SVH-Betreuerin Hannelore Weiß im Interview

"Der Verein ist eine Art Zweitfamilie für mich"

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„Die Spieler fragen auch immer, ob ich nicht mit ihnen weggehen will. Dann sag ich: Was wollt’s ihr denn mit einer Oma im Schlepptau?“

SV Heimstetten – In fast jedem Verein gibt es ein Mädchen für alles, das oft als „Betreuer“ firmiert. Dabei sind diese Menschen nicht selten Herz und Seele eines Klubs – so wie Hannelore Weiß (67) beim SV Heimstetten.

Im Interview erklärt „die Hanni“, warum sie mit „ihren Buam“ so gut klarkommt – und dennoch nie mit ihnen weggeht.

Frau Weiß, uns können Sie’s verraten: Wer hängt sich beim SV Heimstetten am meisten rein? Wessen Trikot ist hinterher am dreckigsten?

Der Memo (Memis Ünver) ist da immer vorne mit dabei, aber auch der Pauli (Sebastian Paul) ist einer, der rennt und rumpelt – und entsprechend schaut sein Trikot danach aus. Und in den letzten Spielen schmeißt sich der Daniel Steimel ziemlich oft in den Dreck.

Sehr zu ihrem Ärger? Schließlich müssen Sie die Trikots hinterher waschen...

Wenn wir in Rot spielen, geht das noch. Aber die weißen Trikots muss ich 24 Stunden lang einweichen – sonst geht das nicht raus.

Abgesehen von der Wäsche – was machen Sie sonst noch bei den Spielen?

Am Vorabend bereite ich die Getränke und das Essen vor. Außerdem bekomme ich vom Trainer eine Liste mit allen Spielern, die im Kader sind – und danach lege ich Handtücher, Trikots, Hosen und Stutzen zurecht. Allerdings hänge ich das denen nicht einzeln an den Haken, sondern das kommt auf einen Stapel. Ein bisschen was müssen sie schon selbst tun – wir sind ja nicht der FC Bayern.

Gibt es bestimmte Spleens von Spielern, die Sie beachten müssen?

Die meisten sind abergläubisch, klar. Bei unserem früheren Torwart Patrick Lehner musste ich zum Beispiel immer vorher fragen, in welche Torecke das Handtuch und die Flasche müssen – rechts oder links. Der Patrick war eh einer, der fünfzehn Minuten vor dem Spiel im Tunnel verschwunden ist – da war er nicht mehr ansprechbar.

Gibt es in der jetzigen Mannschaft Spieler, die Ihnen besonders am Herz liegen?

Zum Dominik Schmitt habe ich schon eine besondere Beziehung – auch, weil wir uns so lange kennen. Aber eigentlich habe ich zu allen ein gutes Verhältnis. Ich spreche immer von „meinen Buam“, wenn ich die Spieler meine. Und auch zu vielen Ehemaligen halte ich noch Kontakt – meistens über Facebook.

Sie sind seit 2004 Betreuerin. Wie kam es dazu?

Durch Zufall. Vor mir hat das Gustav Stoll gemacht, und als er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr konnte, habe ich das halt übernommen.

So wie immer, wenn der Verein SV Heimstetten jemanden braucht...

Man kann schon sagen, dass der Verein eine Art Zweitfamilie für mich ist. Ich bin ja 1968 nach Heimstetten gezogen; mein Mann Ludwig Weiß hat nach der Vereinsgründung zur ersten Mannschaft gehört, die damals in der C-Klasse angefangen hat.

Aber Sie selbst haben nie die Fußballschuhe geschnürt?

Doch! Von 1971 an habe ich vier Jahre lang in der Frauen-Mannschaft des SVH gespielt. Danach habe ich lange die Platzkasse gemacht, war Kassier in der Abteilung und immer zur Stelle, wenn irgendwo Not am Mann war.

Was war Ihr schönster Moment mit der Mannschaft?

Das war 2006 der Aufstieg in die Bayernliga unter Frank Schmöller. Ich werde nie vergessen, wie Anton Rappl damals bei der Feier die Rede gehalten hat. Das war so ein ganz ruhiger, der nie den Mund aufbekommen hat – und dann hat der eine Ansprache gehalten, dass es uns allen die Sprache verschlagen hat.

Sie sind bei allen Spielen dabei, opfern Ihre Freizeit für den Verein. Warum?

Weil ich so unter junge Leute komme – und das hält mich jung. Die Spieler fragen auch immer, ob ich nicht mit ihnen weggehen will. Dann sag ich: Was wollt’s ihr denn mit einer Oma im Schlepptau? Aber einladen tun sie mich trotzdem immer.

Sie sind nicht nur Betreuerin, sondern Fan, der mit der Mannschaft mitfiebert – und mitleidet. Auf wie viele Zigaretten kommen Sie pro Spiel?

So zehn werden’s schon sein...

Und in engen Spielen wie am vergangenen Wochenende gegen Kirchanschöring?

Da sind’s auch mal ein paar mehr. Da ist es schon gut, dass ich zwischendrin in die Kabine muss, wo man nicht rauchen darf.

Quelle: fussball-vorort.de

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