften virtuelle Tickets oder Bratwürste.  

(mm mit Material der dpa)

Quelle: Merkur.de

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