Fußball

Corona-Pause: Freisinger Teams zwischen Hoffen und Bangen

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Haben viel zu verlieren: Bei einem Saisonabbruch ohne Aufsteiger wären Manuel Haupt und die Vöttinger die Gelackmeierten.

Bei den Kreisklassen- und A-Klassen-Teams aus dem Kreis Freising halten sich in Sachen Corona Optimismus und Pessimismus die Waage. Eine Frage bleibt spannend.

Landkreis – Der Tabellenführer bangt um den Aufstieg, der abgeschlagene Letzte darf wieder hoffen. Viele Fußballer – auch aus den Kreisklassen und A-Klassen – sitzen derzeit in heimischer Corona-Pause und können nur abwarten, wann wieder gekickt wird und was im Fall eines Saisonabbruchs passiert. Trainer und Funktionäre sind sich jedoch vor allem darin einig, dass es derzeit weit Wichtigeres als Fußball gibt.

In der Kreisklasse 3 führt der SV Vötting die Tabelle an – doch Trainer Manuel Haupt ist pessimistisch: „Ich glaube nicht, dass diese Saison noch zu Ende gespielt wird.“ Seine Mannschaft habe bis vergangenen Freitag normal trainiert und dann den Betrieb komplett eingestellt. Die Vöttinger Spieler haben nun die Aufgabe, sich in dieser Notstandsphase eigenverantwortlich fit zu halten.

Tabellenführer SV Vötting bangt um seine Aufstiegschance

Was bei einem Saisonabbruch wäre? Da fällt es dem SVV-Trainer schwer, über das Vorgehen zu spekulieren. Ein Szenario wäre, dass die Ersten der jeweiligen Ligen auf- und die Letzten absteigen. „In dem Fall wäre es fairer für alle, wenn man die Tabelle vom Abschluss der Hinrunde heranzieht“, sagt Haupt. Bei Tabellenführer Vötting würde das keinen Unterschied machen. Der Coach betont aber auch, „dass wir alle Entscheidungen des Verbands akzeptieren werden – egal, wie sie ausfallen“.

Haben nichts zu verlieren: Trainer Markus Ujwari (l.) und die Eichenfelder könnten von einem vorzeitigen Saisonende profitieren.

Markus Ujwari ist Trainer bei der SG Eichenfeld, die als abgeschlagener Letzter praktisch keine Chance mehr auf den sportlichen Verbleib in der Kreisklasse hat. „Natürlich hofft man im Falle von Änderungen darauf, dass es bei einem Abbruch keine Absteiger gibt oder eventuell Playoffs nach der Krisenzeit gespielt werden. Ujwari hat aber auch Mitgefühl mit Manuel Haupt: „Natürlich ist die Situation für Vötting viel ärgerlicher als für uns.“ Seinen Kickern hat der Trainer die Bitte mit auf den Weg gegeben, in der Zeit ohne Fußball mindestens zweimal wöchentlich zu laufen oder Fahrrad zu fahren.

„Da fliegen noch munter Menschen aus aller Herren Länder durch die Gegend“

Ein Leben ohne Fußball war bis dato für Jochen Jürgens unvorstellbar. Er ist nicht nur Fußball-Abteilungsleiter des SV Marzling, sondern auch einer der aktivsten Schiedsrichter im Landkreis Freising. Jürgens wundert sich angesichts der Grenzschließungen täglich in seinem Beruf als Flugbegleiter („Da fliegen noch munter Menschen aus aller Herren Länder durch die Gegend“) und sieht die Menschheit „am Anfang einer globalen Krise“. Es gebe Wichtigeres als den Amateurfußball, aber doch denkt der Funktionär optimistisch: „Ich hoffe einfach, dass es ab Ende April langsam wieder losgeht. Das ist aber nur die Hoffnung.“

Jürgens hatte in der vergangenen Woche noch die Vorfreude im Verein gespürt, dass der Spielbetrieb nach der langen Winterpause nun wieder losgehe, „weil der Fußball eben ein fester Bestandteil unseres Lebens ist“. Seine Marzlinger sind aktuell Vierter und haben mit jeweils vier Punkten Abstand zu den beiden Ersten noch alle Chancen. Der Klub wollte in den nächsten Monaten angreifen, „aber manche Dinge sind eben stärker als der Fußball“.

