„Das Nest würde in Flammen aufgehen“

Neues Flutlicht den Störchen zu Liebe bei der SpVgg Markt Schwabener Au

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Licht an, dank des THW: In Markt Schwaben wurde als Ersatz für den von den Störchen belegten Mast vom Hilfsdienst eine mobile Lichtanlage für den Spiel- und Trainingsbetrieb installiert. Am Kampfrichterturm herrschte Dunkelheit.

Es war eine laute Kulisse, vor der die Markt Schwabener Fußballer zuletzt ihre Abendspiele im Sportpark austrugen. Allerdings waren dafür weniger die Zuschauer, als die mobile Flutlichtanlage des THW verantwortlich. Dem Storch zuliebe.

VON JOHANNES PILLER

Markt Schwaben – Es muss ein schrecklicher Tag für das Storchenpaar gewesen sein: In ihrem altbewährten Nest auf dem Dach des Alten Schulhaus in Markt Schwaben kam ihr Nachwuchs – vermutlich nach starken Regenfällen – ums Leben. Das bei den Kindern der umliegenden Schulen beliebte Vogelpaar suchte sich deshalb eine neue Heimat – und fand es auf einem 34 Meter hohen Flutlichtmasten im Schwabener Parkstadion, direkt neben dem Kampfrichterturm.

Den Nutzern der Sportanlage blieb dies nicht lange verborgen. Dem Vorsitzenden des Jugendfußball-Vereins SpVgg Markt Schwabener Au, Sigi Huber, war schnell klar: „Wenn wir das Flutlicht anmachen, wird es da oben so heiß, dass das Nest in Flammen aufgehen würde.“

Nach Gesprächen mit der Gemeinde suchte Huber den Kontakt zum Technischen Hilfswerk. Gemeinsam mit dem THW-Ortsbeauftragten Günter Felsmann lotete er vogelfreundliche Lösungen aus. Denn eine Umquartierung der Störche stand nicht zur Debatte: „Vielleicht hätte man ihn am Anfang des Nestbaus noch vertreiben können“, so Huber, der das Nest erst im fast fertigen Zustand bemerkte. „Und dann war klar: Wir müssen auf unsere Tiere Acht geben.“

Stationäres Flutlicht der THW

Mit der Zeitumstellung am 27. Oktober dieses Jahres erhöhte sich für die Fußballer der Bedarf an künstlicher Beleuchtung. Das THW installierte in der Folge ein stationäres Flutlicht, das normalerweise zur Ausleuchtung von Unfallplätzen verwendet wird. Fortan gluckerte bei jedem Abendspiel ein Dieselaggregat direkt neben der Zuschauertribüne.

Die Kosten für die vorübergehende Ersatzbeleuchtung übernahm die Gemeinde. Bürgermeister Georg Hohmann lobte die Zusammenarbeit: „Wir freuen uns, dass dank der guten Kooperation mit dem THW Ortsverband Markt Schwaben, seit September dieses Jahres über 500 Fußballspieler unter der mobilen Flutlichtanlage im Sportpark spielen konnten.“

Huber unterstreicht die Wichtigkeit der Aktion: „Die Verletzungsgefahr in der dunklen Spielfeldecke wäre zu groß gewesen.“ Ein Ligaspielbetrieb hätte nicht stattfinden können. „Wir sind der Gemeinde und dem THW sehr dankbar“, so Huber, der insbesondere das Engagement des Hilfswerks hervorhebt: „Das sind alles Ehrenamtliche. Wir haben seit der Bayern Trophy (ein großes internationales Fußballturnier in Markt Schwaben; Anm. d.Red.) ein inniges Verhältnis zum THW.“

Die Störche auf dem Weg in den Süden

Die mobile Flutlichtanlage kam bei insgesamt 17 Spielen zum Einsatz. In ihrem Schein kickten über 500 Jugend- und Herrenfußballer. Zu jeder Partie schickte das THW zwei ehrenamtliche Helfer, die die Anlage in Betrieb nahmen und überwachten. „Und das bei einer Saukälte. Ein Helfer hat mir geschrieben, dass er sich zuhause sofort eine warme Wanne eingelassen hat, um langsam wieder aufzutauen.“

Die Störche sind mittlerweile wieder in den Süden gezogen, das Nest ist verlassen. „Die Eier sind gebrütet worden, aber waren nicht befruchtet“, erklärte Richard Straub, der Kreisgruppenvorsitzende Ebersberg des Landesbund für Vogelschutz Ebersberg. Es sei ein „sehr junges Storchenpaar, das nicht beringt ist. Da kann man der Sache nicht nachgehen. Einer war vielleicht nicht geschlechtsreif“, meinte der Markt Schwabener Fachmann. „Das passiert oft, dass der erste Brutversuch nicht erfolgreich ist.“

Bis in den nächsten Wochen ein Kran anrückt, um die Flutlichtanlage im Schwabener Sportpark auf LED umzurüsten, wird auch die verwaiste Vogelwohnung noch bestehen bleiben. SpVgg-Chef Sigi Huber ist entspannt: „Wir sind nun eh in der Winterpause.“

Quelle: Merkur.de

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