BFV muss zwei Teilnehmer für DFB-Pokal melden

Toto-Pokal: Amateure  sprechen von „Farce“ - Vorteil für Türkgücü und Regionalliga-Teams?

Die weitere Austragung des Toto-Pokals steht in der Schwebe. Viele Vereine bräuchten eine Sondergenehmigung und wollen nicht teilnehmen. 
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Die weitere Austragung des Toto-Pokals steht in der Schwebe. Viele Vereine bräuchten eine Sondergenehmigung und wollen nicht teilnehmen. 

Bei den Vereinen herrscht weiterhin Unklarheit, wie es im Toto-Pokal weitergeht. Einige haben ihre Teilnahme sogar schon ausgeschlossen. Zwei Klubs muss der BFV melden.

München - Seit Monaten ist unklar, wie es im Toto-Pokal weitergehen soll. Die Partien der 2. Hauptrunde hätten ursprünglich am 14. bzw. 15. November stattfinden sollen. Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Saison allerdings unterbrochen und die Duelle im Toto-Pokal sind verschoben.

Die möglichen Nutznießer der Situation könnten Türkgücü München und drei Mannschaften aus der Regionalliga werden. Viktoria Aschaffenburg, der 1. FC Schweinfurt und die SpVgg Bayreuth haben am Mittwoch eine Sondergenehmigung erhalten, um im Play-Off-Modus den Aufsteiger in die 3. Liga zu ermitteln. Türkgücü trainiert als Profimannschaft ohnehin. Diese Klubs könnten also ohne Vorbereitung die zwei Startplätze für den DFB-Pokal ausspielen.

Toto-Pokal: BFV schiebt Schuld an unklarer Situation von sich

Ganz anders ist die Lage im Amateurlager: In einem Meeting mit den Vereinsvertretern forderte der BFV die Vereine auf, bei den zuständigen Gesundheitsämtern eine Spiel- und Trainingsgenehmigung zu beantragen. Da die Ämter jedoch auf eine Entscheidung des bayerischen Innenministeriums warten, können sich die Vereine aktuell nicht auf den Toto-Pokal vorbereiten. Dem Verband läuft die Zeit  weg, den der anvisierte Termin vom 1. bis 8. Mai ist nicht zu halten. 

Der BFV schiebt die Schuld an der unklaren Situation von sich. „Bis heute sind von staatlicher Seite noch keine Bescheide erlassen worden, bzw. beim BFV eingegangen“, erklärt der Verband auf Anfrage von Fussball Vorort / FuPa Oberbayern schriftlich. „Sobald diese vorliegen, erfolgt umgehend ein Austausch mit den beteiligten Vereinen hinsichtlich der detaillierten Termin- und Modi-Festlegungen“, heißt es in Stellungnahme weiter.

Toto-Pokal: TSV Wasserburg kann „unter diesen Voraussetzungen nicht teilnehmen“

Die unklare Situation macht den Vereinsvertretern zu schaffen. „Dass die Partien abgehalten werden können, ist völlig illusorisch. Die ganze Situation ist eine Farce“, kritisiert Michael Stürmlinger, stellvertretender Abteilungsleiter Fußball des TSV Wasserburg. Vor allem die Gesundheit der Spieler bereitet ihm Sorgen: „Nach einer so kurzen Vorbereitungszeit wäre das Verletzungsrisiko nicht zu kalkulieren.“

Die Löwen wären durchaus interessiert an einer Fortsetzung des Spielbetriebs gewesen. Besonders brisant: der TSV hat im Verein ein eigenes Testzentrum. Dort könnten die Wasserburger die Vorgaben des Testkonzepts ohne größere Mehrkosten umsetzen. Der BFV stellte allerdings als Bedingung, dass die Tests von einem externen Dienstleister durchgeführt werden. „Es geht dabei um bis zu 1.500 Euro an Kosten für unseren Verein. Unter diesen Voraussetzungen würden wir nicht am Toto-Pokal teilnehmen“, so Stürmlinger.

