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„Die Chancen werden mit jedem Jahr geringer“

Darum scheiterte der Wechsel von Kasim Rabihic in die 3. Liga

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Kasim Rabihic (links) ist der Hoffnungsträger des FC Pipinsried im Abstiegskampf. „Er ist ein Ausnahme-Spieler, der auf dem Platz den Unterschied macht“, beschreibt Teammanager Roman Plesche den Stürmer.

Kasim Rabihic hat auf seine Chance gehofft. Er hat auf einen Anruf gewartet. Wochenlang. Eine zermürbende Zeit. „Die Hoffnung, dass es vielleicht doch noch irgendwann klappt, stirbt zuletzt“, sagt der Stürmer des FC Pipinsried über seinen Traum.

Er wollte im Sommer bei einem Drittligisten vorspielen. Wann ist der Zeitpunkt im Leben eines Amateursportlers, wenn die Hoffnung stirbt? Mit 18 Jahren, wenn ein Spieler aus einem Nachwuchsleistungszentrum nicht den Sprung zu den Profis schafft? Oder mit 25, wie bei Kasim Rabihic?

Der Techniker im Team des FC Pipinsried hat die beste Saison seiner Karriere gespielt. Mit sieben Vorlagen und neun Toren war Rabihic der Dreh- und Angelpunkt in einer Mannschaft, die zu den sicheren Abstiegskandidaten der Regionalliga Bayern zählte. Am letzten Spieltag krönte er seine Top-Saison mit einem Dreierpack gegen den VfR Garching. „Seine Leistungen waren überragend. Er ist ein Ausnahme-Spieler, der auf dem Platz den Unterschied macht“, adelt Teammanager Roman Plesche seinen Stürmer.

Doch ob ein Spieler die Chance erhält, sein Können bei einem Profiverein zu zeigen, hängt oft nicht von seiner Leistung ab. „Ich habe immer Gas gegeben und über einen langen Zeitraum gut gespielt. Aber das sehen die Vereine und Scouts nicht“, sagt Rabihic. Nur mit Toren schießt sich ein Stürmer in die Notizbücher der Scouts. Doch Rabihic ist nicht der Spieler, der nur im Strafraum lauert und den Fuß hinhalten muss. Er arbeitet für die Mannschaft, kommt oft über die Außenbahn und baut das Spiel mit auf. Am Ende entscheidet die Tagesform, ob es für die Einladung zum Probetraining reicht oder nicht, glaubt Rabihic: „Vielleicht wurde ich genau in den Spielen beobachtet, bei denen ich mich nicht zeigen konnte.“ Bereits zum zweiten Mal hat Rabihic in seiner Karriere auf das Versprechen eines Beraters vertraut: „Wir finden einen Verein in der dritten Liga für dich“, hieß es im Mai. In den Monaten darauf folgten Phrasen wie „Der Verein überlegt noch“. Zu einem Probetraining in Deutschland kam es nicht. In Tschechien spielte Rabihic beim Zweitligisten FC MAS Táborsko vor. Dort musste er feststellen, dass das Niveau weit unter dem der Regionalliga war. „Ich habe mich in Tschechien von Anfang an unwohl gefühlt. Ich will mich als Fußballer verbessern, nicht verschlechtern“, sagt Rabihic. Am Ende blieb er beim FC Pipinsried in der Regionalliga Bayern.

„Als Spieler vertraut man seinem Berater blind.“

Für Kasim Rabihic war es ein Déjà-vu-Erlebnis. Mit 21 Jahren war er Stammspieler bei den Amateuren des TSV 1860. Immer wieder durfte er bei den Profis trainieren. Torsten Fröhling war zu dieser Zeit Trainer der Regionalliga-Mannschaft. Am Ende der Saison stieg er zu den Profis auf. Statt auf eine Chance bei den Löwen zu hoffen, folgte Rabihic dem Lockruf des Beraters, der einen Vertrag bei einem Drittligisten in Aussicht stellte. Am Ende sprang nur ein Wechsel in die Regionalliga West zu Rot-Weiss Essen heraus. „Vielleicht wäre alles anders gelaufen, wenn ich bei 1860 geblieben wäre. Aber als Spieler vertraut man seinem Berater blind. Er hat deine Zukunft in der Hand“, sagt Rabihic. Im Februar wird der Stürmer 26. Eigentlich kein Alter, in dem ein junger Mann seine Träume begraben sollte. Doch Kasim Rabihic ist Realist. „Ich bin enttäuscht, dass es mit dem Probetraining nicht geklappt hat. Mit dem Alter bin ich immer besser geworden. Aber die Chancen werden mit jedem Jahr geringer“, sagt Rabihic. Im Herbst beginnt er seine Meisterausbildung als Elektrotechniker.

Beim FC Pipinsried startete der Stürmer nach seiner Rückkehr wieder bei Null. Statt seinen Traum zu leben, muss sich Rabihic mit der Realität auseinandersetzen: Der FC Pipinsried befindet sich im Abstiegskampf. Der Druck auf Rabihic ist groß. Er soll den Klub erneut aus dem Keller schießen. Doch der Stürmer weiß, wie er mit dieser Situation umgehen muss: „Ich spüre keinen Druck. Für mich ist es eher eine Motivation. Ich weiß, dass ich gebraucht werde.“ Rabihic trainiert weiterhin wie ein Profi. Er absolviert Zusatzeinheiten im Fitnessstudio und steht in seiner Freizeit auf dem Bolzplatz. Er kämpft nicht für den Traum vom Profi-Fußball. Er kämpft für ein Ziel, das er sich an jedem Spieltag neu setzt. „Ich will in jedem Spiel der beste Mann auf dem Platz sein. Ich möchte Tore schießen und die Klasse halten. Nur wer seine beste Leistung abruft, kann auch etwas erwarten“, sagt der Stürmer.

Dass ein Fußballer mit dieser Einstellung eine Chance erhält, hat Rabihic bereits erlebt. Erst mit 17 entdeckte ihn die SpVgg Unterhaching beim TSV Forstenried. In der U19 riss er sich das Kreuzband und musste den Verein verlassen. Dank starker Leistungen beim ehemaligen Bayernligisten BC Aichach schaffte er den Sprung zum TSV 1860 II. Das Wort „Aufgeben“ ist für Kasim Rabihic ein Fremdwort. Dies gilt sowohl auf dem Platz als auch für seine Träume.

Text: Christoph Seidl

Quelle: Merkur.de

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