Damoklesschwert über Haching

DFL: So läuft's mit der Lizenz

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So läuft das Lizenzierungsverfahren der DFL.

Unterhaching - Dem VfR Aalen wurden in der Zweiten Liga jüngst zwei Punkte abgezogen, auch über Drittligist Unterhaching schwebt dieses Damoklesschwert. Wie es mit der Lizenzierung läuft, dürfte auch die 1860-Fans interessieren.

Klarheit wird es laut Präsident Manfred Schwabl frühestens nach Ostern geben, wenn die Entscheidung der DFL öffentlich gemacht wird. Anlass genug, an dieser Stelle Aufklärung zu betreiben. Was schreibt die Lizenzierungsordnung (LO) des Ligaverbands den Klubs eigentlich genau vor?

Die LO (im Internet in voller Länge hier abrufbar) unterscheidet bei der Lizenzerteilung nach sportlichen, rechtlichen, personellen, infrastrukturellen und medientechnischen Kriterien. So muss sich ein Klub selbstredend für die Liga qualifiziert haben, in der er in der kommenden Saison spielen will. Dazu fordert die DFL u. a. ein sicherheitstechnisch geprüftes Stadion mit beheizbarem Naturrasen und ein Jugendleistungszentrum. Für die kommende Saison 2015/16 ist in den Erstliga-Stadien zudem ein Torlinientechnologie- System vonnöten.

Letzer Zwangsabsteiger war der MSV Duisburg

Unter die personellen Kriterien fallen neben einem lizenzierten Trainerstab und qualifizierten Kräften in der Geschäftsführung auch ein Medienbeauftragter, ein Veranstaltungsleiter, ein Sicherheitsbeauftragter und ein Fanbeauftragter. Die entscheidenden Punkte finden sich in Paragraf 8 der LO, wo es um den Nachweis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, sprich Liquidität, geht. Hier liegt der Hund (das Zebra, der Löwe) begraben. „Wir dürfen nur in der Frage entscheiden, ob die Liquidität für ein Spieljahr gegeben ist – unabhängig von der Vermögenslage und der Ertragssituation des Klubs“, sagt Werner Möglich, Direktor Lizenzierung beiderDFL. Am 19.April, wird die DFL in erster Instanz über die Erteilung der Lizenzen entscheiden und den Klubs gegebenfalls Bedingungen und/oder Auflagen stellen. Bedingungen werden beispielsweise dann festgelegt, wenn die Überprüfung der Unterlagen ergibt, dass die Liquidität des Vereins nicht gesichert ist. Sind die entsprechenden Finanzierungslücken bis zum Stichtag Ende Mai nicht geschlossen, wird die Lizenz verweigert. Zuletzt passierte dies 2013 dem MSV Duisburg, der in die Dritte Liga zwangsabsteigen musste.

Etwas entspannter für die Vereine sieht es bei Auflagen aus. Hier wird die Lizenz erteilt, die betreffenden Klubs müssen an bestimmten Stichtagen während der Saison allerdings nachweisen können, dass z. B. genügend Liquiditätsreserven vorhanden sind oder die Eigenkapitalquote erhöht wurde. Letztere Auflage wurde jüngst dem VfR Aalen zum Verhängnis. Die Schwaben brachten es nach dem Ausstieg von Haupt- und Trikotsponsor Imtech im Sommer 2013 auch im zweiten Jahr nacheinander nicht fertig, ihr negatives Eigenkapital (mehr Schulden als Vermögen) zu verringern. Beim ersten Verstoß wurde eine Geldstrafe fällig, beim zweiten folgte nun der Abzug von zwei Punkten für den Konkurrenten des TSV 1860.

Rettig: Situation soll sich nachhaltig verbessern

Das Motiv der DFL liegt auf der Hand. Nur wirtschaftliche Vernunft gibt den Klubs (und dem Ligaverband) Planungssicherheit. Gerade in der Zweiten Liga sind viele Etats auf Kante genäht. „Wir wollen, dass sich die Situation nachhaltig verbessert“, sagt DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig. Laut Möglich sorge das strenge deutsche Lizenzierungsverfahren dafür, „den Spielbetrieb zu sichern, die Stabilität zu gewährleisten, die Integrität des Wettbewerbs zu erhöhen und die Qualität und damit auch die Vermarktung zu fördern“. Noch nie habe ein Bundesligist innerhalb einer laufenden Saison aus finanziellen Gründen den Spielbetrieb einstellen müssen.

Aus seinem Stolz auf die DFL-Lizenzierung macht Möglich keinen Hehl. Es gebe „viele Länder, die unser Vorgehen als Vorbild betrachten und ebenfalls anwenden wollen“, sagt der Direktor. „Es gibt allerdings auch Länder, die auf nationaler Ebene kein Lizenzierungsverfahren durchführen, darunter die Premier League und die spanische Primera Division. Andere Nationen, zum Beispiel Italien, haben zwar ein Lizenzierungsverfahren, aber offensichtlich kein werthaltiges, was aktuell das Beispiel des vor dem Konkurs stehenden AC Parma zeigt.“

lk

Quelle: fussball-vorort.de

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