Der Ex-Manager erinnert sich an Bayers Haching-Trauma

Calmund: "Statt Champagner flossen Tränen"

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Reiner Calmund seine Erinnerungen an die SpVgg Unterhaching niedergeschrieben.

SpVgg Unterhaching - Reiner Calmund hat seine persönlichen Gedanken über die SpVgg Unterhaching und das heutige Pokalspiel niedergeschrieben.

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass der Name Unterhaching bei mir nichts auslöst. Es sind zweierlei Gefühle, die mich überkommen, immer wenn ich den Namen des Münchener Vorortes höre. Auf der einen Seite ein bisschen Trauer über die verpasste Chance und den Gedanken an die leeren Gesichter der Spieler, Trainer und Fans damals. Auf der anderen Seite denke ich an diese große unerfüllte Sehnsucht meines Lebens – an die deutsche Meisterschaft.

Die Gedanken an diesen Samstag im Mai 2000 schmerzen heute, nach über 15 Jahren, nicht mehr so sehr, doch das Geschehen bleibt unvergesslich. Ein Unentschieden hätte gereicht im Fernduell mit den Bayern, die Meisterschale stand poliert vor meinen Augen. DFB-Präsident Egidius Braun war zur Siegerehrung angereist, und alle Bayer-04-Fans erwarteten und erhofften unsere erste Deutsche Meisterschaft.

Der Rest ist bekannt. Christoph Daum hatte uns mit seinem Team eine Saison lang begeistert. Die Mannschaft um Jens Nowotny, Carsten Ramelow, Michael Ballack, Ulf Kirsten, Emerson und Zé Roberto stand für technisch starken Offensiv-Fußball, für fußballerisches Spektakel auf höchstem Niveau. Die Bilanz der Saison 1999/2000 war fantastisch. In 33 Spielen holte Bayer 73 Punkte, schoss 74 Tore und hatte nur zweimal verloren. Und dann das: Im letzten entscheidenden Spiel in Unterhaching war von Glanz und Tempofußball nichts mehr zu sehen. Wie gelähmt stolperten die Jungs über den Rasen des Sportparks. Der junge Michael Ballack traf per Eigentor zum 0:1, Markus Oberleitner köpfte irgendwann das 0:2 – der Albtraum war Realität geworden. Statt Champagner flossen die Tränen.

Unterhaching hat sich an diesem Nachmittag auf ewig im Nervenkostüm, ja: in der DNA von Bayer 04 festgesetzt. Jeder Fan braucht bis heute nur dieses Wort in den Mund zu nehmen, und jeder weiß, was gemeint ist: Es wird hart!

Beim Auswärtsspiel in der folgenden Saison zitterte sich unser Team im kalten Februar unter Berti Vogts zu einem knappen 2:1-Sieg. Obwohl wir erneut neben Bayern München ganz vorne dabei waren und in der Winterpause die Transfereinnahmen von Emerson perfekt in Lucio, Placente und Berbatow investiert hatten, war es verdammt knapp. Zwei Jahre später rutschten wir im DFB-Pokal auf Schneeboden mit Cheftrainer Klaus Toppmöller beinahe erneut in Unterhaching böse aus. Erst durch ein 7:6 im Elfmeterschießen kamen wir eine Runde weiter.

Ausgerechnet in der aktuell so schwierigen Situation heißt der Gegner wieder Unterhaching. Man sollte nie einen Gegner unterschätzen. Doch man sollte auch nichts schwärzer malen als es ist. Tatsache ist: Die Vorzeichen haben sich für Bayer Leverkusen vor diesem Match positiv verändert.

Aus dem aktuellen Kader kann sich kein Spieler mehr an das Drama erinnern. Von den Offiziellen dürften höchstens Rudi Völler – der damals schon als Sportdirektor dabei war – und Team-Manager Hans-Peter Lehnhoff leichtes Nervenzucken bekommen, vielleicht auch die altgedienten Zeugwarte wie Klaus Zöller und Harald Wohner.

Aber es spricht so vieles gegen den ewigen Außenseiter: Der Klub, dem Ex-Nationalspieler Manni Schwabl mittlerweile vorsteht, ist von Finanzsorgen gebeutelt, bis in die 4. Liga abgerutscht. Bei acht Punkten Rückstand auf Burghausen und sieben auf Regensburg bestehen kaum Chancen auf den Aufstieg.

Die Leverkusener sollten mit einer gesunden Portion Selbstvertrauen anreisen. Die SpVgg ist der dritte Regionalligist in Folge in diesem Pokal-Wettbewerb, nach den Erfolgen gegen die stärker einzuschätzenden West-Regionalligisten Sportfreunde Lotte (3:0) und Viktoria Köln (6:0) kann es auch hier nichts anderes geben als einen klaren Sieg für den Bundesligisten. Außerdem ist mildes Wetter angesagt. Und wenn der listige Manni Schwabl es nicht schneien lässt, dann dürfte der Ball normal rollen. Mein Tipp: Es wird nicht ganz leicht, aber letztlich wird sich Bayer mit einem 3:1 für die nächste Runde qualifizieren.

Quelle: fussball-vorort.de

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