Schiefgelaufene Operation ist der Auslöser

Ex-Hachinger Sandro Kaiser beendet Karriere

+
Sandro Kaiser bei einem seiner 45 Zweitliga-Spiele für die Münchner Löwen.

SpVgg Unterhaching - Sandro Kaiser debütierte mit 19 für die Löwen-Profis, galt als riesiges Talent. Jetzt, mit 26, erklärt er im Interview offiziell sein Karriereende. Die Gründe haben es in sich.

Vom 19-jährigen Zweitliga-Profi zum 26-jährigen Erstsemester-Student. Diesen Werdegang hat Sandro Kaiser hingelegt, der sich in der Saison 2009/2010 als damals 19-Jähriger in die Profi-Elf des TSV 1860 gespielt hatte. Ihm wurde eine glorreiche Karriere prophezeit, doch es kam anders. Aufgrund einer Verletzung kam er nie mehr richtig in Tritt. Über den 1. FC Heidenheim, den FSV Frankfurt und die SpVgg Unterhaching landete er bei Eintracht Bamberg.

45 Zweitliga-Pflichtspiele stehen in seiner Vita (davon 30 für die Löwen) - es wird kein weiteres dazukommen. Denn im Interview erklärt er erstmals offiziell sein Karriereende.Der heute 26-Jährige wirkt aufgeräumt beim Gesprächstermin in einem Schwabinger Café. Kaiser erklärt, was schief lief - und was er für sein neues Leben als Ex-Profi plant.

Herr Kaiser, Sie haben Ihr letztes Ligaspiel am 29. November 2014 bestritten, also vor rund einem Jahr. Sie wurden beim 1:4 des Regionalligisten Eintracht Bamberg beim FV Illertissen eingewechselt. Wird man Sie noch einmal auf dem Platz sehen?

Kaiser: Nein. Gezwungenermaßen. Meine Leiste spielt nicht mehr mit. Das ist eine sehr lange Geschichte. Es fing alles damit an, dass ich bei 1860 Probleme mit der Leiste und Adduktorenbeschwerden bekam. Ich ließ mich damals operieren. mir wurden Netze eingesetzt. Ab dem Zeitpunkt, als ich nach der OP aufgewacht bin, wusste ich, dass etwas nicht stimmte. Nach dieser OP hatte ich größere Probleme als zuvor. Das hatte mit Fußball nicht mehr viel zu tun. Ich hatte im Alltag Beschwerden. Von dem Zeitpunkt an habe ich nie mehr ein Spiel auf Profiniveau bestreiten können. Es läuft seit drei Jahren ein Gerichtsverfahren.

Gerichtsverfahren? Lief die Operation schief?

Kaiser: Ja. Über Details kann ich aber nicht sprechen, weil alles noch läuft. Das war zu 100 Prozent der Auslöser.

War die OP denn nötig? 

Kaiser:  Sie war schon nötig, wenn man sie richtig durchgeführt hätte.

Haben Sie im Alltag noch Schmerzen?

Kaiser:  Ich wurde 2013 nachoperiert, da wurden mir vier Nerven entnommen. Seitdem ist es wieder auf einem Level, bei dem es okay ist. Aber für Leistungssport reicht es nicht. Ich könnte nicht einmal jeden Tag joggen.

„Ich glaube, ich hatte ganz großes Potenzial“

Warum haben Sie sich so lange gequält? 

Kaiser: Wenn man lange Fußballer war und von klein auf begonnen hat, dauert es lange, bis man einsieht, dass es wirklich nicht mehr geht.

Wo wären Sie heute ohne diese Beschwerden?

Kaiser: Ich glaube, ich hatte ganz großes Potenzial. Zu einem durchschnittlichen Erstliga-Verein hätte ich es wohl schon geschafft. Ich war noch lange nicht fertig mit meiner Entwicklung und noch lange nicht da, wo ich hinwollte. Das ist das Schlimmste.

