A-Klassist investiert lieber in Infrastruktur

Trainergehälter „verrückt“ - Mannschaft des SV Eberfing coacht sich selbst

Spielen mit Spaß: Für die Eberfinger (in blauen Trikots, hier Sebastian Ammer am Ball im Ligapokalspiel gegen Seeshaupt im vergangenen Oktober) ist die Platzierung in der kommenden Saison nicht das Allerwichtigste.
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Spielen mit Spaß: Für die Eberfinger (in blauen Trikots, hier Sebastian Ammer am Ball im Ligapokalspiel gegen Seeshaupt im vergangenen Oktober) ist die Platzierung in der kommenden Saison nicht das Allerwichtigste.

Ein teurer Trainer für die A-Klasse? Nicht beim SV Eberfing. Vereinslegende Martin Plonner findet die Gehälter „verrückt“ und der Klub geht neue Wege.

Eberfing – Martin Plonner hat die Summen gesehen, die im Hobbyfußball aufgerufen und bezahlt werden. Hunderte Euro, die die Klubs jeden Monat an ihre Trainer überweisen, selbst unten in der A-Klasse, im tiefsten Amateurbereich. „Ich finde das verrückt, gerade in der jetzigen Zeit“, sagt die Vereinsikone des SV Eberfing, mittlerweile auch Abteilungsleiter.

Von anderen Vereinen hört man gar, dass sich Trainer ihren Lohn in der trainingsfreien Coronazeit weiter hatten bezahlen lassen. Der SV Eberfing macht bei diesem Poker nicht mehr mit und installiert ein innovatives System, das es so in der Region auch noch nicht gegeben haben dürfte: „Wir stellen selbst unsere Trainer.“ Reihum muss jeder Spieler jeweils eine Einheit aufbereiten, die jungen wie die ganz Alten – und vor allem die Oldies kommen mit den härtesten Methoden daher.

„Die können die alte Schule, das sind noch Felix-Magath-Varianten.“

Martin Plonner über das Trainingskonzept der „Oldies“ beim SV Eberfing.

„Die können die alte Schule, das sind noch Felix-Magath-Varianten“, scherzt Martin Plonner und ergänzt: „Ich nehme mich da nicht raus.“ Sein Credo nach Monaten ohne Fußball: Lieber ein bisschen mehr Gas und auf die Zunge beißen, als schleppend zum alltäglichen Programm zurückzukehren. Die Trainings in Eberfing dauern teilweise bis 2 Uhr in der Früh, wie der Top-Stürmer erklärt. „So schlecht kann’s nicht sein.“

Gewiss bestätigt Plonner, dass dieses neue System aus der Not heraus geboren wurde. Seit zwei Jahren hat der SVE keinen festen Trainer mehr. Und weil sie im Verein einfach nicht den passenden fanden, fingen sie irgendwann an, sich selbst zu trainieren. „Die Spieler müssen sich darum kümmern, das hat sehr, sehr gut hingehauen“, lobt Plonner. Auf lange Sicht hält er das zwar nicht für die beste Lösung, vor allem mit Blick auf die Entwicklung der Jungen, aber selbst die fanden den unorthodoxen Pfad des Vereins so gut, dass sie sich für eine weitere Saison aussprachen.

SV Eberfing investiert lieber in die Infrastruktur und spart das Geld für einen Trainer

Martin Plonner sind die horrenden Gehälter in der Szene schon länger „ein Dorn im Auge“, wie er betont. Beinahe jeder Klub klage über weniger Personal und wegbrechende Einnahmen. Davon unangetastet bleiben die Aufwandsentschädigungen. In Eberfing kommen zudem große Baumaßnahmen hinzu. Die Turnhalle haben sie erweitert, als nächstes ist der Trainingsplatz an der Reihe. Mit Hilfe der Gemeinde wollen sie das bestehende Spielfeld erneuern und erweitern. Bis zum Spatenstich sind zwar noch einige Dinge mit der Politik zu klären, allerdings sagt der Abteilungsleiter: „Wir sind relativ weit.“ Dafür brauche man aber jeden Euro. Also sparen sie am Coach.

Auch ohne Betreuer waren die Eberfinger aber fleißig. Den Winter über verabredeten sie sich in Zweier-Gruppen zum Laufen. So trafen und quälten sich auch einmal Spieler, die sich sonst nicht so oft begegnen. Das förderte den Teamgeist. Für den Fußball nutzte es wenig, wie Martin Plonner feststellen musste. „Dauerlauf bringt so gut wie nichts.“ Wenigstens startete der SVE zu Beginn der Vorbereitung nicht bei Null. Ohnehin haben sich die Interessen in der Mannschaft verschoben. Um die Platzierung sorgen sich die Kicker wenig. „Für ganz oben wird’s nicht langen“, schätzt Plonner. Im oberen Drittel der A-Klasse 6 dürfte der SVE gut aufgehoben sein.

SV Eberfing: Zwei Talente verstärken die erste Mannschaft

Viel wichtiger für die Eberfinger wird sein, Woche für Woche eine spaßige Truppe aufzustellen. Wegen der vielen Schichtarbeiter, Feuerwehrler und Polizisten schätzt Plonner, dass er kaum zweimal hintereinander denselben Kader aufbieten werde. „Das kann blöd laufen.“ Immerhin verstärken mit Nicolas Langenegger (sein Bruder kickt in der Landesliga beim 1. FC Garmisch-Partenkirchen) und Fabian Mayr zwei Talente die Erste Mannschaft. Mayr, ein Innenverteidiger, fiel in den ersten Tests direkt auf. Martin Plonner glaubt: „Aus dem wird was, der bringt dich sofort weiter.“ (ANDREAS MAYR)

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