Der Bayernliga-Zweite hofft, dass er trotz Abbruch in die Regionalliga aufsteigen darf

Deisenhofens Aufstieg hängt vom Votum der 4600 Vereine ab

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Warten auf die Abstimmung. Deisenhofens Coach Hannes Sigurdsson wünscht sich den gerechten Lohn. „Den zweiten Platz zu schaffen, war extrem harte Arbeit über zwei Jahre.“

Was man selbst zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte beitragen konnte, hat man beim FC Deisenhofen wohl getan: Der Bayernliga-Aufsteiger stünde unter normalen Umständen als Tabellenzweiter auf dem Sprung in die Regionalliga-Relegation. Doch bekanntlich ist die Lage alles andere als normal. Und so kann der FCD nach dem Abbruch der zunächst verlängerten Corona-Saison 2019/21 den Aufstieg nicht aus eigener Kraft schaffen, er ist auf andere angewiesen.

Deisenhofen– Auf viele andere, denn der Bayerische Fußball-Verband (BFV) stellt seine Vereine von heute bis kommenden Dienstag online vor die Wahl von zwei Wertungsalternativen: Entweder den „Auf- und Abstieg nach Quotientenregelung unter Wegfall der Relegationsspiele“, was den Verbleib der auf den Relegationsplätzen liegenden Teams in ihren derzeitigen Spielklassen bedeuten würde, oder die Variante „Nur Aufsteiger, keine Absteiger“, die dem FCD als Tabellenzweitem den direkten Weg nach oben eröffnen würde.

„Bei 4600 Vereinen gibt es wenig, was ein einzelner Verein machen kann“, weiß Coach Hannes Sigurdsson, wie sehr seine Deisenhofner von dem Votum aller anderen, egal in welcher Region und Spielklasse aktiven Klubs abhängig sind. Doch er setzt auf Solidarität: „Ich hoffe, dass die Vereine zusammenhalten. Wir können nur mit den Nachbarvereinen reden und ich habe den Eindruck, sie stimmen für den Aufstieg des Zweiten.“ Dabei glaubt der Isländer an einen ähnlichen Schulterschluss auch in anderen Ecken des Freistaats: „Ich bin Optimist.“

Gleichwohl hätte man sich beim FCD ein etwas differenziertere Vorgehen des BFV gewünscht. „Vielleicht hätte man die Befragung aufteilen und zum Beispiel Regionalliga, Bayernliga und Landesliga als Verbandsligen zusammenfassen sollen, darunter die Bezirke, eventuell mit der Kreisliga, und dann noch die unteren Klassen ab der Kreisklasse“, sagt Manager Franz Perneker, der aber einräumt, dass auch solch ein Vorgehen Probleme mit sich brächte: „Natürlich weiß man dann aber auch nicht: Wie passt es mit den Ligen? Da fehlt mir der Überblick.“ Und noch eines ist Perneker klar: „Gerecht werden wir es nicht hinbringen.“

Sigurdsson wünscht sich aber genau diesen gerechten Lohn für sportliche Leistung: „Den zweiten Platz zu schaffen, war extrem harte Arbeit über zwei Jahre. Wir haben uns die Chance mindestens auf ein Relegationsspiel verdient, und wenn das nicht geht, auf die Variante mit zusätzlichem Aufsteiger.“

Bereit wäre der FC Deisenhofen jedenfalls für die Regionalliga. Denn nicht nur die Mannschaft hat schwer für dieses Ziel geschuftet, auch die Verantwortlichen und viele Unterstützer des Vereins. „Es ist klar, dass wir in die Regionalliga wollen. Wir haben alle Unterlagen zur Lizenzierung fristgerecht abgegeben, aber noch keine Rückmeldung bekommen“, erzählt Perneker. Viele Leute hätten dafür insgesamt „Hunderte von Stunden“ investiert, auch er selbst: „Ich habe in den letzten zwei Monaten in meiner Freizeit kaum etwas anderes gemacht.“ Organisatorisch stehe man somit in den Startlöchern, sobald es doch noch Grünes Licht für die vierthöchste Spielklasse gebe: „Die Baumaßnahmen stehen noch an. Die mobile Tribüne stellen wir auf jeden Fall auf, beim Rest warten wir, ob wir Regionalliga spielen werden, denn für die Bayernliga brauchen wir keinen Gästeblock.“

Sportlich sei man laut Perneker ohnehin gerüstet: „Der Kader steht im Großen und Ganzen, unabhängig von der Liga. Alle Leistungsträger von Torwart Enrico Caruso bis Torjäger Michael Bachhuber bleiben.“ Man setzt, wie gewohnt, auf personelle Kontinuität beim FCD. „Über 90 Prozent des Kaders wird mit dem in der Landesliga und Bayernliga identisch sein“, so Sigurdsson. Eine Ergänzung sei im Aufstiegsfall aber unbedingt vorgesehen, ergänzt Perneker: „Die Aufgaben in der Regionalliga werden mehr, man muss breiter aufgestellt sein. Deshalb suchen wir vor allem einen spielenden Co-Trainer, der Sigurdssons verlängerter Arm auf dem Spielfeld sein soll.“ Mitte nächster Woche werden die Deisenhofner voraussichtlich wissen, ob sie diese Personalsuche vorantreiben müssen.

Quelle: Merkur.de

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