DFB-Präsident Keller: „Wertvollster Kader der Welt“

DFB-Rechnung: Die Fußball-Amateure sind 13,9 Milliarden Euro schwer

Die Umsätze der Fußball-Amateure haben DFB-Präsident Fritz Keller nach eigenen Angaben „vom Hocker gerissen“.
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Die Umsätze der Fußball-Amateure haben DFB-Präsident Fritz Keller nach eigenen Angaben „vom Hocker gehauen“.

Am Wochenende würdigt der deutsche Fußball das Ehrenamt im Amateurbereich. Der DFB legt Zahlen vor, die sogar Präsident Fritz Keller vom Hocker hauen.

  • Am kommenden Wochenende wird mit animierten Banden bei den Spielen der Profis das Ehrenamt im Amateurfußball gefeiert. 
  • Der Verband macht sich außerdem dafür stark, dasss die Ehrenamtspauschale und der Steuerfreibetrag für Vereinsmitarbeiter ansteigt. 
  • DFB-Präsident Fritz Keller lobt die Amateure als den „größten Schatz des Fußballs“.

München – Es ist Ehrenamts-Wochenende im deutschen Amateurfußball, nur kann es der Amateurfußball gar nicht zeigen, denn er ist durch die Corona-Pandemie gerade außer Betrieb gesetzt. Die Profis dürfen spielen, 1. und 2. Bundesliga, 3. Liga, die Frauen-Bundesliga. Auf den animierten Banden wird von Freitag bis Sonntag immer wieder ein „Danke ans Ehrenamt“ auftauchen.

Voriges Jahr schrieb ein Amateurfunktionär auf Facebook sinngemäß: Alles ganz nett, aber halt nur Symbolpolitik. Ihm wäre was Handfestes lieber gewesen seitens des Deutschen Fußball-Bundes, ein Tombolapaket für die Vereinsweihnachtsfeier oder für die Jugendlichen Eintrittskarten für Länderspiele. Heuer natürlich alles noch unmöglicher, aber auch grundsätzlich nicht der Weg, den der Verband gehen könne, wie sein Präsident Fritz Keller sagt: „Im Steuerrecht sind Geschenke nicht erlaubt.“

Zahlen der Amateure haben DFB-Präsident Fritz Keller „vom Hocker gehauen“

Tun will der DFB an anderer Stelle was. Druck machen, dass Ehrenamtspauschale (von 720 auf 840 Euro im Jahr) und der Steuerfreibetrag für in Vereinen Tätige (von 2400 auf 3000 Euro jährlich) steigen. Man hat neulich sogar Philipp Lahm in den Sportausschuss des Deutschen Bundestags geschickt, SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, einer der Fußballaffinen in der Politik (auch Mitglied der DFL Task Force zum Thema „Zukunft Profifußball“) versichert: „Wir machen uns Gedanken um eine Stärkung des Ehrenamts.“ Auch den Appell von DFB-Präsident Keller („Lasst die Kinder und Jugendlichen so früh wie möglich auf den Platz“) nimmt er auf. „Wir alle wünschen uns, dass die Infektionszahlen runtergehen.“

Es fällt den Amateuren schwer, stillzuhalten – schließlich sind sie die viel größere Wirtschaftsmacht im Fußball als die Profiszene. Dazu gibt es nun Zahlen, über die Fritz Keller sagt: „Sie haben mich vom Hocker gehauen.“ Zusammen mit zehn Universitäten und dem Robert Koch-Institut wurde der „Social Return on Investment“ ausgerechnet. Resultat: Die soziale und ökonomische Wertschöpfung durch den Amateurfußball betrug in der Saison 2018/19 mächtige 13,9 Milliarden Euro. Keller spürbar euphorisiert: „Das ist der wertvollste Kader der Welt, der größte Schatz des Fußballs.“

Dank Amateurfußball: 34 Millionen Euro weniger Kosten für Justiz und Strafvollzug

Wie sich die Summe zusammensetzt: 5,7 Milliarden Euro fließen direkt in die Wirtschaft. Durch den Bau von Sportstätten und Rasenplätzen und das, was die 2,2 Millionen Amateurkicker für Ausrüstung, Schuhe, Bälle, ausgeben. 5,6 Milliarden soll das Gesundheitswesen einsparen, weil die sportliche Betätigung gut ist gegen Herzkreislauferkrankungen und Diabetes, zudem auch gegen Krebs und Depressionen. Dass die Sportverletzungen allerdings auch Kosten verursachen, nämlich 42,4 Millionen, ist berücksichtigt.

Das alles hat die Sportökonomin Professorin Pamela Wicker (Bielefeld) mit anderen Wissenschaftlern errechnet. Auch die Wertschöpfung für den sozialen Bereich (2,61 Milliarden) – auf Basis statistischer Modelle soll man sogar herausfinden können, welchen positiven Effekt der Fußball auf die Kriminalitätsstatistik hat. Fast 34 Millionen Euro weniger Kosten für Justiz und Strafvollzug – weil der Ball rollt.

Grundlagenvertrag: Amateure bekommen zu wenig Geld

Ein Euro bringt zehn Euro zurück“, jubiliert Fritz Keller, der es aber in seiner bisherigen Amtszeit auch noch nicht geschafft hat, die Werthaltigkeit des Amateurfußballs im Grundlagenvertrag zwischen DFB und DFL zum Ausdruck zu bringen. Die Amateure bekommen aufgrund einer Deckelungsregel bei Weitem nicht das, was ihnen zustünde.

Es regiert der Profifußball – auch wenn er mal die Amateure rühmt.

(Günter Klein)

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