Fußball

Darum verzichtet der FC Moosinning auf die Cay-Brüder und Michael Ott

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Alexander Plabst, Rupert Lanzinger und  Gediminas Sugzda sprachen mit den Redakteuren Michael Leitner und Dieter Priglmeir.

Teamgeist ist wichtiger als individuelle Klasse - da sind sich die drei Landesligisten einig, die wir zu einem Gespräch eingeladen haben. Ein Interview mit Alexander Plabst (SE Freising), Rupert Lanzinger (FC Moosinning) und  Gediminas Sugzda (VfB Hallbergmoos).

Erding/Freising – Eine Woche haben sie noch Zeit, dann beginnt für die Landesligisten das Fußballjahr 2019 so richtig. Der FC Moosinning will dann mehr als die 16 Tore schießen, für die es bisher für gereicht hat. Warum sich der Aufsteiger dennoch von drei Offensivkräften getrennt hat, ohne – zumindest bisher – Ersatz gefunden zu haben, erklärt Abteilungsleiter Rupert Lanzinger. Gemeinsam mit Alexander Plabst und Gediminas Sugzda, die Trainer des SE Freising und des VfB Hallbergmoos, stand er den Sportredakteuren des Erdinger Anzeiger und Freisinger Tagblatt Rede und Antwort. Teil eins des Interviews lesen Sie heute, Teil zwei folgt im Laufe der kommenden Woche.

Herr Plabst, eigentlich haben wir Sie auf Krücken erwartet. Was wurde operiert, wie geht’s?

Gediminas Sugzda (Trainer des VfB Hallbermoos): Was ist passiert?

Alex Plabst (Trainer des SE Freising): Arthroskopie. Eine alte Sprunggelenksgeschichte. Der Eingriff war schon länger geplant. Die Krücken bin ich seit ein paar Tagen los. Bis zirka Mitte März bin ich noch weitgehend außer Gefecht gesetzt, aber ich habe ja mit Fabian Herrmann und Dieter Krinke hervorragende Trainer-Kollegen.

Was berichten denn die beiden von der Vorbereitung? Wie läuft’s? Wie weit ist der SEF schon?

Plabst: Es sind noch die Geschichten, die uns schon länger verfolgen, das heißt, dass es noch viel zu viele schwerwiegende taktische und technische Probleme im Training und in den Spielen gibt. Des Weiteren haben wir mit Mesut Toprak einen sehr, sehr wichtigen Spieler verloren. Wir haben zwar mit Didier Nguelefack aus Attaching und jungen Spielern wie zum Beispiel Miguel Fantl den Kader wieder aufgefüllt, aber ein Toprak ist halt nicht ersetzbar. Und im Winter adäquaten Ersatz zu finden, ist sowieso wahnsinnig schwer.

Zudem hat Stürmer Martin Schön den SEF nach einem halben Jahr wieder verlassen. Ende Juni im Testspiel gegen die Löwen hat Schön zum Einstand doch gleich zwei Tore geschossen. Warum hat es am Ende trotz sechs Saisontreffern nicht funktioniert?

Plabst: Martin ist physisch ein starker Spieler. Aber seine technischen Qualitäten sind überschaubar – und das war die große Schwierigkeit. Vorne habe ich mit Andreas Hohlenburger einen Stürmer mit Bayernliga-Niveau und dahinter Burak Özdemir, Domagoj Tiric und Florian Schmuckermeier. Trotzdem hat Schön ja seine Chance bekommen und durfte am drittletzten Spieltag vor der Winterpause als alleinige Spitze ran, weil Hohlenburger nicht einsatzfähig war. Aber da hatte er offensichtlich schon mit uns abgeschlossen. Er hat während des Spiels gegen Traunstein Anweisungen ignoriert und in der 92. Minute den Ball aus wenigen Metern unmotiviert übers Tor gedroschen. Am Montag drauf habe ich dann über WhatsApp einen Zweizeiler bekommen, dass er sich einen Hund gekauft habe und jetzt nicht mehr trainieren könne. Einem verdienten Mann wie Georg Appel (scheidender Abteilungsleiter beim SEF, die Red.) noch eine Geschichte zu verzählen, er wäre in der Rückrunde wieder da, rundet den Charakter ab. Für mich persönlich war die Angelegenheit deshalb bereits seit Anfang November gegessen und nicht mehr wichtig.

Er ist dann auch wieder zurück zur SpVgg Kammerberg.

Plabst: Ganz ehrlich, ich hätte ihn definitiv gesperrt, denn so ein Verhalten habe ich menschlich sowie sportlich noch nie von einem Spieler erlebt. Aber Georg Appel hat das geregelt. Wir haben noch eine gute Ablöse bekommen, und die Verhandlungen mit Kammerberg waren absolut in Ordnung.

Herr Lanzinger, auch der FC Moosinning hat derweil zwei Spieler verloren, von denen sich der Verein eigentlich viel erhofft hatte.

Rupert Lanzinger (Fußball-Abteilungsleiter FC Moosinning): Eigentlich waren es drei, denn wir haben uns ja auch von Michael Ott getrennt.

