DFB-Trainer und Coach des FC Pipinsried im Portrait - Ungeschlagen nach dem Abstieg

Fabian Hürzeler: Sein Aufstieg nach dem Fall

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Fabian Hürzeler stieg im Sommer ab: „Ich habe es nicht geschafft, ein Team zu formen.“

Wer verstehen möchte, warum der FC Pipinsried ungeschlagen auf Platz eins steht, muss mit Fabian Hürzeler über seine schwerste Zeit sprechen. Im Sommer stieg seine Mannschaft ab.

von Christoph Seidl

Als Spieler ist Fabian Hürzeler an einem Rückschlag zerbrochen. Es ist der letzten Tag der Vorbereitung mit der TSG Hoffenheim im Sommer 2013. Hürzeler sitzt in seinem Hotelzimmer. Zwischen all der Sportwäsche, die er zum Trocknen aufgehängt hat. Er muss nachdenken. Über den Moment im Bus, als ihn Trainer Markus Gisdol nach vorne geholt hat, um ihm mitzuteilen: Du hast in der Vorbereitung gut trainiert. Aber ich kann dich als Spielertyp nicht gebrauchen. „Ich musste zur zweiten Mannschaft. Nach diesem Moment bin ich in ein Loch gefallen. Danach habe ich auf dem Platz nie mehr meine Leistung gebracht. Je mehr ich nachgedacht habe, desto schlechter wurde ich“, erinnert sich der 26-Jährige.

Fabian Hürzeler hat seine Spielerkarriere aufgegeben. Weil er seine Zukunft als Trainer sieht. Er kennt die Schlagzeilen im Internet: Hürzeler gilt als Trainer-Supertalent, mit Parallelen zu Julian Nagelsmann. Mit 24 Jahren führte er den FC Pipinsried zum Aufstieg in die Regionalliga und packte den Klassenverbleib. Seit 2018 ist er Co-Trainer in der Jugend des DFB.

Als Spieler sang- und klanglos gescheitert

Doch Fabian Hürzeler hat Angst vor diesem Hype. Er hat ihn schon einmal erlebt. Als Jugend-Spieler beim FC Bayern, als ihm neben Emre Can eine große Karriere prophezeit worden ist. „Meine größte Angst ist, dass ich den gleichen Fehler wieder mache. Als Spieler habe ich oft einen Schritt weiter gedacht, bevor ich etwas geleistet habe. Am Ende bin ich sang- und klanglos gescheitert.“

Fabian Hürzeler war in den Jugendmannschaften des FC Bayern Kapitän.

Seinen Ehrgeiz hat Hürzeler nie verloren. Als er in der vergangenen Saison mit dem FC Pipinsried gegen den Abstieg kämpfte, sprach Hürzeler in einem Interview über seine Ziele als Trainer: „Ich möchte einmal als Trainer eine Mannschaft in der Champions League trainieren.“ Ein Zitat, das ihm um die Ohren flog. Gerade weil er in dieser Spielzeit mit einem Kader abstieg, der von der Qualität her den Klassenerhalt in der Regionalliga hätte packen müssen. „Ich stehe zu diesem Satz. Ich finde es sehr wichtig, sich in seinem Leben Ziele zu setzen. Aber ich werde als Trainer nicht mehr den gleichen Fehler machen wie als Spieler. Ich denke nicht darüber nach, welcher Schritt der nächste sein soll“, sagt Hürzeler.

Für Fabian Hürzeler zählt nur der Moment. Als Trainer will er mit Leidenschaft die aktuelle Aufgabe angehen. Wer verstehen möchte, warum der FC Pipinsried ungeschlagen auf Platz eins der Bayernliga steht, muss mit Fabian Hürzeler über seine schwerste Zeit sprechen. Im Sommer stieg erst seine Mannschaft aus der Regionalliga ab. Dann ging die Beziehung zu seiner Freundin in die Brüche. „Sie hat mich sehr geprägt und dafür bin ich ihr dankbar. Das war nicht leicht für mich“, sagt Hürzeler. Doch im Vergleich zum Tiefpunkt seiner Spielerkarriere, ist Fabian Hürzeler an diesen Rückschlägen nicht zerbrochen. Sie haben ihn stärker gemacht: „Das alles hat mich als Persönlichkeit entwickelt“, betont Hürzeler.

