Michael Rödl, Spielertrainer vom BCF Wolfratshausen im Interview

Michael Rödl: „Es gilt, die Liga besser anzunehmen“

Wünscht sich mehr Kicker im Training: Mitch Rödl (li.), Coach des BCF Wolfratshausen. 
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Wünscht sich mehr Kicker im Training: Mitch Rödl (li.), Coach des BCF Wolfratshausen. 

Zweimal in Folge sind die Wolfratshausener abgestiegen. Im Interview spricht der Trainer über mögliche Transfers und die bisherige Saison.

25 Punkte bedeuten zur Winterpause Platz acht für die Fußballer des BCF Wolfratshausen. Angesichts des winzigen Kaders ein akzeptables, gleichwohl kein vollkommenes Zwischenergebnis des Bezirksligisten. Das Trainerteam um Mitch Rödl hatte sich insgeheim mehr versprochen. Warum die Findungsphase nach zwei Abstiegen so schwierig war, und wie er die ersten Monate als Hauptverantwortlicher für das Team erlebt hat, verriet der 34-jährige Chefcoach im Interview mit unserem Mitarbeiter Oliver Rabuser.

Herr Rödl, wie fällt Ihre persönliche Bilanz nach sechs Monaten im Amt des Farcheter Cheftrainers aus?

Punktemäßig sind wir nicht so zufrieden. Positiv ist, dass wir uns viele Chancen erarbeiten und immer versuchen, Fußball zu spielen. Vom Auftreten war es grundsätzlich in Ordnung, wenn man vom Spiel gegen Oberweikertshofen und der ersten Halbzeit in Berg absieht. Es gab Gründe, warum es nicht immer so lief.

Die da wären?

Es gilt, die Liga besser anzunehmen. Man glaubt, durch die Landes- und Bayernligazeit besser zu sein als die Gegner, gibt dadurch unterbewusst einige Prozent weniger. Da nehme ich mich nicht aus. Dazu die individuellen Fehler, die immer wieder auftreten. Manchmal ärgerte mich auch die mangelnde Bissigkeit der Mannschaft. Die aber hat sich in den letzten Spielen gebessert.

Auch der extrem dünne Kader schlug immer wieder ins Kontor, oder?

Sicher. Ich würde mir mehr Spieler im Training wünschen. Letztlich haben wir das beste draus gemacht, aber es ist nicht optimal. Meine Wunschvorstellung sind 18 Spieler im Kader. Mehr finde ich schon zuviel.

Davon war der BCF in den letzten Monaten meilenweit entfernt. Oft saßen nur einer oder zwei Reservespieler auf der Bank. Wie ist der Sachstand bei möglichen Neuverpflichtungen im Winter?

Zwei sind schon fix. Manuel Spreiter kommt vom SV Warngau, und Nico Steinegger kehrt aus Aying zurück. Spreiter kenne ich schon von der Freizeitmannschaft des FC Bello. Er ist ein familiärer Typ, passt gut zu uns und zieht im Frühjahr auch in Richtung Wolfratshausen. Er kann Stürmer oder offensiver Außen spielen.

Steinegger kam unter Ihrem Vorgänger Philipp Bönig aus Ottobrunn nach Farchet, war dann aber verschwunden und tauchte zuletzt bei den SF Aying im Kader auf...

Meines Wissen betrieb er damals Thai-Boxen als zweiten Sport recht exzessiv und fand nicht die Zeit für Landesliga-Fußball. Jetzt möchte er es noch einmal probieren. Als variabler Mittelfeldspieler ist er lauf- und zweikampfstark. Diese Attitüden können wir gut gebrauchen.

Sitzen weitere Spieler auf dem Transferkarusell?

Wir sind in Gesprächen mit einem Torhüter. Und möglicherweise schließen sich uns zwei A-Jugendliche von auswärts an. Das würde der Breite des Kaders guttun. Abgänge gibt es bislang keine.

„Der BCF ist ein familiärer Verein geblieben“

Zwei Abstiege und die damit verbundene Fluktuation von Spielern haben der Vereinsstruktur des BCF sicherlich nicht gutgetan. Lassen sich die Vorstellungen eines Trainer dennoch problemlos umsetzen?

Ich finde, der BCF ist ein familiärer Verein geblieben. Wir haben viele Helfer im Umfeld, die viel Herzblut in ihre Tätigkeit stecken. Neuderdings unterstützt uns auch Stephan Berger (Ex-Trainer des TSV Wolfratshausen, Anm. d. Red.). Er hat bessere Kontakte in und um Wolfratshausen als ich zum Beispiel. Unser Ziel ist es, weiter an diesen Strukturen zu arbeiten. Die Arbeit als solche ist nicht leicht für mich. Man muss sich als Trainer um sehr vieles kümmern. Es ist oft schwierig, macht mir aber trotzdem viel Spaß.

Eine absolute Tristesse sind die seit jeher grenzwertig niedrigen Besucherzahlen. Frustriert es nicht, vor einer Geisterkulisse zu spielen?

Vor und während des Spiels bekomme ich das nicht wirklich mit. Natürlich ist es schön, wenn viele Leute da sind. Sollten wir es schaffen, mehr Spieler aus der Umgebung zu holen, kommen sicher auch wieder mehr Zuschauer. Immerhin haben wir unsere treuen Edelfans.

Sie hatten unter Philipp Bönig Ihre Karriere als Spieler eigentlich schon beendet. Wie lange soll das Comeback andauern, und haben Sie im Trainerjob eine langfristige Passion entdeckt?

Es ist schon der Plan, dass ich weniger und irgendwann gar nicht mehr spiele. Natürlich nur, wenn ich die entsprechenden Spieler habe. Ob die Trainersache von Dauer ist, kann ich nicht abschließend beurteilen. Sie ist schon sehr anstrengend. Mit meinem aktuellen Job ist das Ganze gut vereinbar. Das muss mit einer anderen Arbeitsstelle nicht auch so sein.

Quelle: Merkur.de

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