Toto-Pokal: Auch FC Pipinsried sagt ab - „Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag“

Auch der designierte Regionalligist FC Pipinsried ist nicht mehr an einer Teilnahme interessiert. Durch die Umsetzung des Test- und Hygienekonzepts entstehen für die Vereine hohe finanzielle Aufwendungen. Außerdem müssten die Spiele ohne Zuschauer stattfinden. Auch würden vertragliche Verpflichtungen für Pipinsried zusätzliche Kosten bedeuten. „Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag“, sagt Vorstand Roland Küspert. Für den FCP mache es aus wirtschaftlicher Sicht keinen Sinn, um den Einzug in den DFB-Pokal zu kämpfen.

Der Bezirksligist SV Bruckmühl ist von der aktuellen Situation enttäuscht. „Die Kommunikation des BFV ist dürftig“, findet Michael Straßer, 1. Spartenleiter Fußball. Auch für seinen Verein ergibt eine Teilnahme keinen Sinn. „Es wäre wirtschaftlich bedenklich, die Spiele auszutragen“, so Straßer weiter. Er vermutet gar „Aktionismus gegenüber dem Sponsor“ hinter dem Zögern des BFV. Der Namensgeber Lotto Bayern hat an der sportlichen Austragung des Wettbewerbs großes Interesse. Besonders der „Finaltag der Amateure“ spielt dabei eine Rolle. An einem Spieltag werden alle Pokal-Endspiele der Landesverbände austragen. Durch die Live-Übertragung ist das Finale für Lotto Bayern aufgrund der hohen Einschaltquote besonders lukrativ.

Toto-Pokal: FC Penzberg über Unklarheit verärgert - „Wir hätten alles in die Wege geleitet“

Der FC Penzberg will hingegen weiterhin um den Einzug  in die nächste Runde kämpfen. „Wir hätten alles nötige in die Wege geleitet, um die Spiele austragen zu können“, sagt der sportliche Leiter Josef Siegert. Und das, obwohl die Entschädigung in Höhe von 1.000 Euro bei einem möglichen Ausscheiden gering ausgefallen wäre. „Uns geht es um den sportlichen Reiz, um den Fußball“, begründet Siegert die Haltung des Vereins. Die Möglichkeit, gegen einen höherklassigen Gegner wie den SV Pullach zu spielen, würde die hohen Aufwendungen zumindest auf emotionaler Ebene ausgleichen.

Auch der SVP zeigte sich einer Teilnahme an den Spielen gegenüber offen. Robert Bäumel, Manager der Pullacher, hält die Umsetzung jedoch für „sehr unwahrscheinlich“. Ohne Genehmigungen für den Spiel- und Trainingsbetrieb dürften die Vereine logischerweise auch gar nicht antreten.

BFV: Weiterhin Unklarheit über die beiden Startplätze im DFB-Pokal

Bei der Diskussion über die Fortsetzung des Spielbetriebs im Toto-Pokal darf nicht vergessen werden, dass es um mehr als den Gewinner des Wettbewerbs geht. Der Sieger erhält einen der beiden begehrten Startplätze des BFV in der 1. Runde des DFB-Pokals*. Der zweite Teilnehmer sollte eigentlich der Sieger des Regionalliga-Pokals sein. Doch auch dieser Wettbewerb bis ausgesetzt. 

Da die drei Regionalligisten Viktoria Aschaffenburg, der 1. FC Schweinfurt und die SpVgg Bayreuth eine Sondergenehmigung für den Spiel- und Trainingsbetrieb erhalten haben, könnte es zumindest zu einem Vierkampf um die Teilnahme an der ersten Hauptrunde kommen. Zusammen mit Drittliga-Vertreter Türkgücü München* könnten die drei Aufstiegskandidaten den Toto-Pokal Sieger ausspielen.

Am Donnerstag Abend findet ein Meeting der Vereinsvertreter mit dem BFV statt. Bislang hat der Verband die Clubs über den Fortgang des Toto-Pokals im Unklaren gelassen. Dort könnten neue Fakten geschaffen werden.

(Vinzent Fischer)

*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Quelle: Merkur.de

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