Fabian Hürzeler: „Kritisches Feedback ist positiv, weil dich jemand besser machen möchte.“

Wer fällt, braucht im Leben Menschen, die einem dabei helfen wieder aufzustehen. Fabian Hürzeler hatte seine Eltern. Sie sind auch seine größten Kritiker, speziell seine Mutter. „Kritik tut weh. Keine Frage. Aber meine Mutter hat immer zu mir gesagt: Kritisches Feedback ist positiv, weil dich jemand besser machen möchte.“ Fabian Hürzeler erzählt von einer wichtigen Mail in seinem Leben, die ihm sein DFB-Kollege Thorsten Effgen geschrieben hat: „Fabian, du hast sicher Fehler gemacht. Aber du bist noch jung. Das wird schon. Gehe deinen Weg weiter.“ Nicht die aufmunternden Worte waren für Hürzeler entscheidend, sondern dass Effgen Kritik geübt hat. Auch sein Freund Hannes Winzer und sein Mentor Meikel Schönweitz sagten ihm, dass der Rückschlag in seiner Trainer-Karriere zum richtigen Zeitpunkt kommt. „Es hört sich verrückt an. Aber ich bin dankbar für den Abstieg. Viele zeigen in solch einem Moment mit dem Finger auf andere und sagen: Der war schuld. So bin ich nicht. Ich war der Hauptschuldige, weil ich es nicht geschafft habe, ein Team zu formen“, betont Hürzeler.

„Ein richtig guter Spieler zeichnet sich dadurch aus, dass er die Spielstruktur beibehält, wenn es schlecht läuft“, betont Fabian Hürzeler.

Als Trainer musste er nach dem Abstieg lernen, dass bei der Zusammenstellung einer Mannschaft Mentalität und Charakter wichtiger sind, als die Qualität eines Spielers. Nach dem Klassenerhalt im Jahr nach dem Aufstieg wollte er das Team weiterentwickeln. „Wir wollten das Spiel bestimmen und haben dementsprechend die Spieler eingekauft. Ich wollte eine Philosophie durchdrücken. Das war naiv und hat sich in der Liga brutal gerächt“, erzählt Hürzeler. Am meisten kreidet er sich an, dass er es nicht geschafft hat, eine Mannschaft mit einem Gerüst zu formen, in der jeder Spieler für den anderen gelaufen ist. „Viele Spieler glänzen, wenn es gut läuft. Aber ein richtig guter Spieler zeichnet sich dadurch aus, dass er die Spielstruktur beibehält, wenn es schlecht läuft.“

Tipps von Ex-Bayern-Co-Trainer Peter Hermann: So hat Jupp Heynckes das Triple geholt

In dieser schweren Zeit erkannte Hürzeler, in welchem Bereich er sich als Trainer weiterentwickeln muss: „Die Menschenführung entscheidet am Ende über den Erfolg. Hier habe ich noch am meisten Luft nach oben. Als Trainer musst du eine Mannschaft formen, die für dich durchs Feuer geht.“

Hürzeler erzählt von zwei Schlüsselmomenten. Beim DFB erlebte er Thomas Nörenberg, die rechte Hand von Horst Hrubesch. Der DFB-Nachwuchs musste gegen Portugal ran. Dort standen Spieler wie João Félix im Kader. „Wir hatten viele Ausfälle und keine Innenverteidigung. Die Mannschaft von Portugal hatte einen Marktwert von 220 Millionen. Aber Nörenberg hat in zehn Tagen ein brutales Team geformt. Dabei hat er nichts anderes gemacht, als mit den Spielern zu sprechen.“ Auch Peter Hermann erzählte Hürzeler, wie sie es beim FC Bayern geschafft haben, dass die Spieler in der Triple-Saison für Jupp Heynckes durchs Feuer gegangen sind: „Heynckes hat immer wieder mit ihnen gesprochen. Ribéry und Robben haben in dieser Saison verteidigt. Das hätten sie nicht für jeden Trainer gemacht. Aber das war der Schlüssel zum Erfolg.“

Der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte: Fabian Hürzeler packte mit dem FC Pipinsried als Spielertrainer den Aufstieg in die Regionalliga und anschließend den Klassenverbleib.

Dankbar für die negative Erfahrung

Gemeinsam mit Teammanager Roman Plesche hat Hürzeler im Sommer 17 neue Spieler geholt. Er wollte mit jedem persönlich sprechen. Er wollte Spieler treffen, denen das Team wichtiger ist, als der individuelle Erfolg. „Mir hat ein Spieler gesagt, dass er zehn Tore schießen will. Bei diesem Gespräch hatte ich Kopfschmerzen. Der Spieler hat Ehrgeiz. Aber für ihn wäre eine 2:3-Pleite nicht so schlimm, wenn er beide Treffer erzielt hat“, betont Hürzeler. Nach dem Abstieg hat er mit seinem Trainer-Kollegen Muriz Salemovic ein Team entwickelt, das bisher ungeschlagen ist. Heute kann Hürzeler sagen: „Ich bin dankbar für die negative Erfahrung. Wenn alles positiv läuft, bleibt man auf der Stelle stehen.“

Text: Christoph Seidl

Quelle: Merkur.de

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