Landesliga

FCM-Chef Lanzinger: Rupprecht und Reiche hat leider die Geduld gefehlt

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Können nur von außen einwirken: Moosinnings Fußballchef Rupert Lanzinger (l.) und der gesperrte Kapitän Johannes Volkmar.

Warum spielen Moosinnings Talente lieber in der Kreisliga? Wie läuft‘s bei der Eittinger Fraktion in Hallbergmoos? Und wer darf in Freising während der Saisonvorbereitung in Urlaub gehen? Antworten darauf gaben  Rupert Lanzinger, Gediminas Sugzda und Alexander Plabst im Interview mit der Heimatzeitung.

Moosinning– Wie mache ich einen Verein landesligatauglich? Die drei Clubs aus der Region haben da unterschiedliche Ausgangspositionen. Der VfB Hallbergmoos kann sich dank seiner Sponsoren ein für die Klasse personell gut besetztes Team leisten. Der SE Freising setzt vor allem auf die eigene Nachwuchsarbeit. Eigengewächse würde auch der FC Moosinning gern einbauen, doch vielversprechende Talente haben sogar die eigene A-Jugend verlassen. Die Domstädter hingegen wissen nicht, wohin mit ihren U 19-Talenten. Darüber und wieviel Professionalität sie in der Landesliga von ihren Spielern erwarten äußern sich Alexander Plabst (Trainer SE Freising). Gediminas Sugzda (Trainer VfB Hallbergmoos) und Rupert Lanzinger (Fußballabteilungsleiter FC Moosinning) in Teil zwei unseres Landesliga-Interviews.

Herr Lanzinger, aus der derzeitigen A-Jugend des FC Moosinning werden Sie nicht viel für den Landesliga-Kader erwarten können, oder?

Lanzinger: Das ist ein Riesenproblem, das zu lösen wäre, wenn wir in der Jugend mit dem SV Eichenried gemeinsame Sache machen würden. Eichenried hat Kapazitäten, die wir gemeinsam nutzen sollten. Aber es gibt Eltern aus Moosinning und Eichenried, die sich weigern, ihr Kind die drei Kilometer zum Sportplatz zu fahren. Dafür habe ich kein Verständnis. Da kann Freising ganz anders arbeiten.
Plabst: Unser Problem ist und bleibt, dass wir keine Zweite Mannschaft haben. Ich kann nicht die halbe A-Jugend hochziehen, denn dann sitzen da zuhauf Spieler monatelang auf der Bank oder der Tribüne und bekommen keine Spielpraxis. Ich muss mich also schon früh für zwei, drei Spieler entscheiden. Doch vielleicht wäre ein anderer der gewesen, der sich im Herrenbereich auf längere Sicht letztlich am besten durchgesetzt hätte.
Lanzinger: Wir haben sogar noch eine Dritte Mannschaft. Im August hatten wir teilweise bis zu 75 Mann auf dem Trainingsplatz stehen. Ich sehe noch ein anderes Problem: Den jungen Spielern fehlt oft die Geduld: Wir hätten gern Florian Rupprecht in den Kader mit aufgenommen, als er noch in der A-Jugend spielberechtigt war. Aber er ist dann lieber nach Wörth in die Kreisklasse gegangen. Das gilt auch für Tarek Reiche, der nun nach Schwaig gewechselt ist.

Apropos Ungeduld: Verliert der SE Freising vielleicht hochtalentierte Spieler, wenn es mit dem Aufstieg wieder nicht klappt? Im vergangenen Jahr erst in den Aufstiegsspielen gescheitert, heuer schon wieder Zweiter . . .

Plabst: Nein, nein, wir haben überhaupt keinen Druck. Der Aufstieg ist nicht unser Saisonziel. Wir wollten möglichst schnell 40 Punkte. Und das ist jetzt keine Phrase. Wir hatten schließlich vor der Saison einen großen Umbruch, waren in der Aufstiegsrelegation zur Bayernliga und haben mit James Joseph einen Stürmer verloren, der für 30 Tore gut war. Da gibt es genügend Beispiele in allen Ligen, dass womöglich ein kompliziertes Spieljahr vor der Tür steht. Das ist uns Gott sei Dank verwehrt geblieben.

Woran liegt es, dass ihr wieder oben dabei seid?

Plabst: Ich brauche nicht zwingend Stars oder teure Spieler. Außerdem würden wir sowieso nie über unseren finanziellen Rahmen mit dem damit verbundenen Risiko hinausschießen. Unser Weg ist die Jugendarbeit und sind Spieler aus den unteren oder gleichen Regionen. Ich brauche überwiegend Teamplayer, ein paar Kreativspieler und natürlich die Leader auf dem Platz, von denen ich jedoch auch nicht übermäßig viele habe.

Aber die Bayernliga wäre schon eine Riesensache.