. . . der sich mit den Cay-Brüdern überhaupt nicht verstanden hat.

Lanzinger: Die Geschichte hat sehr lange geschwelt. Helmut Lucksch, unser neuer Trainer, hat dann entschieden, dass – bei all dem Potenzial, das speziell Kaan Cay hat – wir ihm und seinem Bruder Mehmet nahelegen, den Verein zu verlassen. Jetzt sind sie eben nach Hohenlinden in die Kreisliga gegangen.

Der Trainer hat sich gegen die beiden entschieden, obwohl die Offensive ohnehin das Moosinninger Problem ist?

Lanzinger: Für den Trainer ist es wichtig, dass die Stimmung im Kader gut ist. Und das kann ich schon jetzt sagen: Sie hat sich deutlich verbessert. Das konnte ich in den Vorbereitungsspielen sehen. Aber klar ist auch: Der Trainer kann die Tore nicht selbst schießen.

Gegen Grüne Heide habt ihr immerhin drei Tore geschossen.

Lanzinger: Das stimmt, aber wir hätten auch 7:0 gewinnen können. Wir lassen einfach noch zu viele Chancen liegen.

Maxi Lechner hat gegen Garching und Grüne Heide jeweils zweimal getroffen.

Lanzinger: Ja, aber er läuft auch noch immer allein aufs Tor zu und schießt den Keeper an, obwohl der schon am Boden liegt. Was ich damit sagen will: Das Selbstvertrauen fehlt noch. Es gibt noch einiges zu tun, aber das wird schon.

Bei wem erkennen Sie denn schon eine besondere Entwicklung?

Lanzinger: Matthias Eschbaumer macht sich richtig gut. Er war ja immer schon pfeilschnell, aber auch sehr ungestüm. Der hat früher alles gefällt, was im Weg stand. Jetzt ist er eine echte Alternative für die Innenverteidigung. Da müssen wir uns ja auch was einfallen lassen, denn Johannes Volkmar, unser wichtigster Mann, ist noch für fünf Spiele gesperrt. Auch Christos Ketikidis, der inzwischen im defensiven Mittelfeld spielt, gefällt mir gut.

Herr Sugzda, Sie sind ja neu als Trainer des VfB Hallbergmoos und lernen das Team erst kennen. Wer hat sich bisher in der Vorbereitung aufgedrängt?

Sugzda: Da will ich jetzt keine Namen nennen. Alle haben die gleiche Ausgangslage, alle ziehen mit, das Training ist ordentlich. Wir haben den Kader verbreitert und junge Perspektivspieler aus tieferen Ligen geholt, die natürlich noch etwas Zeit brauchen, um sich an das höhere Tempo zu gewöhnen.

Gegen den Regionalligisten Garching hat der VfB 1:5 verloren.

Sugzda: Für Garching war es das sechste und für uns erst das erste Testspiel. Da sind wir regelrecht überrannt worden. Aber es war trotzdem gut zu sehen, wer welches Level hat.

Wie haben Sie sich persönlich eingelebt beim VfB?

Sugzda: Es passt. Wir können hier gut trainieren. Ich habe keinen Druck.

Keinen Druck? Mit Verlaub: Der VfB steht auf Platz neun, obwohl er finanziell sicher weit bessere Möglichkeiten als die meisten anderen Mannschaften in der Landesliga hat. Eigentlich müsste der VfB mit ganz oben stehen und um den Aufstieg in die Bayernliga spielen, wo der Verein ja hin möchte.

Sugzda: Ist das wirklich so? Die Realität ist, dass Hallbergmoos in den vergangenen drei Jahren nie über Platz acht hinausgekommen ist. Da muss man schauen, was nicht stimmt und notfalls auch unpopuläre Entscheidungen treffen.

Was heißt das konkret?

Sugzda: Dass Spieler, die nicht mitziehen, ein schwierigeres Leben haben werden. Um Platz acht zu spielen, ist das Langweiligste, was man machen kann. Nach oben geht aktuell nichts mehr, nach unten dürfte auch nichts mehr passieren.
Plabst:Dass nach oben nichts mehr geht, glaube ich dir noch nicht ganz. Du hast bei jedem Verein etwas bewegt.
Sugzda: Das ist sehr nett von dir, danke. Aber nochmal: Was wir hier in Hallbergmoos jetzt machen müssen, ist, eine Spielidee zu entwickeln.

Wie sieht die aus?

Sugzda: Das wird sich noch zeigen. Dafür kenne ich die Mannschaft noch nicht gut genug.

Aber welchen Fußball würden Sie denn gerne spielen lassen?

Sugzda: Am liebsten lasse ich den Ball nach vorne schlagen, und dann macht einer ein Tor. Nein, das ist natürlich Quatsch. Was will man im Fußball sehen? Kreativität und schöne Kombinationen. Das funktioniert nur über viel Ballbesitz und mit Spielern mit einem gesunden Selbstvertrauen. Und dann brauchst du natürlich echte Charaktere in der Mannschaft, also Leute, die vorangehen, wenn es mal nicht so läuft. Ich glaube schon, dass man hier viel bewegen kann, da wir vielleicht etwas besser gestellt sind als andere Vereine.

