Auflösung des FC Starnberg jährt sich zum 20. Mal

„Das ist ja alles wie bei Real Madrid“ - Der „Tod“ des FC Starnberg

Relikte längst vergangener Tage: Einige Trikots, Stadionhefte, Vereinswimpel und Fotos sind die letzten Überbleibsel des 1992 gegründeten FC Starnberg. Exakt heute vor 20 Jahren wurde der Verein aufgelöst.
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Relikte längst vergangener Tage: Einige Trikots, Stadionhefte, Vereinswimpel und Fotos sind die letzten Überbleibsel des 1992 gegründeten FC Starnberg. Exakt heute vor 20 Jahren wurde der Verein aufgelöst.

Er hätte eine große Nummer im Amateurfußball werden sollen: der 1992 gegründete FC Starnberg. Doch legte der Fusionsverein letztlich eine ordentliche Bruchlandung hin.

Starnberg – Der 28. Juni 2001 – ein historisches Datum in der Geschichte des Starnberger Fußballs. Es ist der Tag, an dem ein erst neun Jahre altes „Kind“ mit dem Vornamen FC zu Grabe getragen wurde. Ein Projekt, das eigentlich für die große Zukunft des Fußballs in der Kreisstadt stehen sollte. Wie gesagt: eigentlich.

Das zumindest wurde dies bei der Gründung des „Fusionsvereins“ aus SpVgg und FT Starnberg am 14. März 1992 versprochen. Dass dafür die gute, alte, traditionsreiche (allerdings auch völlig überschuldete) Spielvereinigung im Jahr ihres 80. Vereinsjubiläums komplett auf der Strecke blieb, interessierte damals bis auf ein paar eingefleischte Anhänger keinen. Ein riesengroßer Fehler, wie sich Jahre später herausstellen sollte.

FC Starnberg startet mit großen Versprechungen - „Wir wollen gemeinsam ein neues Kapitel in der Fußball-Ära von Starnberg aufschlagen“

Die Versprechungen waren ebenso groß wie die angeblich hervorragenden Zukunftsprognosen („Die Summe der Erfahrung eröffnet neue Perspektiven“), als der FC Starnberg im Jahr 1992 aus der Taufe gehoben wurde. Mit Hochglanzbroschüren, Champagner und schlauen Sprüchen. „Willkommen im Club. Der FC Starnberg, ein Freund“ – unter diesem Motto stand die Neugründung. Und unter der Überschrift „Das wird“ und dem neuen Vereinslogo (ein Fußball und der Turm von St. Josef) fanden sich im Gründungs-Flyer allerlei blumige Worte und Phrasen.

Beispiele gefällig? Bittesehr: „Das ist das neue Zeichen, das neue Maßstäbe setzt. Dieses Symbol – eine Synthese von Sport und Ort – spiegelt neue Dimensionen wider. Die Darstellungs-Form der Gemeinsamkeit verbindet und verpflichtet. Sie eröffnet eine neue Vision. Den Beginn einer gemeinsamen Zukunfts-Perspektive. Die Integrität von Stadt und Sport, von Sport und Stadt symbolisiert und vertieft diese Zusammengehörigkeit.“ Interessant auch: „Die Entwicklung einer neuen Konzeption, einer neuen Vision braucht Engagement und Weitblick. Wir haben beides. Wir wollen gemeinsam ein neues Kapitel in der Fußball-Ära von Starnberg aufschlagen.“

FC Starnberg schafft es bis in die Bayernliga - „Das ist ja alles wie bei Real Madrid“

Bei so vielen schönen Worten kam Rudi Hack, der bodenständige, ehemalige Fußball-Boss der FT (im November 2007 verstorben), aus dem Staunen nicht mehr heraus: „Das ist ja alles wie bei Real Madrid“, sagte er damals. Hack bildete zusammen mit dem ersten Vorsitzenden Bernhard Ujcic, dessen Firma „System Capital“ als Trikotsponsor auftrat, Vize Helmut Valerien und Manager Dieter Kurz das erste Präsidium des damaligen Landesligisten. Als Trainer wurde Karl-Heinz Finsterer verpflichtet, mit dem der FC Starnberg gleich im ersten Jahr in die Bayernliga aufstieg. Da blieben die „Seelöwen“, wie sie später genannt wurden, unter Finsterers Nachfolger Florian Hinterberger bis 2001.

Doch dann war Schicht im Schacht. Sportlich wie finanziell. Kein Geld mehr und nach dem Abstieg keine sportliche Perspektive mehr. Das Ende des „Supervereins“ ging ziemlich unspektakulär über die Bühne. Dem Starnberger Merkur war’s nur noch eine relativ kleine Meldung wert. Überschrift: „FC Starnberg wird heute aufgelöst“. Die verbliebenen Aktiven des FCS traten zum 30. Juni wieder der FT Starnberg bei, die somit unter Trainer Klaus Brand in der Landesliga weiterspielen durfte – das endgültige Ende des Starnberger Retortenvereins war somit Realität. Eine Bruchlandung nach 20 Jahren. (Thomas Ernstberger)

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