Buchbach präsentiert sich

Champions League für Kleine

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Große Bühne für Buchbach: Sport1-Moderator Martin Quast beim Interview mit Trainer Anton Bobenstetter.

TSV Buchbach - Jörg Dahlmann ließe sich getrost als eine Reporter-Legende bezeichnen, wäre dieser Titel nicht schon so oft vergeben.

Dahlmann ist sicher kein Harry Valérien, kein Bruno Moravetz, kein Dieter Kürten, unvergessen aber ist nicht nur seine geistreich-witzige Kommentierung des Wechselfehlers von Otto Rehhagel und dessen verzweifelten und letztlich vergeblichen Versuchs, die Sache zu vertuschen. Dahlmann, 57, hat Champions League kommentiert, Bundesliga, Welt- und Europameisterschaften. Seit ein paar Jahren hat er die Regionalliga für sich entdeckt und „liebgewonnen: Eine emotionale Sache, menschlich, sympathisch. Näher dran als oben.“

Als ihn sein Job bei Sport1 letzten Sonntag ins tiefste Bayern, in die 3000-Seelen-Gemeinde Buchbach, geführt hat, kamen zu den vielen kleinen Geschichten, die Dahlmann gesammelt hat, ein paar neue hinzu. Den „Kultcharakter“ dieses Vereins hat er schon bei der Vorbereitung erkannt, die deutlich aufwendiger ist als beispielsweise für ein Erstligaspiel: „Man muss viel mehr telefonieren, das Internet durchforsten und sich Hilfe holen.“ Der TSV Buchbach lieferte ihm mehr Stoff als er in den 90 Minuten gegen den Jahn aus Regensburg dann verwerten konnte, „die waren richtig akribisch“.

Kein Wunder, für Buchbach war es die Chance, sich bundesweit als ein ganz besonderer Farbtupfer im Kreis der Regionalligisten zu präsentieren. Und genau darauf hatte auch Rainer Koch gesetzt, der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) und Initiator einer Regionalliga nur für Bayern. Lange war sie umstritten, „Unverschämtheit“ wurde den aufmüpfigen Bayern unterstellt, gar von „Skandal“ war die Rede gewesen. An diesem Sonntag hat sich Koch mit Reinhard Grindel nach Buchbach begeben, um dem designierten DFB-Präsidenten vor Ort zu zeigen, was die Regionalliga Bayern so erfolgreich, aber eben auch liebenswert macht. Ohnehin ist die Kritik längst verstummt, „alles, was ihr anfangs nachgesagt wurde, hat sich nicht bewahrheitet“, sagt Koch. Bundesweit sei der Zuschauerschnitt durch die Fünfteilung der bis 2012 dreigleisigen Regionalliga sogar gestiegen, von „Verwässerung“ spreche keiner mehr. Selbst der FC Bayern musste erkennen, dass das Niveau keineswegs zu niedrig ist für seine Talente.

Und hat nicht gerade die Regionalliga Bayern in den letzten Jahren deutlich gewonnen? Durch die Drittliga-Absteiger Wacker Burghausen, Jahn Regensburg und SpVgg Unterhaching muss sie sich in Sachen Attraktivität keineswegs mehr verstecken, Jörg Dahlmann, der in dieser Spielzeit schon 13 Regionalliga-Partien in der gesamten Republik kommentiert hat, sagt: „Spielerisch sehe ich wenig Unterschiede.“ Dass die Regionalliga Bayern mithalten kann, zeige sich aktuell an Aufsteiger Würzburg, der schon im ersten Jahr ganz oben mitmischt in der 3. Liga.

