Volleyball im Landkreis Freising im Corona-Jahr 2020 - ein Rückblick

Beach Masters waren das einzige Highlight

Lukas Viebahn, die Nummer 11 des Regionalligateams vom Sportclub Freising am Netz in Aktion.
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Auf einmal war der Wurm drin bei Freisings Regionalliga-Männerteam: Nach gutem Auftakt, hier in Aktion Lukas Viebahn (Nummer 11), verlor man mit 2:3 gegen den Tabellenletzten SVS Türkheim. Die folgende Niederlagenserie hätte bald den Klassenerhalt in Gefahr gebracht. Doch die Corona-Pandemie führte nicht nur zum Saison-Abbruch. Der zweite Lockdown im Oktober ließ einen Neustart zur Farce werden.

Die Abnutzung der Volleybälle hielt sich 2020 in Grenzen. Klar: Die Corona-Pandemie sorgte über mehrere Monate hinweg für geschlossene Hallen. Lediglich auf den Beachplätzen lief es in den Sommermonaten halbwegs wie gewohnt.

Freising – Zu Jahresbeginn herrschte noch Normalität. Am 11. Januar empfing das Regionalligateam des SC Freising zum Knallerspiel den ungeschlagene Spitzenreiter VGF Marktredwitz. In einem packenden Match mussten sich die Freisinger der Top-Mannschaft aus Nordbayern knapp mit 2:3 beugen.

Regionalligateam sichert Klassenerhalt

Doch dann war beim SCF der Wurm drin: Am 25. Januar verlor man zu Hause gegen Schlusslicht SVS Türkheim mit 1:3. Die Freisinger kassierten eine Niederlage nach der anderen – und plötzlich drohte der Abstieg. Dann am 8. März die Erleichterung: Beim Top-Team VC DJK München-Ost-Herrsching gelang dem SCF mit dem 3:1-Sieg der Umschwung. Der Klassenerhalt war damit gesichert.

Parallel rückte das Corona-Virus immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit, und so mancher fragte sich, inwieweit bei steigenden Infektionszahlen der Punktspielbetrieb im Volleyball tangiert werden könnte. Der Verfasser dieser Zeilen kann sich noch sehr gut an den 12. März erinnern, als er auf eine Tagung nach München gefahren ist, und am Eingang von den Veranstaltern gebeten wurde, sich die Hände zu desinfizieren. Zum ersten Mal kam die Frage auf, ob man Gefahr laufe, sich bei einer solchen Veranstaltung mit dem Virus anzustecken.

Verband zieht die Reißleine

Noch während dieser Tagung erreichte den Verfasser dieser Zeilen die Nachricht, dass der Volleyballverband die Reißleine gezogen und die Saison 2019/20 für beendet erklärt hatte. Die Vereinsverantwortlichen waren erleichtert, dass ihnen die Entscheidung abgenommen worden war, aus Eigenschutz die Mannschaften aus dem Spielbetrieb zu nehmen, ohne die Konsequenzen zu kennen.

Dennoch traten Fragen auf – etwa zum Auf- und Abstieg. Die Frauen des SCF (Landesliga), der SG Moosburg (Bezirksklasse), des VfB Hallbergmoos (Kreisliga), des TSV Neufahrn sowie die Männer vom SCF II (Bezirksliga) waren nicht betroffen. Kurz vor Saisonende hatten sie weder mit dem Auf- noch mit dem Abstieg etwas zu tun. Nutznießer waren zwei SCF-Teams. Die Männer III blieben ohne Abstiegsrelegation in der Bezirksklasse 1, und die Frauen II stiegen in die Bezirksklasse 1 auf.

Und dann sorgte der erste Lockdown für einen Stillstand. Ab Anfang Juli durften die Volleybälle wieder frische Luft schnuppern. Die Beachanlagen im Landkreis hatten regen Zulauf, und der SCF konnte auf den Plätzen in der Luitpoldanlage ein BBV Beach Masters ausrichten. Freilich fand dieses einzige Highlight ohne Zuschauer statt.

TSV Neufahrn zieht junges Team zurück

Den Volleyballclubs war im Sommer noch völlig unklar, ob die Saison 2020/21 im Herbst starten werden könne. Diese Frage stellte sich den Neufahrner Kreisliga-Frauen nicht. „Die meisten unserer jungen Spielerinnen standen kurz vor dem Abitur und konnten im März nicht zusagen, ob sie im Herbst noch in Neufahrn sein würden“, blickt TSV-Spartenchef Eberhard Roherer zurück. „So blieb uns nichts anderes übrig, als die Mannschaft abzumelden.“

Es hatte sich während des Lockdowns herausgestellt, dass trotz sozialer Medien die Kontakte auf und neben dem Volleyballfeld nur sehr bedingt zu ersetzen sind, und diese sowohl innerhalb der Teams als auch innerhalb der Volleyballabteilungen der Landkreisklubs zu leiden begannen. Umso froher waren alle, dass durch das Beachen im Sommer die wichtigen zwischenmenschlichen Beziehungen wieder aufleben konnten.

