Saisonabbruch steht nun auch in Bayern unmittelbar bevor

DFB nach Untersuchungen der Aerosolforschung für Sport im Freien

Die Fußballsaison in Bayern steht kurz vor dem Saisoanabbruch.
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Die Fußballsaison in Bayern steht kurz vor dem Saisoanabbruch.

Nach der erneuten Verlängerung des Lockdowns steht die Saison 2019/21 auch in Bayern vor dem Abbruch. Der DFB fordert währenddessen die Rückkehr auf den Platz.

München - Das Bayerische Kabinett hat am zurückliegenden Dienstag die 12. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung in der aktuellen Fassung bis einschließlich 9. Mai 2021 verlängert, womit weitere Öffnungsschritte in den Bereichen Kultur, Gastronomie und Sport vorerst auf absehbare Zeit praktisch ausgeschlossen sind. Damit steht gemäß des vom Vorstand des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) verabschiedeten Vier-Punkte-Plans de facto auch fest, dass die aktuell aufgrund der Corona-Pandemie unterbrochene Spielzeit 2019/21 in den allermeisten bayerischen Amateurfußballligen nicht mehr zum Abschluss gebracht werden kann. Wie angekündigt, werden alle bayerischen Vereine vor der Entscheidung des Verbandsvorstands über einen Abbruch der Saison und die dabei anzuwendenden Regularien durch Einholung eines Meinungsbilds mit einbezogen. Für den Fall des Abbruchs einer Saison sehen die aktuellen Bestimmungen der Spielordnung (Paragraf 93 der Spielordnung) eine Wertung für Auf- und Abstieg nach der Quotienten-Regelung unter Wegfall der Relegationsspiele vor (siehe dazu auch Kasten auf dieser Seite). „Durch den jüngsten Kabinettsbeschluss und die sich daraus ergebende staatliche Verfügungslage ist ein flächendeckender Trainingsbetrieb ab dem 3. Mai, der notwendig gewesen wäre, um die Spielzeit 2019/21 in allen bayerischen Ligen noch einmal aufnehmen und die verbleibenden Spiele noch durchführen zu können, de facto nicht mehr möglich. Wir müssen daher nun gemeinsam mit unseren Vereinen über die Frage eines Abbruchs der Verbandsspielrunden und der dabei anzuwendenden Regularien entscheiden“, erklärt BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher, der im Präsidium für den Spielbetrieb zuständig ist. 

Der Vorstand des Bayerischen Fußball-Verbandes hatte Ende März einen Vier-Punkte-Plan für den Umgang mit der weiter wegen der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden staatlichen Verfügungslagen unterbrochenen Spielzeit 2019/21 im Herren-Bereich, die ursprünglich bis zum 30. Juni 2021 beendet werden sollte, verabschiedet. Anfang April hatte der BFV bereits den Ligapokal-Wettbewerb als Zusatzwettbewerb auf Kreis-, Bezirks- und Verbandsebene gestrichen. Den entsprechenden formellen Beschluss wird der Vorstand in seiner Sitzung am 14. April 2021 fassen und auch alle weiteren, nunmehr nach der Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung notwendig gewordenen Schritte erörtern.

DFB beruft sich auf Ergebnisse der Aerosolforschung 

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat mit großem Interesse das öffentliche Positionspapier der deutschen Gesellschaft für Aerosolforschung zur Kenntnis genommen. Darin haben führende Aerosolforscher gegenüber der Politik in Bund und Ländern angemahnt, in der Bekämpfung der Pandemie den Unterschied zwischen Aktivitäten unter freiem Himmel und in geschlossenen Räumen stärker zu beachten. Der Anteil von Infektionen im Freien liege nur im Promillebereich. 

Der DFB sieht sich in seiner Haltung bestätigt und erkennt ein weiteres Signal für den organisierten Freiluftsport. Dr. Rainer Koch, zuständiger DFB-Vizepräsident für den Amateurfußball, sagt: „Die Ausführungen der Gesellschaft für Aerosolforschung bestärken uns einmal mehr in der Position, die wir seit Monaten klar vertreten. Die Angst vor dem Amateurfußball als Corona-Treiber ist unbegründet. Das Infektionsrisiko auf dem Spielfeld unter freiem Himmel ist nach allen bisherigen Erkenntnissen und Untersuchungen minimal. Der Amateurfußball ist kein pandemisches Problem, sondern fester Teil der Lösung. Er ist wichtig für unsere Gesellschaft, er ist wichtig für die Gesundheit. Der Sport gibt Menschen Bewegung und Lebensfreude zurück, ganz besonders Kindern und Jugendlichen.“

Dr. Rainer Koch: „Der Ball muss wieder rollen“

Koch richtet mit einer deutlichen Botschaft den Blick nach vorne: „Die Diagnose haben wir, und wir haben das Rezept. Der Ball muss wieder rollen. Der organisierte Vereinssport bietet hier mit seinen Strukturen und bewährten Hygienekonzepten einen sehr wichtigen Anker, ohne pandemische Risikoquelle zu sein. Im Gegenteil: Sport unter Aufsicht muss endlich als sinnvoll und notwendig begriffen werden.“ Gegen die Krise und für den Weg zurück auf den Platz. 