Das klingt alles nach einer längerfristigen Planung. Es geht also nicht nur um den Rest dieser Saison.

Sugzda: Mein Vertrag läuft eineinhalb Jahre. Wir werden sehen, wie es funktioniert. Es ist ja nicht so, dass jeder Trainer zu jedem Verein passt.

Aber wir können davon ausgehen, dass es der VfB in der neuen Saison wissen will.

Sugzda: Wir werden alles geben, um eine gute Mannschaft für die neue Saison zusammenzustellen. Ob, welche und wie viele Verstärkungen wir brauchen, wird sich noch herausstellen.

Andreas Hohlenburger hat sich gerade eben bis Sommer 2020 an den SEF gebunden. Hat der VfB bei ihm angeklopft?

Sugzda:Ich weiß nicht, ob wir es versucht haben.
Plabst: Denke schon.
Sugzda: Hohlenburger dürfte auch noch andere Angebote gehabt haben.
Plabst: Das ist keine Frage, da gibt es schon seit längerer Zeit immer wieder diverse Anfragen. Aber Andi ist ein Spieler, der nicht zu viel Aufwand haben will. Charakterlich ist Andi einer der saubersten Spieler, die ich je hatte. Der schießt drei Tore und setzt sich danach ins Sportheim. Und keiner merkt, dass er vorher der Held auf dem Platz war. Finanziell ist er für uns auch machbar – und er ist es definitiv wert.

Gibt’s in Freising noch immer keine Spielerverträge?

Plabst: So ist es. Aber beim Andi habe ich um eine Ausnahme gebeten. Ich habe dem Schorsch (Appel, die Red.) gesagt: Andi ist unsere interne Lebensversicherung, dass es uns zumindest in der Landesliga gut geht. Ihn müssen wir hegen und pflegen.

Dass heißt, Hohlenburger wird so schnell kein Hallberger.

Sugzda: Für mich ist klar, dass er in Freising bleibt. Das ist auch gut so. Ich freue mich jetzt auf die sportliche Herausforderung, ihn mit fairen Mitteln aus dem Spiel zu nehmen. Ich schaue auf meine Leute, denn ich habe auch sehr gute. Fabian Diranko zum Beispiel. Das ist zwar ein ganz anderer Typ von Offensivspieler. Aber ich finde es jetzt schon toll, wie er das Spiel interpretiert.

Bei dem Namen müsste Ihr Herz bluten, Herr Lanzinger.

Lanzinger: Ja, weil Fabian ein waschechter Moosinninger ist. Sein Opa ist Otto Humplmair, unser langjähriger Vorsitzender. Wenn der noch leben würde, hätte sich Fabian nicht getraut zu wechseln (lacht). Nein, im Ernst, wir wollten Fabian natürlich schon gern zurückholen. Das gilt auch für Tobi Krause, der ja auch für den VfB spielt. Der hat mir gesagt: Wenn ich gewusst hätte, dass ihr aufsteigt, dann wäre ich zurückgekommen. Aber wir hatten halt noch die vielen Relegationsspiele.
Sugzda: Ja, der Tobi gefällt mir auch sehr gut. Danke, FC Moosinning.
Lanzinger: Wir hätten schon auch solche sportlichen Perspektiven wie der SE Freising, der seine guten Jugendspieler auch halten kann. Bei uns ist ja zumindest Alex Auerweck wieder zurück, aber er ist halt leider immer wieder mal verletzt.

Aktuelle Landesligatabelle

1. TSV Wasserburg 21 47: 19 49

2. SE Freising 21 44: 22 47

3. FC Deisenhofen 21 44: 22 41

4. TSV Grünwald 21 46: 32 38

5. ASV Dachau 21 28: 17 36

6. SpVgg Landshut 21 44: 30 34

7. TSV Kastl 21 48: 41 34

8. SV Erlbach 21 42: 28 34

9. VfB Hallbergmoos 21 33: 27 34

10. Eintracht Karlsfeld 21 30: 32 33

11. FC Töging 21 32: 34 31

12. TSV Bogen 21 26: 33 28

13. SB DJK Rosenheim 21 27: 37 21

14. TuS 1860 Pfarrkirchen 21 30: 38 20

15. SB Traunstein 21 34: 44 19

16. FC Moosinning 21 16: 37 16

17. ASCK Simbach/Inn 21 15: 52 15

18. TSV Neuried 21 17: 58 2


Der Meister steigt in die Bayernliga auf, der Tabellenzweite bestreitet Aufstiegsspiele. In die Abstiegsrelegation müssen alle Teams von Platz 15 bis 17.

In Teil 2 des Interviews äußern sich die Vertreter der beiden Vereine über die eigenen Ziele und die Favoriten der Liga. Plabst, Sugzda und Lanzinger sagen aber auch, wie viel Professionalität sie von ihren Spielern erwarten. Bericht folgt.

Quelle: Merkur.de

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