„Das war der emotionale Höhepunkt“

Unterhaching - Entweder der FC Bayern oder der TSV 1860 München: Einer der beiden Vereine hat fast immer den Merkur CUP gewonnen, das weltgrößte Fußballturnier für E-Junioren. Mit einer Ausnahme - 2001 durchbrach die SpVgg Unterhaching die Münchner Phalanx. Der damalige SpVgg-Jugendtrainer und Hachings „Mister Merkur CUP“, Richard Raiser, feiert heute seinen 50. Geburtstag.

Im Wohnzimmer des Unterhachingers steht er, unübersehbar: der Merkur CUP. Den „Pott“ als Trophäe der „Champions League für E-Junioren“, wie Richard Raiser den Wettbewerb unserer Zeitung nennt, durften die damals siegreichen Kinder jeweils für rund eine Woche mit nach Hause nehmen. Irgendwann blieb das Duplikat des Original-Cups im Wohnzimmer von Richard Raiser stehen. Und hat dort bis heute einen Ehrenplatz.

„In meiner langjährigen Trainerlaufbahn war der Gewinn des Merkur CUP der sportliche und vor allem der emotionale Höhepunkt“, erinnert sich der Unterhachinger an jenen 14. Juli 2001. Und es ist nicht die einzige Verbindung: Tags zuvor hatte Raiser Geburtstag (damals den 38.), und dieser Tag fiel fast alle Jahre wieder ungefähr aufs Bezirks- oder Gesamtfinale des Merkur CUP. Als Zuschauer stand Raiser an seinem Geburtstag öfters auf dem Fußballplatz, auch nach der aktiven Trainerzeit: „Ein macht halt Riesenspaß, dort diese Atmosphäre und Begeisterung mitzuerleben.“

Heuer fällt just der 50. Geburtstag punktgenau aufs Wochenende zwischen Bezirks- und Gesamtfinale, sodass Richard Raiser am heutigen Samstag in aller Ruhe feiern kann - mit 120 Gästen. Aber nächste Woche, beim Finalturnier am 20. Juli in Gaißach, mischt sich Hachings „Mister Merkur CUP“ wieder unters Publikum. Insgeheim mit einer Portion Optimismus: „Die SpVgg hat einen starken Jahrgang - ich hoffe, dass der Merkur CUP nach zwölf Jahren mal wieder nach Unterhaching wandert.“ Außer 2001 haben immer der FC Bayern (neun Mal) und der TSV 1860 (acht Mal) gewonnen.

Im Rückblick fragt sich Richard Raiser immer noch, warum es nicht schon ein Jahr früher geklappt hatte. Denn: Das 2000er-Team war enorm stark, für Hachings E-Junioren spielten damals die Bender-Zwillinge Lars und Sven, heute Fußballprofis bei Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund. „Zum Finalturnier war einer ausgefallen, der andere nicht fit“, erinnert sich Raiser. Haching musste sich mit Rang drei begnügen.

Aber ein Jahr später - dann ohne die Benders - war’s dann in Oberammergau so weit: Haching schaltete im Halbfinale den FC Bayern 2:1 aus, schlug im Endspiel den TSV 1860 mit 1:0. Davon zeugen in Richard Raisers Wohnzimmer nicht nur der mächtige Pott, sondern auch diverse Ausschnitte von Zeitungsartikeln mit Schlagzeilen wie „Haching durchbricht die Phalanx der Großen“ und ein dickes Bilderalbum, das eine Spielermutter - Margit Döllner - damals liebevoll zusammengestellt hatte. „Haching vor Bayern und Sechzig, das war die absolute Sensation“, strahlt Richard Raiser noch heute über „das größte Geschenk in meiner Trainerlaufbahn“.

Ein Jahr blieb Richard Raiser noch bei der SpVgg Unterhaching, übernahm dann den Nachwuchs des SV Pullach, feierte auch dort einen bemerkenswerten Erfolg: Die Isartaler kamen 2003 als Außenseiter bis ins Endspiel des Merkur CUP, hatten den FC Bayern besiegt, scheiterten erst an 1860 München.

Danach war Schluss mit dem Trainerjob: politisches Engagement (Raiser ist CSU-Gemeinderat in Unterhaching), Pfarrgemeinderatsmitglied in St. Korbinian, Schöffentätigkeit am Landgericht München - viele Ehrenämter neben dem Beruf. Jugendfußballtrainer? „Jucken tät‘s mich schon. Aber: Wann denn noch?“, fragt der Geburtstagsjubilar. „Wenn schon, würde ich das gescheit machen wollen.“

Ganz vom Fußball verabschiedet hat der Unterhachinger sich aber nicht. Raiser pfeift als Schiedsrichter, wacht zudem als Verbandsaufsicht für den BFV über die Ordnung auf den Fußballplätzen. Sein Eindruck im Vergleich zu 2001: „Die Kinder haben sich nicht geändert, aber das Umfeld. Eltern und Trainer sind heute viel aggressiver, da hat sich einiges gewandelt.“ Raiser findet das schade, denn zuviel psychischer Druck nehme den Kindern den Spaß am Fußball: „Wenn ein Papa seinen Bub so sehr schimpft, dass die Tränen fließen, läuft etwas falsch.“

Zu seinen Schützlingen von einst hält der jetzt 50-Jährige immer noch Kontakt, trifft sich gelegentlich im Biergarten mit ihnen oder schaut bei einem Spiel vorbei. „Die meisten sind dem Fußball immer noch verbunden“, weiß Raiser. Ein paar aus dem Merkur-CUP-Team von 2001 spielen sogar höherklassig, beispielsweise Maxi Schuster und Andreas Roth beim Bayernligisten SV Pullach. Drei der damaligen Spieler kommen heute Abend sogar zur großen Geburtstagsfeier von Richard Raiser, der 120 Gäste eingeladen hat. Ganz fußballfrei wird der 50. Geburtstag also nicht - irgendwie geht’s am Rande auch wieder um den Merkur CUP.

Martin Becker

Quelle: fussball-vorort.de

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