Mit Haching und Bayern 2 trifft man auf die Großen 

FC Pipinsried: Bereit für das Abenteuer Regionalliga 2.0

In prächtigem Zustand präsentiert sich im Frühsommer 2021 das Stadion des Neu-Regionalligisten FC Pipinsried.
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In prächtigem Zustand präsentiert sich im Frühsommer 2021 das Stadion des Neu-Regionalligisten FC Pipinsried.

FC Pipinsried hat in den langen Wochen des Stillstands eifrig an den Stellschrauben gearbeitet und fühlt sich bestens gerüstet für die Rückkehr in die Regionalliga. 

PipinsriedDie Rückkehr ist perfekt, der FC Pipinsried ist wieder Fußball-Regionalligist. Nach dem Abstieg im Jahr 2019 hat der Dorfverein aus dem Dachauer Hinterland in einer Saison, die zwei Jahre gedauert hat, Maßstäbe gesetzt und sich wieder in der Beletage des bayerischen Fußballs zurückgemeldet.

In diesen zwei Jahren ist viel passiert beim Club aus dem Dachauer Hinterland. Nach dem ebenso unnötigen wie ärgerlichen Abstieg aus der vierthöchsten deutschen Spielklasse im Frühsommer 2019 veränderte sich das Bild des Vereins gravierend. Es wurde eine GmbH gegründet, um mögliche finanzielle Schäden vom Verein abzuwenden. Zudem wurde eine Mannschaft zusammengestellt, wie es sie in der Bayernliga noch nie gegeben hatte.

Bis auf die jüngeren Spieler und Oliver Wargalla brachten alle Akteure Zweitliga-, Drittliga- oder Regionalligaerfahrung mit. Der Weg wurde mit großem Gerät geebnet, um schnell wieder nach oben zu kommen.

Und es kam, wie es kommen musste: Nach holprigem Start, darunter zwei Remis gegen den TSV 1865 Dachau und den TSV 1860 München II, kam die Mannschaft in Schwung, sie setzte fortan ein Ausrufezeichen nach dem anderen.

Den Fuß vom Gaspedal nahmen die Pipinsrieder erstmals im März 2020, als sich das Coronavirus breitmachte und auch den Sport in Europa lahm legte. Vor Beginn des Lockdowns setzten die Pipinsrieder jedoch mit dem 7:2- Auswärtssieg beim TabellenzweitenFC Deisenhofen ein unübersehbares Zeichen, sie gingen mit 20 Punkten Vorsprung in die erste Coronapause.

Pipinsried ging mit 19 Punkten Vorsprung in die Corona-Zwangspause 

Allerdings brodelte es damals schon in der Gerüchteküche, man munkelte, der GmbH sei das Geld ausgegangen. In der langen Phase des erzwungenen Stillstands verließen etliche Spieler und auch die Trainer die Mannschaft. Zudem wurde die Saison vom Verband auf unbestimmte Zeit verlängert. Und nicht nur Spieler und Trainer verließen den Verein, auch im Verantwortungsbereich der GmbH gab es einen radikalen Schnitt. Geschäftsführer Uli Bergmann und der sportliche Leiter Roman Plesche (Türk Gücü München) verließen wie die Trainer Fabian Hürzeler (FC St. Pauli) und Muriz Salemovic (TSV Landsberg) den FC Pipinsried. Die sportliche Leitung übernahm Tarik Sarisakal, Chef der GmbH wurde Roland Küspert. Mit Andreas Thomas verpflichteten die Ilmtaler einen ehemaligen Pipinsrieder Spieler als neuen Trainer.

Als die Saison im Herbst 2020 für drei Punktspiele fortgesetzt wurde, fingen sich die Gelb-Blauen im Heimspiel gegen den SV Pullach die erste und einzige Saisonniederlage ein.

Nachdem es nach dem neuerlichen Lockdown langsam aber sicher immer klarer wurde, dass die Saison nicht weiter fortgeführt werden kann, und der Aufstieg mit 19 Punkten Vorsprung so gut wie sicher war, begannen die Pipinsrieder, an einer neuen, schlagkräftigen Mannschaft zu basteln.

Wichtigstes Kriterium: Die neuen Spieler müssen Lust auf die Regionalliga haben! Dies war bei einigen Spielern, die eine überragende Bayernliga-Saison gespielt hatten, offenbar nicht der Fall. Auffällig ist, dass man in Pipinsried nicht mehr von einem Projekt spricht, sondern vom Verein. Die Fans des FC Pipinsried sind jedenfalls mächtig gespannt, wie sich der vom sportlichen Leiter Tarik Sarisakal als „Dorf-Verein Deluxe“ titulierte Klub in der Regionalliga schlagen wird. Lust auf die Liga hat jeder, dem Dachauer Hinterland stehen einige große Partien ins Haus. Denn mit dem FC Bayern München II und der SpVgg Unterhaching bereichern gleich zwei namhafte Absteiger aus der 3. Liga die bayerische Regionalliga.

