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Berglauf mit City-Flair

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Von: Patrick Hilmes

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Teilnehmer des Zugspitz-Ultratrails laufen durch die Garmischer Fußgängerzone.
Quer durch die Fußgängerzone: 3022 Athleten nehmen heuer an dem Laufevent teil. © Andi Frank

Teilnehmerrekord, neue Kulisse, bestes Wetter: Die zehnte Auflage des Zugspitz-Ultratrails zog wieder die Massen an. Thomas Ungethüm ist der schnellste Mann über die 108-Kilometer-Distanz.

Garmisch-Partenkirchen – Die US-Sitcom „How I Met Your Mother“ hat sie berühmt gemacht. Eine Gruppe von feiernden Frauen, die ständig „Wooo“ schreien, die „Wooo-Girls“. Wer am Wochenende in Garmisch-Partenkirchen unterwegs war, der muss zunächst gedacht haben, dass an jeder Ecke „Wooo-Girls“ standen. Ständig schallte der Ruf durch den Markt inklusive Applaus. Sobald man gemerkt hatte, wem die Rufe galten, war man auch schon selbst infiziert. Die „Wooos“ dienten der moralischen Unterstützung der Teilnehmer des Zugspitz-Ultratrails. Im ganzen Markt wurden die Läufer stetig angefeuert.

Thomas Ungethüm bejubelt mit Ziellinie in der Hand seinen Sieg über die 108 Kilometer-Strecke.
Breites Grinsen: Thomas Ungethüm gewinnt den Lauf über 108 Kilometer. © IMKAPHOTOS

Besonders laut wurde es am Richard-Strauss-Platz am Samstagabend um kurz vor halb neun. Denn zu dieser Zeit überquerte Thomas Ungethüm die Ziellinie. Nach 13 Stunden, 16 Minuten und 45 Sekunden hatte er die längste Distanz bezwungen und durfte sich als Sieger feiern lassen. Dass er die 108 Kilometer und 5200 Höhenmetern als Schnellster meistern würde, damit hatte er „auf keinen Fall gerechnet“. Ungethüm ist kein Neuling auf dieser Ultra-Strecke, doch der Athlet der LG Vogtland (Sachsen) ist das alpine Gelände nicht gewohnt. „Das war eine riesige Herausforderung für mich.“ Doch Ungethüm fühlte sich gut, bewältigte die Berge besser als gedacht. Aber die finalen 30 Kilometer wurden zur Tortur. „Meine Oberschenkel waren derart fest, das war reiner Kampf. Insbesondere der Eckbauer am Ende tat noch mal richtig weh“, erzählt Ungethüm.

Teilnehmer des Zugspitz-Ultratrails durchqueren das Wettersteingebirge.
Schmaler, steiniger Weg inklusive reichlich Sonnenschein: Die Strapazen für die Athleten sind enorm. © Andi Frank

Ähnlich erging es Andreas Müller mit dem Eckbauer, obwohl er ihn als „meinen Hausberg“ bezeichnet. Der Wahl-Garmisch-Partenkirchner – zog 2019 aus Düsseldorf ins Werdenfelser Land – stellte sich dem Supertrail (68 Kilometer, 2800 Höhenmeter). Erstmals nahm er an einem Lauf teil, der ihm über 50 Kilometer alles abverlangt. Darauf hatte er sich aber bestens vorbereitet, sammelte im Vorfeld ganze 90 000 Höhenmeter und 2600 Kilometer. Hat sich gelohnt, Müller schnappte sich Rang drei in der Herren-Masters-Klasse. Ihm spielte insbesondere das Wetter mit reichlich Sonnenschein in die Karten. „Ich bin so ein Hitze-Läufer.“ Aber auch den Heimvorteil nutzte er. „Ab Elmau wusste ich genau, was an jeder Ecke kommt. Das hilft gewaltig.“ Ebenso lenkt die Aussicht im Wettersteingebirge die heimischen Läufer weniger ab. Das galt wohl auch für Tobias Lutz. Er hätte es nämlich beinahe zusammen mit Ungethüm aufs Podium des Ultratrails geschafft. Der Athlet der LG Staffelsee Murnau war lediglich 30,224 Minuten langsamer als der Sieger und landete damit auf Rang fünf.

Andreas Müller (r.) auf dem Podest der Klasse Herren-Masters-Supertrail.
Lokalmatador: Andreas Müller (r.) wird Dritter im Supertrail Masters. © Plan B

Generell war die längste Distanz heuer aber nicht mit den Spitzenläufern gespickt, sondern eher in der Breite, immerhin wurde der Ultratrail schon in früheren Jahren in 10,5 Stunden bewältigt. Für Jürgen Kurapkat, Pressesprecher des Veranstalters Plan B, aber keine Überraschung: „Es hat sich etwas gewandelt. Früher ging es nur um lang, länger am längsten laufen. Jetzt entwickelt sich es wieder mehr zu den kürzeren Distanzen.“ Das sei für die breite Masse interessanter, ebenso für schnelle Athleten, die vom Straßenlauf kommen, die Gas geben wollen. Und davon gab es bei der zehnten Ausgabe einige. Teils waren die Läufer so schnell, dass der Moderator im Zieleinlauf noch gar nicht fertig war. Der Engländer Robbie Simpson stanzte eine Zeit von 3:47:53 Stunden in den Asphalt beim Basetrail XL – 50 Kilometer samt 1660 Höhenmeter. Mit einer Fabelzeit – 4:21:37 Stunden – überquerte auch die Südafrikanerin Toni Mccann die Ziellinie nach derselben Distanz. „Das war teilweise Weltklasse, was auf den kurzen Strecken gelaufen wurde“, betonte Kurapkat.

Viele Besucher auf dem Richard-Strauss-Platz.
Großes Interesse: Der Richard-Strauss-Platz ist an allen Tagen reichlich gefüllt. © IMKAPHOTOS

Ähnlich begeistert war er von der Gesamtteilnehmerzahl. Ganze 3760 Athleten hatten sich angemeldet, 3022 waren gestartet, 2756 schafften es zum Richard-Strauss-Platz (Ergebnislisten folgen in der Dienstagsausgabe). Dass so viele trotz Anmeldung nicht erschienen waren, sei relativ normal. „300 bis 400 hat man immer, denen es dann doch nicht passt oder die sich im Vorfeld verletzt haben.“ Und heuer kam noch Corona hinzu. Viele sind noch positiv oder wollen kurz nach der Genesung ihrem Körper nicht solchen Strapazen aussetzen.

Cloé Prud‘homme hält sich die Hände vors Gesicht nach dem Zielleinlauf. Sie wurde Dritte im Ultratrail.
Überglücklich: Platz drei für Cloé Prud‘homme beim Ultratrail. © Klaus Fengler

So zieht der Pressesprecher ein rundum positives Fazit. Auch vom Ortswechsel – Garmisch-Partenkirchen statt Grainau – ist er sehr angetan. „Grainau war kultig und hatte seinen eigenen Charme. Aber hier am Richard-Strauss-Platz war es einfach mega. Ich liebe das, wenn es so mittendrin ist.“ Der positive Nebeneffekt: Mehr Publikum, das mal vorbeischlendert und sich von dem „Wooo-Girls-Virus“ infizieren lässt.

Drei Teilnehmer sind nachts in den Bergen unterwegs.
Hell, dunkel, hell: Einige Ultratrail-Läufer sind über 24 Stunden unterwegs. © Andi Frank

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