„Wir sind Teil der Lösung“

DFB will Amateurfußball wieder an den Start bringen – bald mit Fans

Fritz Keller (r.) glaubt: „Das Risiko ist minimal“
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Fritz Keller (r.) glaubt: „Das Risiko ist minimal“

Der DFB geht in die Offensive. Am Montag hat der Verband eine Öffnungsstrategie für den Amateurfußball vorgestellt und erhöht den Druck auf die Politik.

München/Frankfurt – Es geht um die Wurst. Um die, die am Samstag, Sonntag auf dem Grill neben dem Fußballplatz brutzelt oder unter der Woche in der Vereinsgaststätte verkauft wird. Um das Stück Kuchen zum Spiel. Um das Bier und die letzte Runde Bier. Seit Beginn der Corona-Pandemie sind, so rechnet es Leon Ries, beim DFB „Abteilungsleiter für Basisberatung und Entwicklung“ vor, in Deutschland 950.000 Fußball-Partien ausgefallen. Gekickt werden darf ja lediglich im Profibereich, „nur 0,07 Prozent unserer Vereine spielen“, sagt Verbandspräsident Fritz Keller. Und neben dem Gemeinschaftserlebnis fehlen allen, die in den Amateurfußball involviert sind, eben auch die ganz speziellen Einnahmen, die all die kleinen Vereine sich schaffen: Verkauf von Hausgemachtem, Vermietung des Geländes für Volksfeste. „Das schlägt sich alles im Budget nieder“, sagt Leon Ries.

Amateurfußball: DFB will mit Drei-Stufen-Modell zurück zu Spielen mit Fans

Trotzdem sind bisher alle halbwegs gut durchgekommen. Das zeigt eine Umfrage, die der DFB kurzfristig freigeschaltet hat und an der sich etwas mehr als 100.000 Menschen beteiligt haben. Es wird dem Fußball kaum ein Spieler verloren gehen, nur 14 Prozent der Vereine meldeten einen Schwund an Mitgliedern, in der Regel zwischen zehn und 30 Personen liegend. Und was in der kurzen Zeit im vergangenen Sommer, in dem trainiert und teils auch gespielt werden konnte, an Hygienekonzepten zur Anwendung kam, ist auch nicht als belastend empfunden worden.

Jedenfalls: Die Resultate veranlassen die DFB-Oberen, vor dem Hintergrund der leichten Lockerungspolitik im Lande, ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Die Amateure sollen wieder angreifen dürfen – sofort. Stufe eins: Trainieren. Stufe zwei: Spielen, notfalls ohne Zuschauer. Doch schon bald: Stufe drei – Rückkehr der Fans. „100 bis 200 Zuschauer sind für die meisten Vereine ein Riesenfortschritt“, sagt der für die Amateurbelange zuständige 1. DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch und stellt sich vor, wie die Kiebitze sich pandemiegerecht in Abständen hinter den Banden an den langen Seitenlinien verteilen. Der Amateurfußball solle sich gegenüber der Politik „geschlossen und kampagnenmäßig aufstellen“. Er müsse „laut und hörbar seine Stimme erheben“. Dies geschah am Montag in der Frankfurter DFB-Zentrale auf einer „sehr wichtigen Pressekonferenz“.

Wiederaufnahme des Spielbetriebs für Amateure: Keller will Spieler, Trainer und Umfeld testen

„Spätestens, wenn die Außengastronomie geöffnet wird, müssen auch Spiele wieder besucht werden dürfen“, drückt Präsident Keller aufs Tempo. Er bietet die Infrastruktur der 25.000 Vereine an, da fänden sich in jedem Club „Menschen mit medizinischen Kenntnissen“, die Tests vornehmen können. Über „Testen, Testen, Testen – nicht nur Spieler und Trainer, sondern auch das Umfeld“ werde die Rückkehr laufen, über Impfungen, über „Kontaktnachverfolgung durch Apps“.

In Anbetracht sich verbreitender britischer Virusmutationen und der Tatsache, dass der Profifußball trotz Bildung von Blasen eine weitaus höhere Inzidenz hat als der Bevölkerungsdurchschnitt, verwundert die forsche Tonalität von Keller und Koch ein wenig. Beide beziehen sich auf Universitätsstudien aus Basel und dem Saarland, wonach das Infektionsrisiko auf dem Platz „minimalst“ sei und das Drumherum (Duschen, Umkleiden, An - und Abfahrt) kontrollierbar, „weil Fußballer gewohnt sind, sich an Regeln zu halten“. Für Fritz Keller ist Fußball „kein Kontaktsport“, Koch sagt: „Wir sind keine Coronaleugner und fordern nicht die vollständige Aufhebung der Maßnahmen“, aber der Amateurfußball sei „kein pandemisches Problem, sondern Teil der Lösung. Wir haben die Diagnose – und das Rezept: Der Ball muss rollen. Die Menschen wollen nicht länger eingesperrt sein.“

DFB: Notwendige Tests muss der Staat finanzieren

Allerdings: So ganz unmittelbar kann es doch noch nicht losgehen. Die notwendigen Tests kann der DFB nicht bezahlen, die müssen vom Staat finanziert werden und erst einmal verfügbar sein. Der Fußball ist noch „im Wartezimmer der Politik“ (Koch). Außerdem droht eine dritte Welle der Pandemie, vielerorts steigen schon wieder die Inzidenzzahlen.

„Wir werden dann aber klar machen, dass das nichts mit dem Geschehen auf den Plätzen zu tun hat“, sagt Rainer Koch. Doch die regierungsseitige Vorgabe, dass ab dem Inzidenzwert von 100 die Notbremsen-Regelung gilt und wieder Lockdown-Vorgaben herrschen, wird auch der DFB in seiner gestrigen Breitbeinigkeit nicht aus dem Weg zu räumen versuchen. Fritz Keller: „Ich möchte nicht in der Haut der Politiker stecken, aber natürlich werden wir uns an den Fünf-Stufen-Plan halten und dann nicht weiterspielen.“

(GÜNTER KLEIN)

Quelle: Merkur.de

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