Es muss doch unglaublich frustrierend gewesen sein: Sie galten als junger Spieler mit riesigem Potenzial und spielten in der Zweiten Liga. Dann ging es in immer tiefere Ligen, und es reichte trotzdem nicht.

Kaiser: Ja, ich weiß aber zum Glück, woran es lag. Jedenfalls nicht an meinem Potenzial. Ich wollte unbedingt auf den Platz zurückkehren, um mir auch zu zeigen, dass ich es schaffen kann. Unter den Bedingungen hat es aber keinen Sinn und auch keinen Spaß gemacht.

So eine Leidenszeit muss sich ja auch auf den Kopf niederschlagen.

Kaiser: Selbstverständlich. Es ist zwar ein Beruf, aber es ist auch eine Leidenschaft. Und wenn man das von heute auf morgen nicht mehr wie gewohnt ausüben kann, ist es natürlich schwierig. Mein privates Umfeld hat mir damals zum Glück geholfen, sehr gute Freunde, Familie.

Was machen Sie stattdessen jetzt?

Kaiser:  Ich studiere BWL im ersten Semester an der LMU, habe im Oktober erst angefangen. Ich hatte ohnehin die ganze Zeit eine Wohnung in München. Ende Februar habe ich meinen Vertrag in Bamberg aufgelöst, seitdem wohne ich wieder so richtig hier.

Auch bei ihrem letzten Verein Bamberg in der Regionalliga war das Ende nicht so erfreulich.

Kaiser:  Ich habe sehr lange keine Gehaltszahlungen bekommen, die ganze Mannschaft nicht. Der Verein hatte finanzielle Probleme. Schon zur Winterpause haben einige Spieler den Klub verlassen, etwa Richtung Burghausen. Auch sie haben kein Gehalt mehr bekommen.

Gab es nach der Vertragsauflösung im Februar noch Anfragen? Auf Transfermarkt.de steht ja seitdem "Vereinslos" und nicht "Karriereende".

Kaiser:  Ja, die gab es, aus dem Ausland. Aus dem russischen Raum, der Ukraine etwa. Aus Ländern, in denen ich auf keinen Fall spielen wollte. Wo man in unteren Ligen bestimmt ganz gutes Geld verdient, aber für mich kam das nicht in Frage.

Wenn jetzt die Löwen anfragen würden, etwa für die zweite Mannschaft?

Kaiser:  Es geht einfach nicht. Die Schmerzen lassen es einfach nicht zu. Ich könnte nicht jeden Tag trainieren.

Über Maurer: "Gab Trainer, mit denen habe ich mich besser verstanden"

Ein Blick zurück: Wie endete damals Ihr Engagement bei 1860?

Kaiser:  Ich wurde im Januar 2012 operiert, im Sommer verließ ich dann den Verein.

Davor lief es ja auch schon nicht rund, Sie wurden nach Bielefeld verliehen.

Kaiser:  Unter Ewald Lienen lief es gut, bei Reiner Maurer nicht so im ersten Jahr. Aber wenn ich gesund war, habe ich gespielt. Es lag einfach nur an der schlecht verlaufenen OP.

Wie kamen Sie mit Reiner Maurer klar?

Kaiser:  Ich kenne nicht so viele, die gut mit ihm klar kamen. Er hat viel aus dir rausgeholt. Man muss mit dem Trainer nicht immer gut auskommen. Aber es gab Trainer, mit denen habe ich mich besser verstanden.

Im Sommer 2012 wurde dann ihr Vertrag unter Sportchef Florian Hinterberger bei den Löwen nicht verlängert.

Kaiser:  Das war lange gar nicht so klar. Und der Abgang war auch nicht wirklich nett. Ich habe relativ spät erfahren, dass mein Vertrag nicht verlängert wird. Ich war seit der Jugend beim Verein, war einer der dienstältesten Spieler. Man sieht ja auch, was sie mit Benny Lauth gemacht haben, wie es da abgelaufen ist. Das war auch nicht so nett. Sechzig macht das scheinbar oft so. Aber irgendwie mache ich den Löwen dann doch keinen Vorwurf. Meine OP war im Januar, erst im März/April im Mannschaftstraining. Es war klar, dass sie erst mal abwarten mussten, wie es läuft.

