„Corona ist nicht gerecht“

SV Polling: Färber bewältigt viele Stolpersteine - „Corona ist nicht gerecht“

Wahrlich Grund zur Freude: Der 3:0-Sieg der Pollinger im Oktober 2020 gegen Uffing war von entscheidender Bedeutung. Damit schafften sie aufgrund der Quotientenregelung den Klassenerhalt, Uffing stieg hingegen ab.
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Wahrlich Grund zur Freude: Der 3:0-Sieg der Pollinger im Oktober 2020 gegen Uffing war von entscheidender Bedeutung. Damit schafften sie aufgrund der Quotientenregelung den Klassenerhalt, Uffing stieg hingegen ab.

Robert Färber hatte keine leichte Saison mit dem SV Polling. Jetzt geht er es vorsichtig an. Den Abstieg des SV Uffing findet er nicht gerecht.

Polling – Als Robert Färber über die neue Saison sprechen will, führt er einen erst einmal quer über den Fußballplatz in Polling. Hin zu den neuen Prunkstücken. Zwei Holzbänke – überdacht, geräumig und frisch gestrichen – stehen am Rand des Rasens. „Wir hatten ja Zeit“, scherzt er. Am 8. August weiht der Klub sie ein, gleich mit einem Derby gegen Peißenberg in der Kreisliga.

Eine Woche später als der Rest startet Polling. Färber, der Trainer, sagt, er hätte gern eher losgelegt. Aber was soll er machen? In zwei Jahren als Coach des SVP ist er mit viel größeren Stolpersteinen fertig geworden. Die Umgruppierung in die Kreisliga 1, die vielen Verletzten, der verpatzte Start, die Gegentore. Manchmal wirkte es, als versuchte eine geheime Macht alles, um Färbers Mission in Polling zu torpedieren. Umso bemerkenswerter klang die Schlusskadenz: Mit einem 3:0-Erfolg über Uffing sicherte sich das Team den Klassenerhalt. Natürlich stellte sich das erst hinterher, nach dem Corona-Abbruch heraus und fügte sich somit glänzend in dieses Karussell an Unplanbarkeiten ein. „Corona ist nicht gerecht“, sagt Robert Färber über den Abstieg der Uffinger. Wenigstens einmal hat seine Mannschaft auch mal Glück gehabt.

Kurz hat Robert Färber überlegt, wie es denn weitergeht. Zweimal hat er seine Mannen auf eine Runde vorbereitet, die relativ bald wieder abgebrochen worden war. Soll er sich dieser Gefahr wieder aussetzen? Er beschloss aber schnell: „Aufhören ist keine Option. So wollte ich nicht abgehen.“ Sein Plan sah einmal vor, zwei bis drei Spielzeiten in Polling zu verbringen. Konnte ja keiner wissen, dass die erste Saison sich schon über zwei Jahre erstreckt. Intern tun sie alles, dass dieses Virus nicht ein weiteres Mal ihr liebstes Hobby kappt. 75 Prozent des Teams sind bereits geimpft. „Das schützt die Gemeinschaft“, sagt der Trainer. Eine bessere Versicherung gegen das Virus gibt es derzeit nicht.

Trotz der Corona-Zäsur hat sich beim SVP wenig verändert. Alle Fußballer meldeten sich wieder einsatzbereit. Manche wie Philip Schöttl, die vor der Pandemie stark eingespannt waren, haben nun sogar mehr Zeit. Schöttl, lobt sein Trainer, hat bisher jede Einheit mitgemacht. Nur Co-Trainer Ludwig Huber, Färbers Mitstreiter aus Raistinger Zeiten, hat aufgehört. Zwei Kinder und der Trainerschein fordern den einstigen Top-Stürmer. „Tut schon weh, er hat mir einiges abgenommen“, sagt Robert Färber. Andererseits ist er’s ja gewohnt, selbst in Raisting lief es nicht anders. Außerdem gebe es in Polling ein honoriges Umfeld, das bereitwillig seine Hilfe anbietet. „Einer ist immer da.“

Der Coach hat ein Vorbereitungskonzept ausgearbeitet, das sich wesentlich von anderen Jahren unterscheidet. Man müsse mit Hirn rangehen. „Du kannst nicht voll reinklotzen.“ Im Juni verzichtete er komplett auf Testspiele. Färber fährt die Belastung sukzessive hoch. Mit mehreren Physiotherapeuten der Region hat er sich ausgetauscht, sie bestätigten einen subjektiven Eindruck: Muskelverletzungen haben sich gehäuft, wahrscheinlich weil viele nach der langen Pause übermotiviert oder unfit einstiegen. Das passiert den Pollingern nicht. In Testspielen setzt Färber 17, 18 Kicker ein, dosiert die Einsatzzeiten. „Im Wettkampf gehst du immer voll hin“, weiß er.

Man muss dazu sagen, dass sich Polling das auch erlauben kann mit einem Kader von 20 Mann auf Kreisliga-Niveau. Das ist Pollings Plus. Aber selbst die haben dazulernen müssen, dass Kreisliga nicht gleich Kreisliga ist. In der West-Gruppe, so Färbers Eindruck, habe man sich mit fußballerischen Mitteln durchsetzen können. In der Ost-Staffel, die bis zum Tegernsee reicht, komme es dagegen auf Athletik und Körperspiel an. „Das war schon eine Umstellung.“ Sie haben sich daran gewöhnt, oder besser: gewöhnen müssen. Auf einmal klappte das mit schönem Offensivfußball nicht mehr wie früher. Die Gegentreffer häuften sich, Färber verordnete einen Systemwechsel. Auch künftig wird defensiver gespielt. Experimente gibt es keine. Eine Fünferkette, wie sie die Deutschen bei der EM probierten, „fangen wir sicher nicht an“, witzelt Färber. Als Ziel haben sich die Pollinger einen Rang im Mittelfeld gesetzt, eine „sorgenfreie Saison“, wünscht sich ihr Coach. Danach könne man sich ja anders orientieren. Das Potenzial für mehr „ist da“, glaubt der Trainer – vorausgesetzt, ein paar Neue kommen noch. Werben werden sie nicht beim SVP. „Mit was kann ich auch locken?“, fragt Färber. So ein Projekt muss langsam und organisch wachsen. Spieler für Spieler. Bank für Bank.

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