Corona-Verdachtsfälle sorgen für Spielabsagen

Florian Heringer:„Im Moment lässt sich das Ganze nur schwer aufrecht erhalten“

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Florian HeringerTrainer des TSV Peißenberg fupaBeruf und Familie haben Vorrang

Die Kicker stehen vor Entscheidungen. Sie wollen dem Hobby und Sport nachgehen, doch müssen auch auf den Beruf und die Familie achten.

Peißenberg – In diesen Tagen verkürzt sich die Halbwertszeit bei vielen Dingen dramatisch. Kaum hatte die Rückrunde in der Kreisliga 1 begonnen, war sie schon wieder vorbei. Kaum dürfen die Fußballer wieder ihrem heiß geliebten Sport frönen, verlieren sie schon wieder die Lust. „Wir wären froh, wenn wir jetzt den Schlüssel umdrehen könnten“, sagt etwa Florian Heringer. Der Trainer des TSV Peißenberg sehnt sich bereits Mitte Oktober nach der Winterpause. Er hat in den vergangenen Tagen hautnah erfahren, was es bedeutet, während einer Pandemie einen Kontaktsport zu betreiben. Vor einer guten Woche meldete der Kreisligist einen Corona-Verdachtsfall, weshalb das Heimspiel gegen den Lenggrieser SC vor etwas mehr als einer Woche abgesagt wurde. Ein neuer Termin, um die Begegnung nachzuholen, ist noch nicht festgesetzt.

Gravierender als die Spielabsage war die Ungewissheit, die sich am Fuße des Rigi breit machte, bis schließlich ein negativer Befund vorlag. Zuvor hatte es genügend Kontakte zwischen dem Kicker und seinen Mitspielern entweder im Training oder beim Ligaspiel gegeben. „Es ist schwierig, da noch eine vernünftige Spielvorbereitung zu gewährleisten“, stellt Heringer fest. 

Immer mehr Corona-Verdachtsfälle beschränken Ligaspielplan

Das ist mittlerweile nicht nur wegen des Verdachtsfalls beim TSV so. Da in den vergangenen Tagen die Zahl der mit Covid-19-Neuinfizierten ständig neue Rekordwerte in Deutschland erreichte, kommt es im Umfeld der Spieler zu immer mehr Verdachtsfällen, sei es im privaten Bereich, bei der Arbeit, in der Schule oder an der Universität. Da Heringer klare Regeln aufgestellt hat, dass diese Kicker zu Hause bleiben müssen, um das Risiko zu minimieren, ihre Mitspieler anzustecken, schrumpft die Trainingsgruppe. „Im Moment lässt sich das Ganze nur schwer aufrecht erhalten“, klagt der Coach.

Inzwischen stecken die Kicker in echten Interessenkonflikten. Auf der einen Seite gehen sie mit Freude ihrem Hobby nach, auf der anderen müssen sie ihre berufliche Karriere im Auge behalten oder auf Familienmitglieder Rücksicht nehmen. Alles unter einen Hut zu bringen, wird in Zeiten von Corona immer komplizierter. „Spieler, die vor Prüfungen stehen, werden inzwischen angehalten, ihre sozialen Kontakte zu beschränken und nicht mehr Fußball zu spielen“, berichtet der Trainer. Dass der Beruf vorgeht, ist für alle Verantwortlichen beim TSV verständlich.

Unter solchen Voraussetzungen noch bis in den November Ligapokal zu spielen, kann Heringer nicht mehr nachvollziehen, zumal der Wettbewerb ohnehin nur als Lückenfüller gedacht war. „Es wäre schön, wenn wir da eine größere Flexibilität hätten“, wirbt der Trainer darum, den Wettbewerb auszusetzen. Zumal in der kühlen Jahreszeit auch das Hygienekonzept an seine Grenzen stößt. Wer wartet gerne bis zu einer Stunde, bis er nach einem Spiel in Regen und Matsch unter die heiße Dusche darf? Wer fängt sich deshalb gerne eine Erkältung ein?

Christian Heinrich

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