FCK-Schlehdorf-Legende Gerd Weidehaas sagt Servus

Der „ewige Gerd“ dankt ab und verlässt den FCK-Schlehdorf 

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Ein großer Moment: Gerd Weidehaas feiert mit Trainer Michael Pössenbacher den Aufstieg in die Kreisliga. 

„Kochelsee ist eigentlich ein Schmarrn. Wir spielen doch Fußball. Das haben wir noch nie auf dem See gemacht“ (Gerd Weidehaas) Gerd Weidehaas ist eine lebende Legende. Den FC Kochelsee-Schlehdorf erlebte er als Vorsitzender des Vereins und ist seit der Gründung des Clubs fest mit dem Verein verankert. Daran konnten selbst Abwerbeversuche anderer Vereine nichts ändern. 

Wenn ich etwas mache, dann hier in meiner Heimat Großweil.“ Nach dieser Devise widerstand Gerd Weidehaas bereits 1972 Penzberger Abwerbeversuchen, als er damals den Prinzengarde-Verein gründete. Und auch 1989 ließ er sich „überreden“, den Vorsitz im damaligen Sportverein, dem SV Schlehdorf-Großweil, zu übernehmen. „Dabei hatte ich zuvor keinerlei Funktion in dem Verein. Ich war nur der fußballinteressierte Vater zweier kickender Söhne.“

Daraus entwickelte sich allerdings eine große Funktionärskarriere. Eine, die auch nach der Fusion mit dem FC Kochel zum heutigen FC Kochelsee Schlehdorf Bestand hatte und erst am heutigen Abend enden wird. „Jetzt ist es genug“, sagt der „ewige Gerd“. „30 Jahre Vereinsvorstand müssen genügen.“ Bei der Jahresversammlung des FCKS wird der 76-Jährige sein Amt zur Verfügung stellen. Doch zuverlässig und pflichtbewusst wie Weidehaas immer war, hat er die Nachfolge bereits geregelt und wird den Mitgliedern eine neue Mannschaft präsentieren.

Wer den Großweiler kennt, ist sofort an eine rheinische Frohnatur erinnert. Doch geboren und aufgewachsen ist er in Jena. Als 14-Jährige kam er mit den Eltern in den Westen und landete nach einigen Stationen in Wuppertal. „Von dort sind wir damals oft zum Düsseldorfer Karneval gefahren. Das ganze Drumherum dort hat mich wohl auch ein bisschen geprägt.“ Später ging’s zur Bundeswehr nach Murnau, wo er seine spätere Gattin Ulrike kennen- und lieben lernte. Die kam aus Großweil, wo 1969 geheiratet wurde. Seit dieser Zeit fühlte sich Weidehaas als echter Großweiler.

Der studierte Maschinenbauer arbeitete viele Jahre bei der Firma Siempelcamp, einem Unternehmen der Holzverarbeitung, für das er weltweit im Einsatz war. Das führte zu Kuriositäten in seinem Funktionärsleben: „Einmal musste ich von Australien aus einen Trainer entlassen.“

Mit das prägendste Ereignis in seiner Zeit als Vorsitzender war 1997 die Fusion der beiden Fußballvereine. „Das war damals gar nicht so einfach – und hat in den ersten Monaten und Jahren danach zu erheblichen Turbulenzen geführt“, erinnert er sich. Einer seiner Gegenspieler war etwa der heutige Schlehdorfer Bürgermeister Stefan Jocher, damals noch Sprecher der Kochler Fußballer.

Die Idee der ersten Fusion zweier Vereine im Landkreis war kein Schnellschuss. „Im AH-Bereich und beim Nachwuchs waren wir ja schon Jahre zuvor beisammen.“ Mit der schwierigste Part war die Namensfindung. Da die Kochler darauf bestanden, dass ihr Ortsname irgendwo mit auftaucht. Also musste Weidehaas Großweil „opfern“. Heraus kam der FC Kochelsee Schlehdorf daraus. „Ohne Bindestrich“, betont er mit Vehemenz. „Ohne Kompromisse ist das damals alles nicht gegangen. Aber heute sagen sowie so alle nur noch FCK Schlehdorf.“ Eine Anmerkung zum Namen kann er sich auch nicht verkneifen: „Kochelsee ist eigentlich ein Schmarrn. Wir spielen doch Fußball. Das haben wir noch nie auf dem See gemacht.“

Weidehaas blieb trotz aller Unwägbarkeiten, stellte sich für das Spitzenamt zur Verfügung. „Ich habe damals vielleicht etwas blauäugig gesagt, ich mache das“, sagt er heute, „ohne, dass ich so recht wusste, was auf mich zukommt.“ Eine der ersten Herausforderungen war die Suche nach einem Trainer. Denn Karl Schmid hatte wenige Tage nach der Fusion hingeworfen.

Funktioniert hat alles, weil zwei Aspekte immer passten: „Ich hatte stets gute Mitstreiter im Vorstand. Vor allem aber hat mir meine Frau, die leider inzwischen verstorben ist, immer nach Kräften den Rücken freigehalten.“

Mit sein größtes Verdienst als FCKS-Chef war schließlich der Bau des neuen Sportheims am Schlehdorfer Fußballplatz in den Jahren 2004 bis 2007. Keine 200 000 Euro habe das gesamte Projekt gekostet. „Das war nur durch die immense Eigenleistung der Mitglieder möglich. Da gab’s nicht einmal angelieferten Fertigbeton, den haben wir noch selbst angerührt.“

Mittlerweile ist Weidehaas überzeugt, dass der FCKS ganz gut dasteht. Er kann ruhigen Gewissens einer neuen Mannschaft das Zepter übergeben. Er selbst ist ja auch nicht aus der Welt. „Ich werde dem Verein erhalten bleiben, werde mich hin und wieder auf dem Fußballplatz sehen lassen. Aber es ist für mich keine Pflicht mehr.“ So kann er sich vorstellen, dass er auch einmal den Rasen mäht oder sich als Chauffeur für Nachwuchs-Mannschaften zur Verfügung stellt. „Als Rentner habe ich ja Zeit, wenn andere Eltern arbeiten müssen.“ Außerdem bekomme er so Gelegenheit, seine zwei kickenden Enkel zu sehen. „Das ist doch auch ganz nett. Und die Buben freuen sich, wenn der Opa am Spielfeldrand steht.“

Selbst wenn nun die Ära Weidehaas zu Ende geht, ist das Urgestein überzeugt: „Der FCKS wird ohne mich weiterleben – ganz sicher.“

Mitgliederversammlung

Die Jahresversammlung des FCKS findet am heutigen Donnerstag im Klosterbräu in Schlehdorf statt. Beginn ist um 19.30 Uhr.

„Kochelsee ist eigentlich ein Schmarrn. Wir spielen doch Fuß- ball. Das haben wir noch nie auf dem See gemacht. Gerd Weidehaas

Text: Ewald Schleitterer

Quelle: Merkur.de

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