Vanessa Hinz lässt Titelkämpfe auf der Pokljuka Revue passieren – Fans fehlen der Schlierseerin

Hinz: „Eine der emotionalsten Medaillen“

Pünktlich zur WM präsentierte sich Biathletin Vanessa Hinz in Top-Form und überzeugte auf ganzer Linie.
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Pünktlich zur WM präsentierte sich Biathletin Vanessa Hinz in Top-Form und überzeugte auf ganzer Linie.

Die Schlierseer Biathletin Vanessa Hinz lässt die Weltmeisterschaften auf der Pokljuka Revue passieren. Ohne Fans fehle ein Teil des Sports.

Schliersee/Pokljuka – Biathlon-Weltmeisterschaften finden, sofern keine Olympischen Spiele sind, jedes Jahr statt. Für Vanessa Hinz waren die Welttitelkämpfe 2021 auf der slowenischen Pokljuka die sechsten ihrer Karriere. Und doch war es eine besondere WM für die 28-Jährige. Ohne Zuschauer lieferte Hinz die besten Rennen der Saison ab und zeigte konstant gute Leistungen am Schießstand. Insgesamt verpasste sie in ihren fünf Wettbewerben bei 80 Schüssen nur fünf Scheiben. Und das, obwohl ihr Winter bis zur WM alles andere als erfolgreich verlief.

Bei der gesamten deutschen Mannschaft stockt der Motor in dieser Weltcup-Saison. Von den 40 Wettbewerben vor der Weltmeisterschaft holte die DSV-Mannschaft nur elf Podiumsplätze. „Wir waren in dieser Saison jetzt keine Dauersieger wie die Norweger“, sagt Hinz. Dennoch sei der Anspruch schon gewesen, mehr als die beiden Silbermedaillen zu holen. Arnd Peiffer wurde Vizeweltmeister im Einzel und die Staffel der Frauen verteidigte ihren zweiten Platz in einem spektakulären Wettkampf am vergangenen Samstag (wir berichteten). „Das Rennen war die beste Werbung für den Biathlonsport, die es geben kann“, schwärmt die Schlierseerin, die als Startläuferin den Grundstein legte und dann ihren Teamkolleginnen Janina Hettich, Denise Herrmann und Franziska Preuß zuschauen musste. „Für mich war das psychisch das schwerste Rennen“, erzählt Hinz. Auch sie habe zwischendrin eine Medaille schon abgeschrieben gehabt. Preuß sicherte der deutschen Mannschaft mit ihrem fulminanten Auftritt allerdings doch noch die Silbermedaille. „Wir haben in den letzten Jahren schon mehrere Medaillen geholt und haben in Staffeln auch viel gewonnen, aber das war eine der emotionalsten Medaillen.“

Diese Aussage lässt erahnen, welch großer Druck nach der Silbermedaille von Hinz und ihren Kolleginnen abgefallen ist. Denn besonders die Biathletin vom SC Schliersee hat einen schweren Saisonverlauf hinter sich, verpasste sogar die DSV-interne Qualifikationsnorm. „In dieser Saison waren viele Sachen anstrengend, auch psychisch“, erzählt sie. Und auch wenn sie versuchte, während der WM die Kommentare von Medien und Fans nicht zu beachten, gingen ihr diese trotzdem nahe. „Manchmal hätte ich schon gerne geantwortet ‚Wir sind keine Maschinen’“, sagt Hinz.

Trotz aller Erwartungshaltung, zeigte Hinz bei der Weltmeisterschaft auf den Punkt ihre besten Rennen. „Das ist natürlich schön, wenn es so aufgeht, aber ich wollte schon davor bessere Leistungen zeigen“, sagt sie, bedauert aber das fehlende Publikum. „Ich bin froh, dass wir noch laufen können. Aber ich wünsche mir, dass die Zuschauer so schnell wie möglich wieder zurückkommen.“ Die Emotionen, gemeinsam mit Fans Erfolge und Misserfolge zu erleben, seien genau das, was ihren Sport ausmacht und Hinz antreibt. „Es ist einfach nicht komplett. Es fehlt ein Stück Biathlon.“

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