Spikes gegen Stollen getauscht

Ehemaliger Sprinter Laurin Walter kickt nun beim BCF Wolfratshausen II

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An Schnelligkeit fehlt’s nicht, vielleicht noch an der Übersicht: Ex-Sprinter Laurin Walter (li.) spielt nun Fußball beim BCF Wolfratshausen

Zwei Dinge haben Sprint-Weltstar Usain Bolt und Laurin Walter gemeinsam: Beide sorgten in ihren Disziplinen für Schlagzeilen. Und beide versuchen, nach dem Ende ihrer Leichtathletik-Karriere in einer neuen Sportart Fuß zu fassen – im Fußball.

VON RUDI STALLEIN

Während die Profi-Ambitionen des jamaikanischen Superstars (32) nach einem kurzen Intermezzo bei Borussia Dortmund und einem mehrwöchigen Probetraining beim australischen Erstligisten Central Coast Mariners – angeblich wegen zu hoher Gehaltsforderungen – ein jähes Ende fanden, steht Walter (22) noch am Anfang einer Kicker-Laufbahn. Seit vorigem Sommer gehört der angehende Polizeimeister zum Kader des BCF Wolfratshausen.

„Ich komme wieder!!!“ So lautet der letzte Eintrag in der Rubrik „Erfolge“ auf der Homepage der ehemals großen Leichtathletik-Hoffnung. Doch daraus wird nichts mehr. „Ich bin happy mit der Entscheidung, mich aus der Leichtathletik zurückgezogen zu haben“, sagt Walter, der nach zahlreichen Verletzungen einen Schlussstrich unter seine Sprinter-Karriere gezogen hat. Seit er 2009 als 13-Jähriger die deutsche Bestenliste über 1000 Meter mit einer Zeit von 2:49 Minuten anführte, sammelte der junge Bub Bestzeiten. 2012 feierte er in seiner Paradedisziplin, den 400 Metern, seine erste Deutsche Meisterschaft.

„Schnellster Junior über die Stadionrunde“, „Alte Bestzeit pulverisiert“ – so lauteten in den folgenden Jahren die Schlagzeilen, wenn „eines der größten deutschen Talente“ wieder mal als Erster den Zielstrich überquerte. 2014 holte der Bayerische Meister bei der U 20-Weltmeisterschaft den zehnten Platz mit der Staffel.

Dann begannen die Probleme. „2015 musste ich die Saisonvorbereitung wegen Rückenproblemen frühzeitig abbrechen“, erinnert sich Walter. Als der Rücken kuriert war, folgten diverse Muskelverletzungen. Die Saison war gelaufen – ohne ihn. Zudem musste er sich nach dem gesundheitsbedingten Ausfall seines Vaters Christian (wir berichteten) einen neuen Trainer suchen. Der Junior kämpfte sich in die Spitze zurück – und wurde durch neue Verletzungen wieder von der Tartanbahn geworfen. „Ich konnte die Wettkämpfe nicht mehr auf dem Niveau bestreiten, das ich mir vorgestellt hatte“, erzählt Walter. Sein letztes Rennen lief er im Juni 2017, wurde deutscher Vizemeister in der U 23. „Das ging nur mit Tabletten, es war lange fraglich, ob ich laufen kann“, erinnert sich der 22-Jährige.

Es war Zeit, die Spikes beiseitezustellen. „Heute mache ich Sport, wenn ich lustig bin“, sagt der Auszubildende im Polizeidienst. Mehrmals in der Woche fährt er von der Kaserne in Königsbrunn, wo er noch ein paar Wochen seine Ausbildung absolviert, ins Training nach Wolfratshausen. Der Kontakt zum BCF kam über seinen Vater zustande. Der Farcheter Coach Philipp Bönig habe ihm „eine Perspektive aufgezeigt“, sagt Walter, dessen fußballerischen Anfänge weit zurückliegen. Im Alter von zehn bis 14 Jahren spielte er nebenbei in der Jugend des SV Eurasburg.

Deshalb habe er auch keine übertriebenen Erwartungen. „Ich trainiere mit der ersten Mannschaft, körperlich passt das. Aber das Taktikverständnis geht noch ein bisschen ab. Es fehlt noch an der Übersicht“, gibt sich Walter selbstkritisch und versichert, auch „superzufrieden“ mit seinen Einsätzen in der zweiten Mannschaft zu sein. Am wohlsten fühle er sich im linken Mittelfeld. „Das liegt mit ganz gut. Ich lebe von meiner Schnelligkeit und gehe gerne und oft mal steil“, verrät er mit einem Schmunzeln.

Der Spaß stehe nun im Vordergrund, unbeschwert und ohne Schmerzen kicken zu können. Er genießt es auch, mehr Zeit mit Freunden zu verbringen und ohne schlechtes Gewissen öfter als früher feiern gehen zu können. „Leichtathletik ist ein knallharter Sport, wenngleich man sich den Druck selbst macht“, sagt er. Geblieben ist sein Ehrgeiz, weshalb er auf Sicht schon auch im Fußball ein höheres Niveau erreichen möchte.

Sein Ziel sei es nun erst mal, die Leistung zu steigern, „technische Sachen“ zu verbessern. „Auf dem Level auf dem ich zurzeit spiele, habe ich in der Landesliga nichts verloren“, gibt sich Laurin Walter bescheiden. „Aber ich habe noch den Ehrgeiz aus der Leichtathletik.“ Das hören seine Trainer sicher gern.

Quelle: Merkur.de

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