1. tz
  2. Sport
  3. Amateure

Daniel Behr nach Kreuzbandriss: „Die restliche Saison kann ich knicken“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Guido Verstegen

Kommentare

Daniel Behr freut sich schon jetzt auf seine Rückkehr auf den Fußballplatz. Noch ist aber viel Spazierengehen angesagt.
Daniel Behr freut sich schon jetzt auf seine Rückkehr auf den Fußballplatz. Noch ist aber viel Spazierengehen angesagt. © Gerald Förtsch

Daniel Behr, Abwehrspieler des Fußball-Bezirksligisten FC Aschheim, ist nach einem Kreuzbandriss zum Zuschauen verdammt.

Aschheim – Er lässt sich aber auch in Corona-Zeiten nicht unterkriegen. Den FCA sieht er am Ende der Saison unter den ersten Sechs.

Herr Behr, als damaliger A-Jugendspieler haben sie sich am 10. Mai 2015 in einer Partie der zweiten Mannschaft des FC Unterföhring schon einmal eine schlimme Verletzung zugezogen.

Ja, einen Schien- und Wadenbeinbruch. Ich kann mich noch gut daran erinnern: Da kommt ein langer Steilpass, und ich mit Vollgas hinterher. Ich will gerade schießen, da erwischt mich der gegnerische Torwart mit beiden Beinen voraus - mit einem Fuß trifft er den Ball, mit dem anderen mein Bein. Im Liegen sehe ich noch, wie mein Fuß im 90-Grad-Winkel abgeknickt ist. Das war echt heftig…

Wie lange haben Sie damals pausieren müssen?

Es war zum Glück kein komplizierter Bruch, am Ende war ich knapp zwei Monate raus. Nach vier Wochen konnte ich wieder arbeiten, nach sechs Wochen wurde das Metall aus dem Bein entfernt, und zwei weitere Wochen später bin ich wieder ins Training eingestiegen.

„Vielleicht sollte ich mein rechtes Bein auch tätowieren lassen. Seitdem ich das linke Bein tätowiert habe, verletze ich mich da jedenfalls nicht mehr (lacht).“

Daniel Behr über seine Verletzung am rechten Bein.

Am 14. August 2021 lief das Ganze im Spiel gegen den SV Saaldorf (2:2) nicht ganz so glimpflich ab. Sie waren erst in der 38. Minute eingewechselt worden, in der 56. Minute passierte es dann.

Kann man wohl sagen: Mir springt der Ball einen Tick zu weit weg, der Gegenspieler ist dann auch schon da, und mein Bein gerät in der Bewegung wie in einer Schere zwischen seine Beine und knickt weg.

Sie wurden dann am 25. Oktober in der Atos Starmed Klinik in Perlach operiert – warum erst so spät?

Drei Orthopäden haben mir bestätigt, dass es kein Kreuzbandriss ist, da war ich natürlich happy. Ich habe mich aber gewundert, warum das Knie nicht abschwellt und habe zwei Wochen später ein MRT machen lassen. Die Diagnose: Riss des vorderen Kreuzbandes, Innenbandanriss und Meniskusriss – und alles erneut im rechten Bein. Vielleicht sollte ich mein rechtes Bein auch tätowieren lassen. Seitdem ich das linke Bein tätowiert habe, verletze ich mich da jedenfalls nicht mehr (lacht).

Daniel Behrs Knie kurz nach der Operation. Bis zum Comeback braucht es viel Geduld.
Daniel Behrs Knie kurz nach der Operation. Bis zum Comeback braucht es viel Geduld. © .privat

Wie ging’s weiter?

Sechs Wochen lang bin ich nur mit Krücken gelaufen, seitdem darf ich das Bein wieder annähernd voll belasten, im Januar kommt dann auch die Orthese wieder weg. In zwei Monaten schaut sich der Arzt dann noch einmal alles an und entscheidet, wie es in Sachen Muskelaufbau und Vollbelastung weitergeht.