Sie haben dann in Heidenheim einen Vertrag zum Sommer 2012 unterschrieben. Und schon am 2. Juli 2012 verlautbarte, dass sie "aus persönlichen Gründen" um Auflösung des Vertrags gebeten hätten. Was steckte dahinter?

Kaiser:  Ich war drei Wochen in Heidenheim. Es war für mich nicht möglich, eine komplette Vorbereitung zu absolvieren. Mein Körper hat nicht mitgemacht.

Aber deswegen löst man doch nicht gleich den Vertrag auf.

Kaiser:  Doch doch. Das war der Grund.

Wer einen Kreuzbandriss hat, verlässt doch auch nicht gleich den Verein.

Kaiser:  Ich wollte meine Reha in einem Umfeld machen, bei dem ich sicher bin, wieder fit zu werden. Das sah ich nicht als gegeben an. Mir hat das Vertrauen gefehlt.

Kamen Sie mit Heidenheim-Trainer Frank Schmidt nicht klar?

Kaiser:  Es ist schwer, wenn man neu in eine Mannschaft kommt und sofort verletzt ausfällt. Ich war mir sicher, dass wieder alles passt und ich am Mannschaftstraining mitmachen kann. Aber bei der Intensität der Vorbereitung bekam ich wieder Schmerzen, das hatte ich nicht erwartet. Das war für mich so ein Schock, eine Überraschung, dass ich wieder am selben Punkt stehe wie ein halbes Jahr zuvor.

Dann ging es zum FSV Frankfurt.

Kaiser:  Ja, das war eine coole Sache von denen. Sie haben mich angerufen und gemeint, ich solle entspannt meine Reha machen. Wenn es klappt, kommst du vielleicht zu uns, und wenn nicht, dann ist es kein Problem. Das war unter Uwe Stöver damals, eine sehr nette Aktion.

Gereicht hat es aber nicht. Sie haben kein einziges Spiel für Frankfurt bestritten. Und es dann bei der SpVgg Unterhaching versucht. Nach eineinhalb Jahren ohne Spiel standen Sie irgendwann wieder auf dem Platz.

Kaiser:  Ich habe ein Dreivierteljahr Reha absolviert. Und alles versucht, was in meiner Macht stand, um nicht noch einmal unters Messer zu müssen. Ich musste aber doch noch einmal operiert werden. Ich habe dann bei Unterhaching den Aufbau gemacht und ein paar Spiele in der zweiten Mannschaft bestritten, aber es war nie so, dass es schmerzfrei gegangen wäre. Da kannst du natürlich keine Leistung bringen. Klar ist das schlimm. Aber was sollst du machen? Es ist ja dein Beruf. Du willst schauen, dass es wieder funktioniert. 

„Wollte das alles nie an die große Glocke hängen“

Hätten Sie rückblickend früher aufhören sollen?

Kaiser:  Mit dem Kenntnisstand von heute ja. Aber ich finde es in Ordnung so. Ich wollte für mich alles probieren.

Warum haben Sie denn nie über Ihre Probleme gesprochen? Viele dachten, es reicht einfach nicht mehr bei Ihnen.

Kaiser:  Ich wollte das alles nie an die große Glocke hängen.

Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen Mitspielern?

Kaiser:  Ja, etwa zu Benny. Mit dem Lauth Benny war ich vor etwa einem Monat einen Kaffee trinken. Von den jetzigen kenne ich gar nicht mehr so viele. Eher die Offiziellen wie Collin Benjamin oder Necat Aygün. Wen kenne ich denn noch? Vitus Eicher, Christopher Schindler, Dominik Stahl. Sehr viele sind nicht mehr da, es hat sich viel verändert.

Und zu anderen Ex-Löwen?