Weil die Hallen bis Ende Oktober geschlossen blieben, war eine zielführende Vorbereitung nicht möglich. Dabei plante der Bayerische Volleyballverband (BVV) ab Anfang Oktober eine ganz normale neue Saison. Dass daraus nichts werden würde, stellte sich rasch heraus. Lediglich die Landesliga- sowie Kreisklasse-Frauen von SCF I und III absolvierten einen Spieltag. Alles andere fiel zum zweiten Lockdown zum Opfer.

Positiver Test: Zwei Wochen Quarantäne

Etwa der Saisonauftakt der Freisinger Männer am 10. Oktober beim TSV Dinkelsbühl: Die Regionalligapartie mussten die Domstädter am Tag zuvor absagen. weil einer ihrer Spieler positiv auf Corona getestet worden war. Also zwei Wochen Quarantäne für das gesamte Team.

Die Volleyballer der SG Moosburg hatten große Bedenken, die Saison überhaupt zu starten. „Es wäre am besten gewesen, wie im Jugendbereich nur auf freiwilliger Basis zu spielen“, erklärt SGM-Abteilungsleiter Stefan Barth. Bei der SGM Moosburg überlegte man sogar, das Frauenteam aus der Bezirksklasse abzumelden, verwarf den Plan aber, weil man sonst im Herbst 2021 in der untersten Liga hätte beginnen müssen. Wann der Punktspielbetrieb wieder aufgenommen werden kann, weiß keiner so genau. Ende November teilte der BVV mit, dass man die Saison eventuell bis in den Mai hinein verlängern könne.

Wie haben nun die vier Landkreisklubs dieses schwierige Jahr erlebt? „Wirklich viele Highlights hat es heuer nicht gegeben, sieht man einmal vom Beach Masters im Juli ab“, sagt Dejan Jankovic. Der SCF-Abteilungsleiter ist froh, dass man Volleyball auch im Sand spielen kann: „Das war sehr wichtig für den Zusammenhalt.“ Ähnlich sieht es auch Anna Klug, Abteilungsleiterin beim VfB Hallbergmoos: „Es war sehr wichtig und positiv, dass wir auf unseren vier neuen Beachplätzen spielen konnten.“ Rückblickend ärgert sich Klug schon ein wenig, das trotz Hygienekonzepten, die mit viel organisatorischem Aufwand entwickelt worden seien, Spiele in der Halle nicht möglich gewesen seien.

Regulärer Start im Oktober „naiv“

Die SGM-Volleyballerinnen absolvierten 2020 nur einen einzigen Punktspieltag. Der war im Januar. „Danach haben sich unsere Spielerinnen über Online-Angebote fit gehalten, und natürlich auf unseren Beachvolleyballfeldern“, sagt Bart. Dass der Verband dann im Oktober eine reguläre Punktspielrunde startete, bewertet der Abteilungsleiter als „naiv“. Die zweite Infektionswelle sei vorhersehbar gewesen, sagt er.

Soziale Komponente im Verein sehr wichtig

Der BLSV meldete vor ein paar Wochen steigende Zahlen bei den Vereinsaustritten. Davon blieben – bislang zumindest – die Volleyballklubs im Kreis verschont. „Natürlich konnten unsere Leute die meiste Zeit des Jahres in der Halle nicht spielen und sie hatten recht wenig von ihrem Mitgliedsbeitrag“, räumt Jankovic ein. „Aber wir sind kein kommerzielles Fitnessstudio. Die Vereinszugehörigkeit ist den meisten noch sehr wichtig.“ Anna Klug (VfB) betont die große Solidarität. Den Mitgliedern sei durch die Krise auch bewusst geworden, dass neben dem reinem Sportbetrieb die soziale Komponente in einem Verein von großer Bedeutung sei, gerade im Mannschaftssport.

Ein Volleyballjahr zum Abhaken

Einhelliger Tenor: Es ist ein Volleyballjahr zum Abhaken. Ob die Saison 2020/21 bald wieder aufgenommen werden kann, bezweifeln die meisten. Realistisch ist wohl eher, dass sie ohne Wertung bleiben wird.

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