Interview mit Tarik Sarisakal und Andreas Thomas

Vor der schon in wenigen Wochen beginnenden neuen Regionalliga-Spielzeit 2021/2022 hat sich die Heimatzeitung mit den Verantwortlichen desFC Pipinsried unterhalten, Trainer Andreas Thomas (AT) und Sportleiter Tarik Sarisakal (TS) standen unserem Mitarbeiter Bruno Haelke Rede und Antwort.

Wie geht es nach der Kaugummisaison 2019/21 und der Entscheidung des BFV, die Saison nach Paragraf 93 zu beenden, weiter mit dem neuen Regionalligisten FC Pipinsried?

TS: Nachdem der Aufstieg nun offiziell ist, laufen die Vorbereitungen wie geplant weiter. Die Bestätigung der Zulassung für die Regionalliga ist nun auch offiziell eingetroffen. Die Kaderplanung genießt hierbei höchste Priorität. Die administrative Organisation liegt in den Händen von Präsident Roland Küspert, der dies, wie bereits in der Vergangenheit geschehen, optimal bearbeitet.
AT:Sobald wir uns alle zur Vorbereitung auf die neue Saison treffen, kommt endlich auch ein Stück Normalität zurück. Ich hoffe, dass wir eine solche Situation gesellschaftlich und sportlich nicht noch einmal erleben müssen. Ich möchte mich auch bei allen bedanken, die in dieser Kaugummisaison ihren Teil dazu beigetragen haben, so erfolgreich zu sein.

Was sagen Sie zu der Entscheidung des Fußballverbandes in Sachen Saisonabbruch?

TS: Im letzten Jahr hat der Verband den Paragrafen 93 in den Bestimmungen verankert. Was in meinen Augen völlig legitim ist, nur verstehe ich die Vorgehensweise des Verbandes nicht! Warum wälzt der Verband die Entscheidung auf die Vereine ab? Dies hatte zur Folge hat, dass unbegründete Hoffnung bei den abstimmenden Vereinen aufkam, die schlussendlich nach Bekanntgabe der Abstimmungsergebnisse für noch mehr Frustration und Verwirrung gesorgt hat.
AT:Ich bin froh, dass endlich eine Entscheidung gefallen ist und die Saison formell beendet wurde. Das hätte schon viel früher erfolgen können. Am Ende wird man mit einem solchen Abbruch nie allen gerecht und jedem wäre es natürlich lieber, eine Saison sportlich zu Ende zu bringen.

Wie sehen die Planungen für die neue Saison aus, unter der Prämisse in Zeiten sinkender Inzidenzen und steigender Anzahl der Öffnungen in allen Bereichen des Lebens?

TS:Die Planungen sind abhängig von den Inzidenzwerten und den Bestimmungen der Regierung. Sobald wir grünes Licht für mehr Zuschauer erhalten, werden wir natürlich alle notwendigen Maßnahmen hierfür einleiten und diese auch umsetzen. Die Zuschauer sind das Salz in der Suppe, sie gewährleisten das Überleben der Amateurvereine. Ich sage es noch einmal: Die Amateurvereine sind ohne Zuschauereinnahmen nicht überlebensfähig. Das ist alternativlos.
AT:Die Vorbereitungen laufen natürlich auf Hochtouren. Die rückläufigen Inzidenzwerte und einhergehend die langsame Öffnung in verschiedenen Bereichen machen natürlich Hoffnung auf ein normales Leben ohne irgendwelche Einschränkungen.

Dabei interessiert den Fan natürlich auch die allgemeine Situation in der Fußballabteilung...

TS:Das große Plus des FC Pipinsried ist mittlerweile das gemeinsame Miteinander. Wir haben es geschafft, die Kluft zwischen dem Hauptverein und der GmbH zu schließen. Die Zusammenarbeit der Vorstandschaft und der sportlichen Leitung ist hierbei geprägt von gegenseitigem Respekt, wie es sich meiner Meinung nach auch gehört. Der Verein FC Pipinsried ist ein „Dorfverein Deluxe“, auf den seine Fans und Mitglieder sehr stolz sein können. Der Schulterschluss der GmbH und dem Hauptverein funktioniert mittlerweile hervorragend, was aber auch an den verantwortlichen Personen liegt. Der Verein ist gut aufgestellt und bereit für die Regionalliga.
AT:Die sinkenden Fallzahlen ermöglichen nun natürlich auch eine einfachere Vorbereitungsplanung; wir müssen nicht in Kleingruppen bzw. mit Abstand trainieren. Zudem ist eine Öffnung für 250 Zuschauer schon mal der erste Schritt. Dies ist natürlich für den Verein sehr wichtig, die Spieler und auch ich freuen uns, bald wieder vor unseren Fans spielen zu können.

Welche Lehren ziehen Sie aus dem erneuten Umbruch im Hinblick auf die „neue“ Mannschaft?

