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Der Erdinger Fußballrückblick: Quotient und andere Fußnoten

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Von: Dieter Priglmeir

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Die Überflieger: Im Jahr 2014 spielte der FC Schwaig noch in der A-Klasse. Inzwischen ist das Team Landesliga-Dritter und die Nummer eins im Landkreisfußball. archivFoto: Riedel
Die Überflieger: Im Jahr 2014 spielte der FC Schwaig noch in der A-Klasse. Inzwischen ist das Team Landesliga-Dritter und die Nummer eins im Landkreisfußball. © Riedel

Was war los im Erdinger Fußballjahr 2021. Wir haben es zusammengefasst.

Ein Name, der alle Höhen und Tiefen des Fußballjahres 2021 in einem verbindet? Wir wären für Löwandowski. Der eine war für die Tore, der andere für die Torheiten zuständig. Doch der große Profisport ist uns eh viel zu hoch, reden wir über den Landkreis-Fußball. Der war auch schon knifflig genug, hat uns eine neue Währungseinheit beschert (Quotientenregelung) und eine Fußnote an eine alte Weisheit gemacht:

Entscheidend is aufm Platz? Stimmt nicht mehr ganz (schon wieder die Quotientenregelung), aber die wirklich wichtigen Dinge passieren noch immer auf dem Rasen. Wir fassen zusammen:

Die Entscheidung am Grünen Tisch

Die Pandemie zwingt den Bayerischen Fußballverband (BFV) dazu, die Saison 2019/21 endgültig abzubrechen. In einer Abstimmung votiert die Mehrheit der Vereine – im Kreis Donau/Isar sind es sogar 77 Prozent – für den Vorschlag des BFV, die Tabelle nach der Quotientenregelung zu erstellen, wonach die Punkte in Relation mit den ausgetragenen Spielen gestellt werden. Die direkten Aufsteiger dürfen hoch, die Absteiger müssen runter. Relegationsspiele werde nicht ausgetragen. Das ist insbesondere für die jeweiligen Tabellenzweiten bitter: zum Beispiel für den FC Lengdorf, der in der Kreisliga den gleichen Quotienten wie der FC Langengeisling hat, aber im direkten Duell ein Tor weniger erzielt hat. Auch der SC Moosen hätte in der Kreisklasse gern noch den SV Walpertskirchen überflügelt. Doppeltes Pech für die DJK Ottenhofen, die mit der Ersten und Zweiten den jeweiligen Aufstieg verpasst.

Matchwinner: Der Eittinger Stefan Lex (l.) schießt das 1:0 für die Löwen im DFB-Pokal gegen den FC Schalke 04.
Matchwinner: Der Eittinger Stefan Lex (l.) schießt das 1:0 für die Löwen im DFB-Pokal gegen den FC Schalke 04. © (Simon/Imago)

Der Überflieger des Jahres

Gerade erst in die Bezirksliga aufgestiegen, geht’s im Fahrstuhl schon wieder nach oben. Zwar bedauert Wolfgang Lang etwas, dass die Entscheidung nicht auf dem Fußballplatz fällt. „Ich glaube, ganz Schwaig wäre explodiert“, meint der Fußballchef. Da weiß er aber noch nicht, welche Fußballfeste er ab August feiern darf. Der Aufsteiger rockt nämlich nach mauem Start (zwei Spiele, ein Punkt) die Landesliga, hört gar nicht mehr auf zu gewinnen und liegt zur Winterpause auf Platz drei.

Das Comeback des Jahres

31 Jahre hat der FC Langengeisling auf die Rückkehr in die Bezirksliga gewartet. Einige Väter der heutigen Mannschaft sind damals dabei gewesen, als sie sich mit einem 1:4 gegen den SV Westerndorf verabschiedet. Mit dem gleichen Ergebnis verlieren nun auch die Söhne. Das tut aber nicht ganz so weh wie die 1:5-Klatsche im Derby gegen den FC Moosinning. Dennoch steht der FCL noch vor dem Relegationsplatz – weil er auch viele Highlights hat.

Die wilden Bezirksligaderbys

Eines dieser Highlights ist der 3:2-Sieg im Derby gegen den als Tabellenführer angereisten TSV Dorfen. Schon nach einer halben Stunde führt der FCL 3:0. Die Dorfener wiederum legen im Spiel gegen den FC Moosinning gleich fünf Tore innerhalb einer Halbzeit vor. Der FCM wiederum revanchiert sich für die Klatsche, wie oben erwähnt, beim FC Langengeisling. Zudem zeigt er mit einem Sieg beim überragenden Tabellenführer VfB Forstinning, dass er den Aufstieg noch nicht abgeschrieben hat.

