Tor in der 93. Minute entscheidet über Aufstieg

FC Langengeisling: Rückkehr in die Bezirksliga nach 31 Jahren perfekt

49 Mal Torjubel: Der FC Langengeisling stellte den besten Angriff der Kreisliga. Hier bejubelt das Team den Führungstreffer von Chris Gerbl (3. v. r.) gegen den FC Lengdorf. Es war der Auftakt der erfolgreichen Aufholjagd.
+
49 Mal Torjubel: Der FC Langengeisling stellte den besten Angriff der Kreisliga. Hier bejubelt das Team den Führungstreffer von Chris Gerbl (3. v. r.) gegen den FC Lengdorf. Es war der Auftakt der erfolgreichen Aufholjagd.

Der FC Langengeisling kehrt nach 31 Jahren in die Bezirksliga zurück. Am Ende entscheidet ein 2:0 in der 93. Minute über Aufstieg oder Nichtaufstieg.

Langengeisling – Als René Mecking in der 93. Minute die Lengdorfer Abwehr überlief und zum 2:0 traf, war das Spiel entschieden. Aber niemand ahnte damals, am 19. September 2020, dass dieses Tor dem FC Langengeisling die Meisterschaft bescherte.

Nach dem Saisonabbruch lagen FCL und FCL mit dem Punktequotienten von 2,37 ganz oben. Im direkten Vergleich hatten die Lengdorfer die erste Partie durch ein Traumtor in der Nachspielzeit 2:1 gewonnen, und im Rückspiel nun dieses 2:0. Geisling darf in die Bezirksklasse, Lengdorf muss in der Kreisliga bleiben. Bitter für das Team von Franco Soave, das so lange die Tabelle angeführt hatte, sich aber nach dem Re-Start eine Niederlagenserie von drei Spielen geleistet hatte. In dieser Phase gewann Langengeisling alles und machte so die Rückkehr in die Bezirksliga nach 31 Jahren perfekt. Was sind die Erfolgsfaktoren? Wir haben es zusammengefasst.

Erlebt und ertragen

Drecksspiele gewinnen: Ein Meister siegt nicht immer mit Glanz und Gloria. Nach dem Re-Start musste der FCL zum Beispiel zum bärenstarken BC Attaching, der vorher schon Lengdorf besiegt hatte. „Wir waren da nicht wirklich gut, aber wir haben uns durchgekämpft und 2:0 gewonnen“, erinnert sich Chris Brader. Und dann das letzte Spiel beim TSV Moosburg in der Neustadt. „Schlechter Platz, Abendspiel im späten Oktober – aber wir haben uns durchgekämpft.“ Gute Idee, denn hätte man die Partie aufs schönere Frühjahr verlegt – sie wäre nicht mehr gespielt worden, und der Meister wäre ein anderer.

Die Volksfest-Pause: „Wir gewinnen keine Spiele, wenn Herbstfest ist.“ Davon ist Maxi Birnbeck überzeugt. So lasse sich auch die 2:3-Niederlage bei Aufsteiger Kirchasch erklären. Das war am 7. September 2019. „Seitdem haben wir nicht mehr verloren.“ Seitdem gab es auch kein Volksfest mehr.

Das Trainingscamp in Spanien war eigentlich für die Katz, denn nach der Rückkehr im März 2020 war erstmal der Lockdown. „Und trotzdem hatten wir seitdem diesen Flow“, erzählt der spielende Co-Trainer Douglas Wilson. „Wir hatten dieses Mannschaftsgefühl, diesen Willen, unbedingt aufzusteigen. Und den hatten wir auch noch fünf Monate später.“

Lengdorfs Krise: „ Wir hatten neun Punkte Rückstand. Hätte Lengdorf nicht geschwächelt, wären wir nie mehr rangekommen“, räumt Maxi Birnbeck ein. „Aber wir haben das dann auch sofort ausgenutzt.“

Der Reifeprozess: „Im Laufe der Saison hat sich die Mannschaft unglaublich entwickelt“, sagt Wilson. Hatte sie sich in der Vorrunde von der Hektik in Kirchasch aus der Ruhe bringen lassen oder in Lengdorf das späte 1:2 kassiert, war die Spielweise nach dem Re-Start laut Wilson „souverän, cool, kontrolliert und effektiv“.

Der breite Kader: Sebastian Schimschal und Chris Gerbl waren in der Saison zuvor noch in den Top Fünf der Kreisliga-Torschützen. In der Punktrunde 2019/21 fielen sie nahezu komplett aus. Auch Abwehrchef Andi Buchberger war verletzt. Kilian Kaiser war wegen seines Studiums kaum da. „Das konnten wir kompensieren, weil wir einen sehr großen Kader haben“, sagt Maximilian Maier, Spieler und Sportlicher Leiter. Weit über 20 Spieler wurden im Laufe der Saison eingesetzt. „Und dass wir 14 verschiedene Torschützen hatten“, spricht auch für die Ausgeglichenheit des Kaders. Ein weiteres Beispiel: Mit Chris Brader und Christian Bernhardt verfügt der FCL über zwei gleichwertige Keeper. Als beide verhindert waren, stand eben Maxi Milisterfer im Kasten.

Die Spieler

Der Motivator: Chris Brader, Torwart, Kapitän, Motivator, Lautsprecher. „Wie oft hat er uns in der Kabine heiß gemacht“, erinnert sich Maier.

