Interview

„Und jetzt noch ein Vulkan-Ausbruch...“

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Was sind das nur für Zeiten: Deisenhofens Trainer Hannes Sigurdsson. 

DeisenhofenWie alle Fußballlehrer weiß auch Hannes Sigurdsson, 36, Trainer des Bayernliga-Dritten FC Deisenhofen, nicht, wie und wann es im bayerischen Spielbetrieb weitergeht. In Zeiten der sich weiterhin dynamisch entwickelnden Lage rund um das neuartige Corona-Virus sind auch gemeinsame Trainingseinheiten kein Thema mehr, doch topfit sollen sich seine Fußballer trotzdem halten, wie der 13-fache isländische Nationalspieler im Gespräch mit unserer Zeitung verrät.

Wann hat sich Ihre Mannschaft letztmals getroffen?

Wir hatten nach dem letzten Spiel (am 7. März zum Start ins Frühjahr das 2:7 zuhause gegen Tabellenführer Pipinsried - d. Red.) noch einen Termin draußen, aber mit gutem Abstand zwischen den Spielern. Jetzt hat aber jeder seinen eigenen Trainingsplan. Die Spieler halten sich alleine fit, es gibt da eine App, mit der man das kontrollieren kann.

Heißt das, sie joggen?

Ja, aber sie sollen in einem Tempo laufen, wie es im Fußball wäre. Es gibt zwar momentan Wichtigeres als Fußball. Aber wenn es wieder losgeht, sind wir fit. Fit for Fight.

Glauben Sie an eine Saisonfortsetzung?

Das ist schwierig zu sagen. Ich bin Optimist, aber wann und wie es weitergeht, ist die Frage. Vielleicht ist es Ende April möglich. Aber natürlich hätten die Leute dann auch in der Arbeit viel nachzuholen. Da ist es unwahrscheinlich, dass man englische Wochen spielen kann.

Ihr Team liegt als Aufsteiger momentan auf dem dritten Rang, knapp hinter dem Relegationsplatz zur Regionalliga. Falls die Saison tatsächlich nicht fortgeführt werden kann: Wie sollte gewertet werden?

Wir sind zwar Dritter, aber wir haben ein Spiel weniger gespielt und haben nur zwei Punkte Rückstand auf Platz zwei. Ich denke, wenn man abbricht, sollte man die Tabelle nach einer halben Saison werten, denn da hat jeder gegen jeden einmal gespielt (In einer solchen Wertung wäre der FC Deisenhofen Vierter - d. Red.). Aber was dann passiert, ob es keinen Aufsteiger und keinen Absteiger gibt, das weiß ich nicht. Da haben alle Fußballverbände weltweit jetzt ihre Sorgen. Im Amateurbereich ist das noch weniger schwierig als bei den Profis, wo viel Geld im Spiel ist.

Wie würde denn im Moment Ihr Fazit zu Ihrem Team lauten?

Ich bin sehr zufrieden, auch wenn das Gefühl nach dem letzten Spiel vielleicht anders ist. Ein solches Spiel wie dieses 2:7 kann alle zwei Jahre passieren. Es war aber doch ein bisschen zu viel. Aber insgesamt war es gut bisher.

Wie verbringen Sie momentan Ihre Zeit?

Ich arbeite in einem Fitness-Studio in Schwabing, das hat natürlich zu. Doch es gibt auch so genug zu tun, das ist gut so. Wir dürfen zu fünft gleichzeitig dort arbeiten. Trainieren dürfen wir aber nicht.

Wie beschäftigen Sie sich im Moment mit Fußball? Es gibt ja auch keine Profi-Spiele im Fernsehen.

Gottseidank kann man alte Spiele anschauen, und es gibt viele interessante Bücher und Podcasts für die Fußballverrückten.

Niemand kann derzeit vorhersagen, wie lange diese Krise anhält. Ist da eine Planung für die neue Saison derzeit überhaupt möglich?

Wir haben schon mit der Planung angefangen. Bei uns geht es, denn wir brauchen sowieso keinen Spieler von außen. Es werden zwei, drei Leute aus der A-Jugend dazukommen. Und die meisten bleiben. Nur Tobi Nickl ist zur Zeit für ein Semester in den USA. Ende Mai kommt er wieder. Das hat er sehr gut geplant: Er hat nur ein Spiel versäumt.

Wie verhalten Sie sich im privaten Bereich?

Ich halte mich an die allgemeinen Ratschläge, wie zum Beispiel: viel Hände waschen. Du kannst versuchen, vernünftig zu sein, aber was kommt, das kommt. Zum Glück ist es für Kinder und schwangere Frauen offensichtlich nicht gefährlich, denn ich habe zwei Kinder und das dritte ist unterwegs.

Haben Sie Kontakte nach Island, Ihrer Heimat? Wollten Sie dorthin reisen?

Ich kenne natürlich noch einige Leute in Island, aber meine Familie ist hier. Ich habe nicht überlegt, dorthin zu fliegen, denn man würde zwei Wochen in Quarantäne kommen. Und dann triffst du sowieso keinen.

Wie ist die Situation dort?

Es geht in Richtung Ausgangssperre, aber nicht total. Es gibt um die 300 Fälle, glaube ich, für ein kleines Land ist das schon viel. Und dazu kommt: Der Winter war schon der schlechteste seit 100 Jahren, mit einem Sturm nach dem anderen. Es würde mich nicht wundern, wenn demnächst noch einer unserer Vulkane ausbrechen würde.

Das Gespräch führte
Umberto Savignano.

Quelle: Merkur.de

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