Der DFB setzt sich seit Monaten intensiv für sinnvolle Verbesserungen im Sinne des Breitensports in der Pandemielage ein. DFB-Präsident Fritz Keller richtete sich mit einem offenen Brief an Bundeskanzlerin und Regierung, die Konferenz der Präsidenten aus den Regional- und Landesverbänden ging mit einem gemeinsamen Appell an die Öffentlichkeit. Jede Landesregierung erhielt Post. Einen weiteren offenen Brief adressierten Fritz Keller und Rainer Koch an die 24.500 Vereine und 7,1 Millionen Mitglieder, die unter dem Dach des DFB organisiert sind. Die Kerninhalte sind: Der Fußball unterstützt jegliche Maßnahmen zur nachhaltigen Bekämpfung der Pandemie. Der Fußball und der gesamte Amateursport können helfen. 

Wissenschaft bestätigt: Geringe Ansteckungsgefahr draußen

Ein anhaltendes Sportverbot im Verein schadet der Gesundheit – körperlich und psychisch. Das Infektionsrisiko bei Spiel und Training ist äußerst gering. Die Hygienekonzepte im Amateurfußball haben sich bewährt. Und: Der Fußball kämpft – gegen die Krise, für den Weg zurück auf den Platz. In dem Schreiben der Gesellschaft für Aerosolforschung heißt es nun: „Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Menschen sensibilisieren, dass drinnen die Gefahr lauert.“ Die Krisenkommunikation müsse sich auf diesen Umstand konzentrieren. Die begrenzten Ressourcen der Gesellschaft sollten daher auf eine Umsetzung sinnvoller Maßnahmen beschränkt werden. 

Untersuchungen bestätigen minimales Infektionsrisiko beim Freiluftsport. Das geringe Infektionsrisiko während des Fußballspielens hatte zuletzt bereits eine gemeinsame Studie der Universität des Saarlandes und der Universität Basel unterstrichen. Im Zeitraum von August bis Dezember 2020 waren mehr als 780 Partien aus Profiligen und dem Amateurbereich mit mindestens einem SARS-CoV2-verdächtigen Spieler analysiert. Ziel war – neben der Erfassung infektiöser Spielerinnen und Spieler in Spiel oder Training – eine Einschätzung des individuellen Infektionsrisikos für die Beteiligten. Dabei konnte nur in einem Fall eine Infektion mit SARS-CoV-2 während eines Spiels nicht gänzlich ausgeschlossen werden. „Diese Ergebnisse stehen auch im Einklang mit der umfangreich gesichteten internationalen Literatur, beispielsweise den kürzlich veröffentlichten Resultaten aus dem englischen Rugby“, sagte Prof. Dr. Tim Meyer, Leiter der Medizinischen Kommission des DFB, vor wenigen Wochen. 

Sehnsucht nach Rückkehr auf den Fußballplatz ist gewaltig

Aktuell ist der Trainingsbetrieb im Fußball je nach Bundesland nur sehr eingeschränkt oder zum Teil gar nicht möglich. DFB-Präsident Fritz Keller und Vizepräsident Dr. Rainer Koch hatten in einem gemeinsamen Statement Ende März erklärt: „Bei aller gebotenen Vorsicht angesichts steigender Infektionszahlen bedauern wir es sehr, dass aktuell abermals Verbote im Mittelpunkt stehen und nicht Lösungen, die Wege bieten, angemessen mit der Pandemie umzugehen. Denn die hat der Sport aufgezeigt.

Gerade der Fußball verfügt über erprobte und funktionierende Konzepte, das haben die Wochen, als in Vereinen wieder trainiert werden konnte, zum wiederholten Male unter Beweis gestellt. Wir haben auch unsere etablierten Strukturen angeboten, wenn es beispielsweise darum geht, endlich breit angelegte Testungen umzusetzen.“ Wie es dem Amateurfußball nach einem Jahr Corona geht, hat der DFB in einer großen bundesweiten Online-Umfrage ermittelt. Die Resonanz war gewaltig. Mehr als 100 000 Menschen nahmen teil, verteilt über nahezu alle Altersgruppen. Die Ergebnisse zeigen: Die Sehnsucht nach der Rückkehr auf den Platz ist gewaltig, die Herausforderungen für die Vereine sind es ebenfalls. 98 Prozent der Befragten vermissen den Amateurfußball, 96 Prozent die Aktivitäten im Verein. Besonders fehlen den Menschen die Gemeinschaft und das Gemeinschaftsgefühl (71 Prozent), noch mehr sogar als das aktive Fußballspiel selbst (68 Prozent).

(Rolf Gercke)

Quelle: Merkur.de

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