Das habe schon alles seine Richtigkeit, unterstreicht Koch an diesem wunderschönen Frühlingstag im an sich so beschaulichen Buchbach, in dem heute aber der Ausnahmezustand herrscht. Sport1 hat sich mit zwei großen Ü-Wagen über kleine Landstraßen durchgekämpft, mindestens 2500 Menschen haben sich in die SMR-Arena aufgemacht, um ein gigantisches Fußballfest zu feiern, viele Fans aus Regensburg. „Für Vereine wie Buchbach ist die Regionalliga die Champions League“, freut sich Koch über eine wundervolle Atmosphäre, nie hätte es so packende Duelle zwischen David und Goliath geben können in einer dreigleisigen Regionalliga, die Hürden waren selbst für Vereine aus Münchens Speckgürtel zu hoch gewesen, unüberwindlich für Dorfklubs wie Buchbach, der von Ehrenamtlichkeit und Engagement der Dorfgemeinschaft lebt.

„Gerade das aber macht diese Regionalliga aus“, sagt Koch, der die Liga in drei unterschiedliche Gruppen gliedert: Da sind die zweiten Mannschaften der Bundesligisten, die an der Regionalliga Bayern „schätzen, dass sie die Klasse mit eigenen Talenten halten können und sich“, so Koch, „hier recht wohl fühlen, bis auf den FC Bayern vielleicht“. Dann gibt es die Klubs wie Regensburg, Burghausen und Unterhaching, die professionelle Struktur beibehalten haben und sich eher auf der Durchreise zurück nach oben sehen. Und schließlich Vereine wie eben Buchbach, die mit viel Herzblut Jahr für Jahr darum kämpfen, im Konzert der besten Amateurteams mitspielen zu können. „Vereine wie Buchbach bereichern die Regionalliga“, findet Koch und Grindel bestätigt: „Man spürt den Stolz des Dorfes.“

Deshalb ist Sport1 auch gekommen, in den ersten Jahren wurde die Regionalliga Bayern eher ein bisschen vernachlässigt. Dass inzwischen nicht mehr nur das Münchner Derby zwischen den zweiten Mannschaften von 1860 und Bayern für den Sender attraktiv ist, sondern auch Spiele wie Buchbach – Regensburg, zeigt, dass die Wertigkeit deutlich gestiegen ist, in eineinhalb Wochen überträgt nun auch der BR mit Burghausen gegen Regensburg eine das Spitzenspiel live.

29 Mitarbeiter hat Sport1 in den nordöstlichen Landkreis Mühldorf geschickt, generalstabsmäßig wie bei einem Bundesligaspiel wurde die 165-minütige Sendung vorbereitet, fünf Kameras waren im Einsatz, um Spiel, Stimmung und Interviews einzufangen. Der Aufwand hat sich gelohnt: Bis zu 330 000 Zuschauer waren bei frühlingshaften Temperaturen an einem Sonntagnachmittag vor dem Bildschirm dabei, als Buchbach und die Regionalliga Bayern bundesweit Werbung für sich machen konnten. „Die Quote ist erfreulich, gerade bei einer so langen Sendezeit und herrlichem Wetter“, war Stefan Thumm zufrieden, Leiter Fußball bei Sport1.

Als nach dem Trubel um den sensationellen Sieg der kleinen Buchbacher gegen die großen Regensburger noch live die Auslosung der Aufstiegsspiele zur 3. Liga stattfand, gab es doch noch ein paar Misstöne. Die kamen von Uwe Wolf, dem Trainer von Wacker Burghausen, das sich nach dem Ausrutscher des Jahn wieder Hoffnungen auf den Aufstieg machen darf. „Ein Meister muss direkt aufsteigen“, so der Ex-Löwe, der sich vehement dagegen wehrt, dass am Saisonende noch sechs Regionalligisten drei Aufsteiger ausspielen müssen. „Wenn man die Liga dominiert, darf nicht am Ende das Glück entscheiden.“ Eine dreigleisige Regionalliga müsse wieder her, fordert Wolf, beißt damit aber bei Koch auf Granit, gerade nach diesem wunderschönen Nachmittag: „Wir müssen die Liga auch für Vereine wie Buchbach finanzierbar halten“, das wäre bei einer dreigeteilten Regionalliga nicht möglich. Dann wären sie wieder unter sich, die Fußball-Goliaths. Und Dahlmann um so manche Geschichte ärmer.

Dieser Artikel erschien im Münchner Merkur auf der Amateursportseite. Sie erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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