Der Scorerkönig: Maier hat 15 Tore erzielt – als Mittelfeldspieler. Hinzu kommen 17 Assists (Liga-Bestwert). Er hat zudem alle 19 Spiele bestritten. Überragend auf dem Platz und entscheidend neben dem Platz als Sportlicher Leiter (siehe Umfeld).

Der Scorerkönig: Maximilian Maier (l.).

Die Maschine: Andi Buchberger war spielender Co-Trainer, im Zweikampf unbezwingbarer Abwehrchef und Schütze zweier spielentscheidender Tore. Vor dem Re-Start wechselte er als Spielertrainer nach Buch am Erlbach. Aber da waren nur noch vier Spiele.

Der Nachrücker: Kilian Stenzel (23) übernahm nach Buchbergers Weggang die Position des Abwehrchefs. „Unglaublich, mit welcher Ruhe und Souveränität er das gespielt hat“, sagt Maier. Das belegen auch die Zahlen: Nach dem Re-Start kassierte der FCL in vier Punkt- und drei Ligapokal-Spielen einen Gegentreffer – Torverhältnis 17:1.

Der Bomber von der Pfalz: Das ist Rene Mecking, der mit Zweitspielrecht ausgestattete eiskalte Knipser. Sechsmal schlug er zu, unter anderem eben gegen Lengdorf.

Der Comebacker: Eine schwere Verletzung hatte Chris Gerbl über ein Jahr außer Gefecht gesetzt. Nach dem Re-Start war er „on fire“, schoss das 1:0 gegen Lengdorf und in Attaching.

Der Außenbordmotor ist ein zuverlässiger Zweitakter: Marcel und Dominik Geigerseder geben auf dem Flügel mächtig Gas. „Da bist du als Gegner ganz schön beschäftigt“, sagt Chris Brader.

Der Name als Programm: Schon in den Gründungsjahren standen Birnbecks im FCL-Team. 100 Jahre später ist es Maxi Birnbeck, der alle 19 Partien bestritten und sechs Tore erzielt hat.

Die „brutale Defensive“: Damit meint Maier nicht eine harte Gangart, sondern die konsequente Deckungsarbeit. „Wir haben nach dem Re-Start kaum mehr Torchancen zugelassen.“ Das liege an Zweikampfmonstern wie Michael Faltermaier, Niko Simak und Lukas Seeholzer, den Maier nur „die Zecke“ nennt: „Gegen den gewinnst du keinen Zweikampf.“ Aber eigentlich müsste man alle Spieler nennen, sagt Maier.

Das Trainerteam

Der Chef: Fünf Jahre hat Mario Sinicki den FCL nun betreut. Die Spieler bewundern seine akribische Arbeit und die Detailversessenheit, mit der er den FCL vom Kreisliga-Rückkehrer nach dunklen Kreisklasse-Jahren zum Meister machte. „Er hat im Sommer 2020 trotz der schwierigen Corona-Situation neuen Zug reingebracht. Auch deswegen haben wir danach kein Spiel mehr verloren“, betont Michael Faltlhauser.

Der Chefcoach: Mario Sinicki.

Seine Helfer: Unterstützt wurde Sinicki von Joe Reiner, der nun schon seit fast zwei Jahrzehnten im Trainerstab ist und die Kontinuität wahrt. Zusammen mit ihm kümmert sich Tom Niedermaier, einst selbst beim FCL im Kasten, um die Torhüter. Douglas Wilson ist ein Co-Trainer, der dem Ganzen noch einen Schuss Spielwitz beisteuert. Und da wäre noch Florian Jakob, von dessen fußballspezifischem Fitnesstraining vor dem Re-Start 2020 die Geislinger in der entscheidenden Phase profitierten.

Das Umfeld

Die Sportliche Leitung: Gerhard Röslmair hat den FCL als Trainer vor dem Abstieg in die A-Klasse bewahrt. Danach schuf er die Voraussetzung für den Höhenflug. 15 der 19 Spiele wurde noch unter seiner Ägide ausgetragen. Danach machte er den Platz frei. Es übernahmen Ernst Stenzel, immer schon ein Vordenker des Geislinger Fußballs, und eben Maximilian Maier. Die beiden drehten noch an ein paar Schrauben. Der Erfolg kann sich sehen lassen.

Der Baumeister des Erfolgs: Sepp Kaiser (r.)

Der Vorstand: Michael Faltlhauser fasst es so zusammen: „Wir leben hier in einem Schlaraffenland.“ Wilson fügt hinzu: „Hier helfen alle zusammen. Im Vorstand hat jeder ein offenes Ohr, wenn es irgendwo zwickt.“ Vorsitzender Sepp Kaiser und sein Vorstandsteam hätten mit dem neuen Vereinsheim und der Sportanlage, die bestens in Schuss sei, Rahmenbedingungen geschaffen. Vor kurzem wurde eine elektronische Ergebnistafel angebracht, ein neues Kassenhäuschen entsteht gerade. „Natürlich sind das Kleinigkeiten, aber Fußballer registrieren das sehr wohl“, fügt er hinzu. „Meiner Meinung nach ist der FCL derzeit ein sehr attraktiver Verein im Landkreis. Und das nicht, weil bei uns viel Geld zu verdienen wäre. Bei uns gibt’s nur Mannschaftsprämien.“

(Dieter Priglmeir)

Auch interessant

Kommentare