„Ich freue mich schon auf die Jungs, wenn auch auf dem Platz am Anfang sicher eine Blockade drin ist, die Situation wird mir schon noch im Kopf rumspuken.“

Daniel Behr freut sich auf sein Comeback.

Hat Sie die neuerliche Verletzung nicht nachdenklich gemacht und Ihnen womöglich den Spaß am Fußball genommen?

Nein, auf keinen Fall. Ich fahre ja auch Motorrad – da heißt es, wenn es dich schmeißt, dann steig so schnell wie möglich wieder auf. So halte ich es beim Fußball auch und ich freue mich schon auf die Jungs, wenn auch auf dem Platz am Anfang sicher eine Blockade drin ist, die Situation wird mir schon noch im Kopf rumspuken.

Halten Sie denn im Moment Kontakt zur Mannschaft?

Klar, ich schreibe ab und zu in der WhatsApp-Gruppe mit den Jüngeren, also den Jungs in meinem Alter, außerdem zocken wir „Warzone“ oder „Call of Duty“ online.

Spielen Sie auch „Kickbase“? Das scheint der Renner in den Mannschaften zu sein.

Das machen tatsächlich sehr viele aus dem Kader, aber da kenne ich mich nicht so aus und bin nicht mit dabei.

In Ihrem ersten Jahr bei den Herren standen Sie in der Saison 2017/2018 im Kader des Regionalliga-Teams, kamen aber in der Abstiegssaison nicht zum Einsatz.

Als junger Spieler habe ich damals noch nicht so das Vertrauen gespürt, war in den Vorbereitungsspielen häufig nervös und habe dann auch Fehler gemacht. Ich habe allerdings sehr viel dazugelernt in Unterföhring und mich auch im Training krass weiterentwickelt. Ich habe dann in der zweiten Mannschaft ausgeholfen, und da hat man diese Fortschritte auch gesehen – ich war schon im Kopf einfach viel schneller.

„Im Moment habe ich ganz andere Gedanken und will erst mal wieder richtig fit werden.“

Daniel Behr über einen möglichen Wechsel.

Warum sind Sie dann zum FC Aschheim gewechselt?

In der FCU-Reserve habe ich mit vielen Kumpels zusammengespielt, das war schon klasse – aber da fehlte eben der sportliche Anreiz, ich würde mich schon als ehrgeizig bezeichnen und ärgere mich, wenn es schlecht bei mir läuft, bin aber genauso sauer auf andere, wenn die nur Larifari spielen. Und in der Ersten habe ich nichts reißen können zu der Zeit. Als der ehemalige Unterföhringer Trainer Thomas Seethaler dann nach ein paar Monaten beim SV Nord-Lerchenau zum FC Aschheim ging, hat er mich aus Unterföhring geholt. Am Ende der Saison 2018/2019 sind wir ja dann auch in die Bezirksliga aufgestiegen.

Sehen Sie Ihre sportliche Zukunft weiter beim FC Aschheim?

Die restliche Saison kann ich sicher knicken, und über einen Wechsel denke ich gerade nicht nach. Im Moment habe ich ganz andere Gedanken und will erst mal wieder richtig fit werden. Auch wenn die Kumpels aus Unterföhring schon fragen, ob ich zurückkomme, weil mein Vater da jetzt wieder Trainer ist.

Wo steht der FC Aschheim am Ende der Saison?

Ganz oben spielen wir vermutlich nicht mehr mit, dafür sind wir punktemäßig zu weit weg. Aber für einen Platz unter den ersten Sechs sollte es angesichts der Qualität in der Mannschaft sicher reichen.

Wie haben Sie persönlich denn die Corona-Zeit bisher erlebt?

Im Krankenhaus erleben wir Corona hautnah, außerdem lassen wir uns auch als geimpfte Mitarbeiter regelmäßig testen lassen: Zweimal die Woche machen wir Selbsttests, alle zwei Wochen müssen wir zum PCR-Test. Aber ich komme ganz gut klar, und ich bin mit meiner Freundin viel spazieren gegangen – so oft wie noch nie in meinem Leben.

Interview: Guido Verstegen

Auch interessant

Kommentare