Kreisklasse

Sportgericht gibt Einspruch statt: Partie gegen Eichenfeld für FC Neufahrn gewertet

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Laufen weiter hinterher: Die Kicker der SG Eichenfeld (in grün) verloren ihren einzigen Sieg in dieser Liga-Saison am Grünen Tisch. 

Der vierte frische SGE-Wechselspieler war einer zu viel: Das Spiel des FC Neufahrn gegen die SG Eichenfeld am 18. August landete vor dem Sportgericht. Dieses wertete die Partie nun für Neufahrn.

Landkreis – Im Kalenderjahr 2020 fand in der Kreisklasse noch kein einziges Pflichtspiel statt, dennoch veränderte sich Ende Januar das Tabellenbild: Der FC Neufahrn bekam am Grünen Tisch drei Zähler zugesprochen, die das Team von Trainer Willi Kalichman am zweiten Spieltag (18. August) auf dem grünen Rasen mit 0:1 gegen die SG Eichenfeld verloren hatte.

Nicht alles ging mit rechten Dingen zu

Doch offenbar ist an jenem Sonntag nicht alles mit rechten Dingen zugegangen. „Trainer Kalichman hat mich tags darauf informiert, dass Eichenfeld in der 83. Minute einen vierten frischen Spieler eingewechselt hat“, berichtet Neufahrns Markus Schubert. Das Mitglied der Fußballabteilungsleitung hörte sich bei mehreren Beteiligten um, fand auch den Wechseleintrag der vierten Kraft im – von der SGE bedienten – Liveticker zur Partie.

Markus_Schubert_(FCN) hat für den FCN zwar Punkte erstritten, der Verein bleibt aber auf den Kosten sitzen.

Schubert nahm umgehend Kontakt zum Kreissportgericht Donau/Isar auf, dessen Vorsitzender Josef Bauer zunächst auf die Notwendigkeit einer entsprechenden Meldung durch den Schiedsrichter hinwies. Schubert erreichte den Unparteiischen telefonisch, der daraufhin seine Spielnotizkarte nochmals überprüfte und feststellte, dass er den vierten Wechsel zwar notiert, aber versehentlich nicht im elektronischen Spielbericht (ESB) vermerkt hatte.

„Wir sahen uns da ganz klar benachteiligt

Folgerichtig bestätigte er sein Versäumnis gegenüber dem Kreissportgericht, und der FC Neufahrn legte formell Einspruch gegen die Spielwertung ein und erhob Anzeige gegen die SG Eichenfeld wegen des möglichen Vorsatzes zum Einsatz eines nicht spielberechtigten Spielers. „Denn durch den vierten Wechsel eines frischen Spielers sahen wir uns da ganz klar benachteiligt und im Recht“, sagt Schubert.

Natürlich wurde die SGE vom Kreissportgericht zu einer Stellungnahme aufgefordert, in der die Verantwortlichen besagten vierten Wechsel abstritten. Vielmehr sei ein zuvor ausgewechselter Spieler wieder auf das Feld zurückgekehrt, allerdings mit frischem Trikot und deshalb einer anderen Rückennummer – und das hätte man im Eifer des Gefechts schlicht vergessen, dem Schiedsrichter mitzuteilen.

FC Neufahrn ging in Berufung

Nach mehr als vier Wochen erkundigte sich Schubert bei Sportrichter Eckardt Schulz über den Stand der Dinge: Er erhielt zur Antwort, dass am 20. September ein Urteil gefällt (Geldstrafe gegen Eichenfeld wegen des Verstoßes, Spielwertung gemäß Ergebnis, Anm. d. Red.)und das Verfahren eingestellt worden sei. „Nicht mehr, nicht weniger – und alles ohne Begründung“, wundert sich Schubert immer noch.

Der FC Neufahrn ging in Berufung, und das Bezirkssportgericht als dafür zuständige Instanz wies das Kreissportgericht an, den Fall nochmals zu überprüfen. Am 18. Oktober erreichte den FCN dann das modifizierte, mit Begründungen versehene Urteil. Darin heißt es abschließend wortwörtlich: „Eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ohne diese Auswechslung noch der Ausgleich gefallen wäre, kann das KSG jedoch alleine deswegen nicht erkennen, zumal die reguläre Spielzeit nur noch sieben Minuten betrug. Der Einspruch war deshalb unbegründet.“

Erstaunen bei der SGE

Das sieht Schubert komplett anders: „Es war ein sehr heißer Tag, und zu den sieben Minuten Restspieldauer kamen durch Trinkpause und Nachspielzeit weitere sieben Minuten hinzu“, sagt er und fragt sich, „ob man dann immer bei knapper Führung kurz vor Schluss einen frischen Akteur bringt, wenn es keine Konsequenzen hat“.

Neufahrn ging abermals in die Berufung – und bekam vom Bezirkssportgericht am 27. Januar 2020 dann die (längst erwartete) Spielwertung für die eigenen Farben mit 2:0. „Absolut unverständlich, warum das so lange gedauert hat“, ärgert sich Schubert, zumal der FCN auf sämtlichen Berufungskosten sitzen geblieben ist. „Obwohl wir Recht bekommen haben, mussten wir doppelt so viel zahlen wie die Eichenfelder“, rätselt Schubert.

Bei der SGE hingegen herrschte Erstaunen, dass ihrer Stellungnahme so gar nicht gefolgt wurde. „Aufgrund der eigenen sportlichen Perspektive zum Zeitpunkt des Richterspruchs und aus finanziellen Gründen haben wir es dabei belassen“, sagt Ludger Reuter, stellvertretender Abteilungsleiter. Mit Blick auf die aktuelle Lage und den Verlauf des Verfahrens wirkt das Urteil eh wie aus einer anderen Zeit… 

Quelle: Merkur.de

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