Nicht aufzuhalten: Andreas Voglsammer (r.) entwischt Bayern-Spieler Buona Sarr und legt das 3:1 auf.
Nicht aufzuhalten: Andreas Voglsammer (r.) entwischt Bayern-Spieler Buona Sarr und legt das 3:1 auf. © (AFP)

Das Selbstvertrauen der Aufsteiger

Die Kreisklasse-Rückkehrer SVE Berglern und TSV Isen halten in der neuen Liga gut mit. Angesichts der Leistungen im Vorjahr ist das keine Überraschung. Am meisten Freude allerdings macht der Sturmlauf des SV Walperskirchen, der in 16 Kreisliga-Spielen 43 Tore schießt und auf Platz drei überwintert. Während Tabellenführer FC Finsing – bis auf Ausrutscher gegen Kirchasch und Lengdorf – souverän durch die Liga cruist, liefert der SVW großes Spektakel: 6:0 in Kirchdorf, 7:0 und 6:1 gegen Moosburg, aber auch ein 2:3 gegen Lengdorf, das drei Elfmeter bekommt und verwandelt.

Die neue Bescheidenheit

Der FC Erding steigt aus der Kreisliga ab und geht freiwillig noch eine weitere Liga runter, weil er mit Eigengewächsen in der A-Klasse einen neuen Anfang wagen will. Für die A-Klasse entscheiden sich dann auch zwei Spieler, die deutlich höher Stammkräfte wären. Aber der Ex-Löwe und Bayernliga-Kicker Samuel Kronthaler und Kosovo-Jugendnationalspieler Leart Bilalli tragen seit dieser Saison das Dress der SpVgg Altenerding. Die Veilchen schießen danach einen Kreisligisten nach dem nächsten aus dem Pokal und führen auch unangefochten die A-Klasse 7 an. Nur gegen den alten Rivalen Türkgücü Erding kassieren sie eine Niederlage.

Das Quotientenpech der Fußballfrauen

Eigentlich sind die Fußballfrauen des FC Schwaig viel zu stark für die Kreisliga. Aber das ist die SpVgg Attenkirchen auch. Und weil nur eine Mannschaft aufsteigen darf, verharrt die Mannschaft von Manfred Buchhauser in besagter Liga. Dahin kehren auch die Bezirksliga-Absteiger SG Lengdorf/Hörgersdorf und TSV St. Wolfgang zurück, die sich am Ende des Jahres zu einer Spielgemeinschaft zusammentun. In den höhren Ligen läuft es besser. Der FC Langengeisling überwintert in der Bezirksliga ebenso an der Tabellenspitze wie der FC Forstern 2 in der BOL. Das Regionalliga-Team des FCF kämpft in der Regionalliga um den Klassenerhalt, lässt dabei zum Jahresschluss wichtige Punkte liegen.

Und was machen unsere Profis?

Der Dorfener Andreas Voglsammer hat zwar einige verletzungsbedingte Rückschläge, aber wenn er auf dem Platz steht, dann schaut dies furios aus. Auch dank seiner Freistoßtore. Beim sensationellen 3:3 von Arminia Bielefeld bei den Bayern legt er den Treffer zur 3:2-Führung auf. Dennoch wechselt er in der Winterpause zu Union Berlin, wo er auch international zum Einsatz kommt (und einen Treffer im Conference-Cup erzielt), und wo weiterhin Sebastian Bönig als Co-Trainer fungiert. Der Eittinger Stefan Lex hat mit den Löwen ein wechselvolles Jahr hinter sich. Im letzten Saisonspiel verpassen die Sechzger durch die Niederlage gegen den FC Ingolstadt die Chance auf die Aufstiegsspiele in Richtung 2. Liga. Aber der 30-Jährige ist der entscheidende Mann beim größten Erfolg des TSV 1860 in den vergangenen Jahren. Lex schießt das Goldene Tor beim 1:0-Pokalsieg über den FC Schalke 04, weshalb die Sechzger in einem Wettbewerb sind, bei dem Löw und Lewandowski nur noch zuschauen können.

DIETER PRIGLMEIR

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