Alexander Ricks: „Ich bin echt hin- und hergerissen“

Ein Abbruch der Punkterunde ohne Aufsteiger wäre insbesondere für den BC Attaching II gnadenlos hart. Der Spitzenreiter der A-Klasse 6 hat bereits acht Zähler Vorsprung auf den Zweiten Attenkirchen und zudem schon die Rückrundenpartien gegen die Mitfavoriten Oberhaindlfing oder Istanbul Moosburg absolviert. „Ich bin echt hin- und hergerissen“, sagt Trainer Alexander Ricks zur Corona-Pause. Einen Abbruch mit Aufstieg wünscht er sich nicht: „So will ich eigentlich nicht aufsteigen.“ Andererseits wäre es bitter, im Fall eines vorzeitigen Saisonendes nach dieser bislang so überragenden Runde um den verdienten Lohn gebracht zu werden.

An seine Spieler appelliert der Coach, in der fußballfreien Zeit nicht unvernünftig zu sein: „Ich habe den Jungs gesagt, dass sie nicht alles kaputt machen sollen, was wir uns jetzt in den Wochen der Vorbereitung aufgebaut haben.“ Damit verbunden ist der Wunsch des Trainers, dass die Spieler dreimal in der Woche für sich selbst laufen sollen. Durch die Katastrophenfall-Verordnung in Bayern habe sich auch schon die Überlegung erübrigt, sich gemeinsam zum Laufen mit Sicherheitsabstand zu treffen und dann umgehend wieder einzeln nach Hause zu fahren.

Ein weiterer Tabellenführer aus dem Landkreis ist der FCA Unterbruck, der in der A-Klasse 5 zur Zeit fünf Zähler Vorsprung und zudem noch eine Partie weniger als der Liga-Zweite Eching II absolviert hat. Grundsätzlich, sagt Trainer Alfons Deutinger, gebe es einfach Dinge, die größer als der Fußball seien. „Allerdings würde ich lügen, wenn es mir egal wäre, wie die Saison weitergeht.“ Freilich würde sich in Unterbruck niemand gegen den Aufstieg im Falle eines Saisonabbruchs wehren, aber Deutinger denkt an seine Akteure und würde diesen so sehr wünschen, dass irgendwann wieder gekickt werden kann: „Den Spielern würde ein sehr schönes Erlebnis entgehen, wenn sie nicht auf dem Fußballplatz aufsteigen könnten.“

Das sagt Mario Spoljaric vom SV Dietersheim

Dagegen kann der SV Dietersheim den Entscheidungen des Verbands entspannt entgegenblicken. Der Klub, der in den vergangenen Jahren vom Aufstieg träumen durfte, steht aktuell im Niemandsland der A-Klasse 5. „Bei uns geht es nicht um die Tabelle“, sagt Vorsitzender und Fußballchef Mario Spoljaric, „aber das Leben ohne den Fußball ist einfach langweilig“. Derzeit gebe es allerdings wichtigere Dinge. In Dietersheim wurde wie fast überall in Bayern der Trainingsbetrieb sofort eingestellt. Spoljaric hatte in den vergangenen Tagen auch keinerlei Diskussionen mit Spielern oder Eltern von Jugendfußballern: „Mit dem ausgerufenen Katastrophenfall haben wir ja alle auch eine Planungssicherheit. Bei uns in Dietersheim reagieren alle entspannt und besonnen.“

Mario Spoljaric rechnet damit, dass die fußballlose Zeit noch lange dauern wird, weil die Corona-Krise und die Maßnahmen gegen das Virus noch nicht den Höhepunkt erreicht hätten. In seinem Verein gibt es kein Training, „aber wenn sich ein paar Jungs mal zum Herumkicken treffen, kann ich auch nichts machen“. In den vergangenen Tagen hatten sich einige junge Leute zusammengefunden, die sich über eine weite Entfernung ein wenig den Ball zuspielten. Sie lebten die Liebe zum Fußball, die derzeit für viele die gefühlte Corona-Quarantäne noch schwerer macht.

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Quelle: Merkur.de

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