Kaiser:  Ja, viel zu Philipp Hosiner, der jetzt in Köln spielt, ihn habe ich vor ein paar Wochen besucht. Außerdem zu Manuel Schäffler, der jetzt bei Holstein Kiel spielt. Mit den beiden bin ich richtig dicke. Da sind Freundschaften entstanden.

Sie haben noch einen der größeren Spielerskandale der jüngeren Löwen-Vergangenheit mitbekommen - als Savio Nsereko erst spurlos verschwunden war und in England gewesen sein soll. Und dann beim Trinken im 8Seasons mit Mate Ghvinianidze fotografiert wurde.

Kaiser:  Es war einiges los bei uns damals. Die Disco-Sache wurde schon arg aufgebauscht. Dass sie an dem besagten Tag auch unterwegs waren, als sie fotografiert wurden, das ist klar. Dass er dann verschollen ist, war schon extrem überraschend. Aber man hatte ja ein paar andere Sachen zuvor mitbekommen. Er hatte von Anfang an einen schweren Stand. Der Trainer hat damals erklärt, er sei nicht da. Es wusste ja keiner, wo er ist.

Fiebern Sie heute noch mit den Löwen mit und gehen ins Stadion? 

Kaiser:  Auf jeden Fall. Als sie in der Relegation gespielt haben, da war es Herzrasen pur. Ich habe mein halbes Leben bei den Löwen verbracht.

Wie sehen Sie die Löwen heute?

Kaiser:  Die Qualität ist schon gesunken. Als ich damals noch gespielt habe, waren eigentlich nur Erstliga-Spieler im Team. Verrückt, wo die jetzt spielen. Man hat Reiner Maurer damals auf Platz 6 entlassen. Und wo steht der Klub jetzt? Außerdem stimmt heute die nötige Mischung nicht, aus alten Spielern, die den Ton angeben, und jungen. Ich hoffe, dass es für den Klassenerhalt reicht. Für den Abstieg ist die Mannschaft eigentlich zu gut.

Welchen Rat würden Sie heute einem jungen, aufstrebenden Löwen wie Marius Wolf geben?

Kaiser:  Marius Wolf finde ich richtig stark. Er hat riesiges Potenzial und trifft auch die Kiste. Meine Tipps: geduldig sein, die Zeit wird kommen. Den Leistungssport leben, gesund bleiben, ein gutes Umfeld haben.

Sie studieren BWL. Sieht man Sie eines Tages vielleicht doch wieder bei den Löwen? Leute, die mit Zahlen umgehen können, kann man dort ja bestimmt immer wieder gebrauchen.

Kaiser: (lacht) Ich hoffe es. Ich will auf jeden Fall etwas im Fußball machen. Ob es beruflich ist oder nicht. Ich kann mir so etwas vorstellen.

Quelle: fussball-vorort.de

auch interessant

Meistgelesen

Franz Rathmann vor Wechsel in die Landesliga
Franz Rathmann vor Wechsel in die Landesliga
Beierkuhnlein: "Wollen endlich die Bayernliga-Meisterschaft holen"
Beierkuhnlein: "Wollen endlich die Bayernliga-Meisterschaft holen"
Marinovic: "Ich will mit Haching den Aufstieg schaffen"
Marinovic: "Ich will mit Haching den Aufstieg schaffen"
Ex-Hachinger Baum über neue Aufgabe: "Bundesliga war immer mein Traum"
Ex-Hachinger Baum über neue Aufgabe: "Bundesliga war immer mein Traum"
<center>Baby-Rassel aus Holz</center>

Baby-Rassel aus Holz

17,50 €
Baby-Rassel aus Holz
<center>HEILAND Doppelbockliqueur</center>

HEILAND Doppelbockliqueur

25,50 €
HEILAND Doppelbockliqueur
<center>Magnet mit Kuhflecken</center>

Magnet mit Kuhflecken

3,95 €
Magnet mit Kuhflecken
<center>Fackeln aus Recyclingwachs (3 Stück)</center>

Fackeln aus Recyclingwachs (3 Stück)

8,90 €
Fackeln aus Recyclingwachs (3 Stück)

Kommentare