Der Alltag eines Platzwarts in Zeiten der Corona-Pandemie

Pierre Schröfele - der einsame Platzwart des SV Ohlstadt

Vertrautes Bild seit mittlerweile 15 Jahren: Pierre Schröfele bei der Pflege der Rasenplätze am Boschet in Ohlstadt.
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Vertrautes Bild seit mittlerweile 15 Jahren: Pierre Schröfele bei der Pflege der Rasenplätze am Boschet in Ohlstadt.

Das Vereinsleben beim SV Ohlstadt ist in den letzten Monaten nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Besonders zu spüren bekommt das Platzwart Pierre Schröfele.

Ohlstadt – Still liegt sie da in diesen Tagen, die Anlage des SV Ohlstadt. Dort, wo sich normalerweise bereits am Nachmittag die Jugendfußballer des SV Ohlstadt tummeln und hinterher die Herrenteams trainieren, hält sich in dieser schwierigen Phase der Pandemie niemand auf. Fast niemand. Pierre Schröfele verbringt weiterhin viel Zeit am Boschet. Der 37-Jährige ist der Platzwart des Vereins – ein einsamer Job in Corona-Zeiten.

„Das Vereinsleben mitzuerleben, macht mir Spaß, das ist das Schönste an diesem Job“, erzählt Schröfele. Alleine auf der Anlage zu sein, seine Runden mit dem Rasenmäher zu drehen – das bereitet ihm keine Freude. Der Rasen befinden sich in gutem Zustand nach der monatelangen Pause. Klar, die üblichen Winterschäden waren auch heuer zu beklagen, aber: „Die Plätze sind spielbereit.“ Einzig: Es darf niemand drauf in den nächsten Wochen. Schröfele möchte als Platzwart natürlich zeigen, dass er in den vergangenen Monaten nicht untätig war. „Klar willst du die Plätze auch gerne jemandem präsentieren.“

Der Aufgabenbereich eines Platzwarts geht weit über das Rasenmähen hinaus

Seit mittlerweile 15 Jahren kümmert sich der Mitarbeiter der Murnauer Gemeindewerke um das Geläuf der Ohlstädter Fußballer. Der alte Platzwart hörte auf, ein Nachfolger wurde gesucht. Schröfele – damals noch selbst aktiver Fußballer – sagte zu. Und ist bis heute dabeigeblieben. Unterstützt wird er bei seiner Arbeit durch Erich Kaindl und Rainer Purkart. Der ehemalige Abteilungsleiter Tobias Weber zieht zudem an Spieltagen die Linien. Hilfe kann Schröfele bei seiner Arbeit gut gebrauchen. Denn das Aufgabenfeld des Platzwartes geht weit über das Rasenmähen und das Düngen des Grüns hinaus. Er ist nicht nur für den Untergrund verantwortlich, sondern für die gesamte Anlage. Die Zäune müssen ausgemäht sein, die Hecken geschnitten. Zudem bedürfen die Maschinen, die Schröfele für seine Arbeit benötigt, einiges an Wartung.

Das Thema Rasenpflege beschäftigt Schröfele auch außerhalb vom Boschet. Schaut er mit seinen Freunden Fußball im Fernsehen an, achtet er nicht nur auf die Ballkünste eines Lewandowski, sondern wirft auch einen genauen Blick auf den Zustand des Rasens in den Fußballstadien dieser Welt.

Platzwart Schröfele: „Ich bekomme schon regelmäßig Lob für den Rasen“

Das Hauptaugenmerk des 37-Jährigen liegt allerdings auf der Rasenpflege bei seinem SVO. Dienstags und freitags steigt er auf den Mäher, um das Grün für die Kicker in Schuss zu bringen. Die Halme stutzt er dabei auf eine Länge von 3,7 Zentimetern. Anschließend wird der Platz „gestriegelt“. Bedeutet: Er fährt mit einer Art Kamm über den Rasen, um die beim Mähen entstandenen Rückstände zu entfernen. Besonders freut es Schröfele, wenn er Anerkennung für seine akkurate Arbeit erhält. „Ich bekomme schon regelmäßig Lob für den Rasen, gerade bei den Derbys gegen Uffing oder Murnau.“ Dann steht er an der Seitenlinie und feuert seinen SVO an. Und hofft, dass der Rasen die Partie gut übersteht. „Besonders bei Regen gibt es den einen oder anderen Moment, bei dem ich schlucken muss“, erzählt der Platzwart und lacht. Nach dem Abpfiff beginnt die Rasenpflege aufs Neue. Löcher stopfen ist angesagt, gerade wenn der Platz nass und dadurch tief ist.

SV Ohlstadt: Neuer Kunstrasenplatz ein Segen für den Verein

Ist die Witterung schlecht und der Rasen nicht bespielbar, muss Schröfele die unangenehme Seite seines Jobs ausüben und den Untergrund sperren. Logischerweise gefällt das Trainern und Spielern nicht, ab und zu entstehen Meinungsverschiedenheiten. „Klar versteht das der eine oder andere dann im ersten Moment nicht.“ In solchen Fällen gelte es, Kompromisse zu finden, beide Seiten müssten ab und an nachgeben können. Künftig erhoffen sich alle beim SV Ohlstadt, dass Diskussionen dieser Art nicht mehr vorkommen werden. Abhilfe schaffen soll dabei der neue Kunstrasenplatz, mit dessen Bau demnächst begonnen wird. „Das wird natürlich einiges erleichtern.“ Ist der Rasen nicht bespielbar, kann auf die künstliche Alternative ausgewichen werden. Ein Segen für den Verein – und seinen Platzwart.

Für die Rückkehr auf die Plätze ist der SV Ohlstadt also dank Schröfele bestens gerüstet. Es wird Zeit, dass wieder Leben am Boschet einkehrt – und der Platzwart nicht mehr alleine seine Runden drehen muss. (Marco Blanco-Ucles)

Quelle: Merkur.de

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