TS: Ich denke nicht, dass wir Lehren aus dieser Entwicklung ziehen müssen, da wir keinen Einfluss darauf hatten. Der Großteil der scheidenden Spieler wollte den Aufwand Regionalliga nicht betreiben. Wir wollten explizit Spieler in unseren Reihen haben, die eine absolute Lust auf die Regionalliga mitbringen. Auf dieser Basis erfolgte die aktuelle Kaderzusammenstellung. Alles andere hat keinen Mehrwert für den FC Pipinsried.
AT:Die Planungen für die neue Mannschaft sind frühzeitig angelaufen. Das war sehr wichtig, denn dadurch haben wir von einigen Spielern die Signale bekommen, dass eine Regionalligasaison für sie nicht in Frage kommt. Dementsprechend konnten wir die Gespräche frühzeitig mit qualitativ starken Spielern aufnehmen, die auch unbedingt Regionalliga spielen wollen.

Trotz der vielen Abgänge ist es Ihnen gelungen, einen starken Kader für die kommende Saison zusammenzustellen. Was fehlt, es noch ein Stürmer, oder?

TS:Mit der Kaderzusammenstellung sind wir sehr zufrieden. Ja, für einen guten Stürmer hätten wir durchaus noch Platz in unseren Reihen.
AT:Unsere Mannschaft ist ein sehr guter Mix aus regionalliga- und drittliga-erfahrenen Spielern sowie jungen, talentierten und sehr gut ausgebildeten Spielern. Die Kaderplanung ist noch nicht ganz abgeschlossen, wir stehen weiterhin mit Spielern im Austausch. Das Grundgerüst ist auf jeden Fall geschaffen – und das ist sehr wichtig.

Was passiert mit der Jugend? Allgemein bekannt ist das Problem auf dem Land, überhaupt noch Jugendliche für den Fußball zu gewinnen…

TS:Auch hier ist der Verein auf einem sehr guten Weg. Unter der Schirmherrschaft von Martin Schmidl wird die Jugendabteilung neuformiert und ausgebaut. Martin nimmt erfolgreich Prozessoptimierungen vor, besetzt demzufolge Positionen mit guten Leuten. Jugendleiter Frank Lachner mit seinem Trainerteam Robert Böttcher und Paolo Cipolla leisten hierbei hervorragende Arbeit.
AT:Ja, das sehe ich aktuell auch als problematisch an, hoffe aber, dass nach der langen Pause die Kinder/Jugendlichen sich freuen, wieder zusammen Fußball spielen zu können. Vielleicht kann die EM in diesem Jahr auch dazu beitragen, die junge Generation wieder vermehrt auf den Fußballplatz zu bringen.

Zum Schluss noch eine Frage nur an den Trainer: Mit den Absteigern Bayern München II und Unterhaching wird die Liga unheimlich stark, zumal ja die Aufstiegsfrage auch noch nicht geklärt ist. Wie ist Ihre Einschätzung der Stärke der Regionalliga?

AT:Die Regionalliga Bayern schätze ich als sehr stark ein. Zum einen natürlich aufgrund der beiden Absteiger, aber zum anderen auch wegen all jener Teams, die ebenfalls unter professionellen Bedingungen arbeiten. Hierzu zählen natürlich Bayreuth und Schweinfurt sowie die 2. Mannschaften aus Augsburg, Fürth und Nürnberg. Das wird eine spannende Herausforderung, sich mit solchen Teams zu messen.

Stenogramm

FC Pipinsried

Stand: 31. Mai 2021

Zugänge: Ati Lushi, Jakob Zitzelsberger, Lucas Schraufstetter, Dominik Wolfsteiner (alle VfB Eichstätt), Albano Gashi (SSV 1846 Ulm), Alex Eiban (SF Lotte), Eren Emirgan (VfR Garching), Dominik Schröder (FC Ingolstadt II), Faton Dzemailji (KF Skënderbeu/Albanien), Jannik Fippl (DJK Bamberg), Alex Eiban (SF Lotte), Nenad Pavlovic

Abgänge: Steffen Krautschneider, Tomas Tomic (beide TSV Landsberg), Tim Oberwahrenbrock (SpVg Hammer), Daniel Leugner (TSV 1865 Dachau), Max Zischler, Christoph Rech (beide SV Donaustauf), Timon Kuko (VfR Garching), Stephan Thee (VfR Garching)

Kader

Tor: Aley Eiban, Julian Kirr

Abwehr: Peter Guinari, Alex Langen, Jannik Fippl, Faiton Dzemaiji, Jakob Zitzelsberger, Dominik Wolfsteiner

Mittelfeld:Benny Kauffmann, Niko Jelesic, Albano Gashi, Lucas Schraufstetter, Dominik Schröder, Paolo Cipolla, Eren Emirgan

Angriff: Atdhedon Lushi, Oliver Wargalla, Marvin Jike, Marian Knecht, Pablo Pigl (?)

(BRUNO HAELKE)

Quelle: Merkur.de

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