Immer mehr Vereine sagen ihre Trainingslager ab

Corona: TSV Perchting bleibt auf 8000 Euro sitzen

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Mannschaftsfoto vom TSV Perchting-Hadorf, der auf 8000 Euro sitzen bleibt

Immer mehr Fußballvereine sagen ihre Trainingslager ab. Gründe dafür sind größtenteils das Risiko sich anzustecken un zum anderen das Risiko sich nach der Reise in Quarantäne begeben zu müssen.

Vor zehn Tagen ist Christoph Kammerlander noch optimistisch gewesen. „Stand jetzt werden wir fahren“, sagte der Spielertrainer des TSV Perchting-Hadorf bezüglich des geplanten Trainingslagers in Rimini ab dem kommenden Donnerstag. Die Meldungen, die damals aus Italien über das neuartige Coronavirus über die Alpen drangen, hielt der Coach für Hysterie. „Das wird öffentlich so ausgeschlachtet“, sagte er. Inzwischen hat der Fußball-Kreisklassist sein Trainingscamp an der Adria aber doch abgesagt. „Es ist die vernünftigste Entscheidung, es so zu handhaben“, stellt Kammerlander klar. Es wäre ein unzumutbares Risiko gewesen, die 50-köpfige Reisegesellschaft nach Rimini fahren zu lassen.

Verein bleibt auf 8000 Euro sitzen

Der Entschluss kommt den TSV teuer zu stehen. Die Agentur, über die der Verein das Trainingslager gebucht hatte, ließ sich auf keinen echten Kompromiss ein, weshalb der Klub auf rund 80 Prozent der Reisekosten sitzen bleibt. „Das ist ein ordentlicher Geldbetrag, der im Nichts verläuft“, sagt Kammerlander. Schließlich handelt es sich um eine Summe von um die 8000 Euro, die der TSV alleine decken muss.

„Das Risiko war zu groß“

Eine bessere Übereinkunft konnten die Kicker des SV Inning mit ihrem Reiseveranstalter treffen. Eigentlich wollte der Kreisklassist in Montichiari sein Trainingslager abhalten. Die aktuelle Situation in der Lombardei sorgte jedoch für eine neue Beurteilung der Lage durch die Vereinsführung. „Das Risiko war zu groß“, erklärt Markus Spiewok. Für den Fußballabteilungsleiter war es auf einmal gar nicht mehr so abwegig, dass sich einer seiner Spieler in Italien ansteckt. Die Agentur, die mit dem Sportverein zusammenarbeitete, zeigte für die Befürchtungen Verständnis und verständigte sich mit den Inningern auf einen Kompromiss: Die Kosten für die Stornierung bleiben dem SVI erspart, wenn er sein nächstes Trainingslager wieder bei ihr bucht.

Auch der Nachwuchs des SC Weßling verzichtete auf sein Trainingslager in Misano. Eigentlich wollte sich der Sportclub mit seiner A- und B-Jugend in der Emilia Romagna auf die Rückrunde vorbereiten. Doch die Verantwortlichen traten die Fahrt am Donnerstag der Faschingsferien nicht an. „Nicht wegen der Ansteckungsgefahr“, wie Martin Jakob versichert. Der Abteilungsleiter befürchtete, dass seine Buben nach der Rückkehr aus Italien vom Unterricht ausgeschlossen werden könnten. Da einige von ihnen im Frühjahr ihr Abitur schreiben beziehungsweise ihre Mittlere Reife ablegen, hätte dies spürbare Konsequenzen für sie nach sich gezogen.

Schulen schicken Schüler Nachhause 

Die FT Starnberg war mit ihrem Nachwuchs in Misano. Dass die jungen Kicker nach ihrer Rückkehr aus Italien generell vom Unterricht ausgeschlossen wurden, kann Alexander Nitsch nicht bestätigen. „Es wird von den Schulen unterschiedlich gehandhabt“, so der Abteilungsleiter. „Manche Kinder wurden von ihrer Schule am vorletzten Montag nach Hause geschickt.“ Die unterschiedliche Praxis an den jeweiligen Lehranstalten ist für Nitsch schon etwas verwunderlich. Das Gesundheitsamt Starnberg habe seinen Verein nicht ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Kinder nicht in die Schule gehen dürfen. Nitsch betont, dass es den Eltern seiner Nachwuchskicker freigestellt war, ihre Kinder mit nach Misano zu schicken. Dass sich einer der Betreuer und ein Spieler inzwischen auf der Isolierstation des Starnberger Krankenhauses befinden (wir berichteten), weil sie sich mit dem Coronavirus infizierten, muss laut Nitsch aufgrund der Einschätzungen von Medizinern nicht zwingend in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Trainingslager in Italien stehen.

Nachdem am vorvergangenen Montag der Ball an der Starnberger Ottostraße ruhte, nahmen die Spieler und Übungsleiter des Vereins danach den Trainingsbetrieb wieder auf, die nicht in Misano dabei gewesen waren. Die FT orientiert sich an der aktuellen Empfehlung des Bayerischen Fußball-Verbandes, die vorsieht, dass Spieler, die aus Italien kommen, erst nach 14 Tagen wieder Zugang zu ihren Mannschaften erhalten. Die Starnberger sagten aus diesem Grund für das kommende Wochenende zwei Jugendspiele ab.

Quelle: Merkur.de

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