Dritter bei den X-Games

Schads Bronzeglück im Schneesturm

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Bayerischer Jubel in Colorado: Konstantin Schad (M.) wurde in Aspen von Mama Nicole (l.) und Bruder Kilian (r.) unterstützt.

Ohne Unterstützung vom Verband und mit seinem Bruder als Trainer flog Boardercrosser Konstantin Schad zu den X-Games in die USA. Zurück kommt der 28-jährige Fischbachauer nun mit einer Bronzemedaille – zum zweiten Mal bereits.

Fischbachau/Aspen – Konstantin Schad hat eine lange Nacht hinter sich. Vier Stunden hat der Fischbachauer auf dem Rollfeld des Flughafens Denver (USA) verbracht, ehe die Maschine wegen eines Schneesturms zurückbeordert und der Flug auf den nächsten Abend verschoben wurde. Es gab keinen Transport, kein Hotel. „Eine Freundin aus Denver hat uns dann mitten in der Nacht abgeholt und bei sich aufgenommen“, sagt Schad. „Aber mir kann den Trip nichts mehr verhageln“, sagt er und lacht. Der 28-Jährige ist seit Sonntagnacht stolzer Besitzer einer Bronzemedaille. Gewonnen hat sie der Snowboardcrosser vom SC Miesbach bei den X-Games im benachbarten Aspen (Colorado). Diese gelten als wichtigste Extremsportveranstaltung der Welt und werden zwei Mal jährlich – einmal für Sommer-Athleten und einmal für Wintersportler – ausgetragen.

„Es ist eine wahnsinnige Ehre, überhaupt dabei sein zu dürfen“, sagt Schad. Europäern wird diese Ehre nur selten zu Teil. Die X-Games sind eine exklusive Veranstaltung, von 20 Plätzen im Snowboardcross sind acht bis neun fix an US-Amerikaner vergeben, drei an Kanadier. Der Fischbachauer war heuer zum dritten Mal in Folge eingeladen. Diesmal war Schad dort allerdings auf sich allein gestellt. Nach dem Kreuzbandriss von Paul Berg (Konstanz), mit dem er vergangenes Jahr nach Colorado gereist war, entschied sich der Verband Snowboard Germany, kein Team zu schicken. Deshalb nicht hinzufliegen, kam für den 28-Jährigen nicht infrage. „Die Veranstaltung hat für uns Crosser einen unglaublichen Stellenwert“, sagt Schad. Nicht umsonst werden die X-Games auch die Olympischen Spielen der Extremsportler genannt. Also hat sich Schad sein Team selbst zusammengestellt.

Schads Bruder Kilian, der bis zu seiner Knochenkrebs-Erkrankung selbst erfolgreicher Snowboarder war, wurde als Trainer engagiert. „Er war klasse. Er ist ja auch Osteopath und Heilpraktiker, so eine gute Betreuung habe ich sonst nie“, sagt Schad. Mama Nicole kümmerte sich um die Ernährung. Untergekommen ist Familie Schad bei Freunden. „Dann habe ich mein letztes Geld zusammengekratzt und in einen Wachsmann investiert.“

Der hatte ordentlich zu tun, denn das Wetter in den Rocky Mountains spielte verrückt. Am letzten Trainingstag war der Himmel bewölkt, es schneite leicht. Bei der Qualifikation schien die Sonne, und das Thermometer zeigte zehn Grad plus. Dafür war Schads Brett nicht präpariert. „Ich bin gestanden, ich bin fast nicht vom Fleck gekommen.“ Gerade so schaffte er es noch in die nächste Runde. Durch die schlechte Quali-Zeit musste Schad fortan in jedem Lauf von der ungünstigsten Startposition, der linken Spur, aus ins Rennen gehen. Als jeweils Dritter fuhr Schad schließlich ins Finale.

Entscheidend war aber auch die Lockerheit, die ihm im Weltcup am Wochenende zuvor noch gefehlt hatte. „Am Feldberg wollte ich unbedingt gewinnen“, sagt Schad. Das funktionierte nicht, Deutschlands bester Boardercrosser kam nicht unter die Top Ten. In Aspen hatte er nach der verkorksten Quali nichts zu verlieren. „Ich bin es einfach locker angegangen, das hat es dann am Ende auch ausgemacht.“ Er holte sich Rang drei im Fotofinish gegen den Österreicher Alessandro Hämmerle. „Im Fotofinish bin ich eher gut“, sagt Schad. So hatte er sich 2010 auch seine erste Teilnahme an Olympischen Spielen gesichert, 2,5 Zentimeter waren für Vancouver ausschlaggebend. In Aspen war es noch knapper – gerade einmal drei Tausendstelsekunden Vorsprung bedeuteten die Medaille. „Das war das maximal Mögliche. Ich bin so froh.“

Verpasst hat der Fischbachauer dadurch allerdings die Deutschen Meisterschaften, die zeitgleich im Rahmen eines Europacup-Rennens in Grasgehren (Allgäu) ausgetragen wurden. Schad war der Titelverteidiger. „Das war ein bisschen schade“, sagt er. „Ich wollte ja den FC Bayern überholen und vier Mal in Folge Deutscher Meister werden.“ Aber zwei Mal die Bronzemedaille bei den X-Games zu gewinnen, ist auch nicht schlecht. „Alles richtig gemacht“, sagt Schad und grinst.

jpa

Quelle: Merkur.de

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