Plabst: Natürlich ist die Bayernliga immer ein Ziel. Aber der Sinn sollte darin nicht verloren gehen. Was bringt es mir, wenn es dann so endet wie bei Traunstein oder Holzkirchen.
Sugzda: Moment, wir haben in Holzkirchen nach dem Aufstieg in die Bayernliga eine geile Saison gespielt.
Plabst: Klar, als du noch Trainer warst, hattet ihr eine Riesensaison. Aber wie viele Punkte hat Holzkirchen jetzt im zweiten Bayernliga-Jahr? Sechs?

Zurück zum VfB. Nach Fredi Neudecker sind nun im Winter mit Michael und Florian Schrödl sowie Stefan Mikerevic drei weitere Spieler vom Kreisligisten FC Eitting gewechselt. Wie machen sie sich?

Sugzda: Sie sind fleißig und geben Gas. Natürlich brauchen sie noch etwas Zeit, um sich ans Tempo zu gewöhnen. Aber der Charakter und die Mentalität sind da. Den Rest werden wir erarbeiten.

Mehrere Spieler vom gleichen Ex-Verein – besteht da nicht auch die Gefahr der Grüppchenbildung?

Sugzda: Null Gefahr. Die Jungs bewegen sich mit der ganzen Mannschaft und wurden gut aufgenommen.

In Freising steht eine große Veränderung an. Georg Appel tritt im April als Abteilungsleiter ab.

Plabst: Dass er aufhört, hätte ich nie gedacht. Das ist für mich persönlich ein schwerer Schlag. Er war immer für mich da. Aber jetzt hat er tatsächlich Ernst gemacht. Unser Glück im Unglück ist Nils Haack. Nils ist ebenfalls sehr kompetent, er tickt wie der Schorsch und hat auch schon viele Gespräche mit den Spielern geführt. Gut zwei Drittel der Spieler haben schon jetzt für die neue Saison zugesagt.

Auch für die Landesliga?

Plabst: Natürlich für die Landesliga, denn das ist das, was wir sicher in der Tasche haben und bieten können. Die Bayernliga ist zum jetzigen Zeitpunkt so weit entfernt wie Freising von Amerika. Ein Spieler hat mir gesagt, er würde gern Bayernliga spielen. Ich habe ihm dann geantwortet: Wenn du das willst, dann musst du halt in jedem Spiel zwei Tore schießen und eines auflegen. Nochmal: Es gibt aus meinen Erkenntnissen in der Vorrunde zwei Mannschaften, die besser sind. Wir haben nicht umsonst gegen Wasserburg und Deisenhofen verloren und dabei jeweils vier Gegentore kassiert. Gegen Deisenhofen waren wir am Rande einer zweistelligen Niederlage, so wie die uns über die komplette Spielzeit vernichtet haben.

Vielleicht bricht Wasserburg ja noch ein?

Plabst: Das glaube ich nicht. Was zum Beispiel die Haas-Brüder spielen, ist schon der Wahnsinn. Unglaublich, diese Präsenz, und wie die alle auf dem Platz kommunizieren! Meine Mannschaft ist ja verbal tot. Da sind wir Tabellenletzter.

Apropos Kommunikation: Wie läuft die denn bei euch zwischen Trainer und Spielern?

Lanzinger:Helmut Lucksch, unser neuer Trainer, ist weit transparenter als sein Vorgänger. Jacky (Muriqi, die Red.) hat hervorragend gearbeitet, aber er entscheidet eher aus dem Bauch heraus. Helmut arbeitet sehr systematisch. Er pflegt den lockereren und direkten Umgang. Und er geht auch anders mit der Situation um, dass wir eben nicht die Trainingsmöglichkeiten haben wie andere Vereine, die zum Beispiel über einen Kunstrasen verfügen.
Sugzda: Ich sitze nicht wie der Lobanowski regungslos auf der Bank. Ich coache schon sehr viel. Spieler kritisiere ich normalerweise unter vier Augen – und zwar immer konstruktiv. Manchmal braucht es aber auch mal eine deutliche Ansage. Aber ich denke, vor dem Derby gegen Freising brauche ich nicht viel zu sagen.
Plabst: Derby? Schalke gegen Dortmund ist ein Derby. Aber Freising gegen Hallbergmoos? Die Rivalität hat mich noch nie so richtig interessiert. Darauf gehe ich weder im Training noch in der Spielvorbereitung ein. Den Spielern geht’s da auch nicht anders. Das wird höchstens von den Zuschauern reingebracht. Und nach dem Abpfiff kriegt die Mannschaft von den Fans vielleicht ein paar Maß Bier mehr spendiert. Ich habe jedoch das Gefühl, dass Hallbergmoos diese Partien wichtiger nimmt als wir. Ich habe da letztes Jahr ein Video zugespielt bekommen, als die Hallberger nach dem Sieg gegen uns gefeiert haben. Da habe ich mir schon gedacht: Ihr seid weiterhin so viele Punkte hinter uns, was soll das? Und so viele Zuschauer wie noch zu meiner Zeit, als das noch richtige Derbys waren, kommen auch nicht mehr.

Haben die Live-Übertragungen, die der BFV anbietet, Auswirkungen auf den Zuschauerschnitt?

Plabst: Das glaube ich nicht. Die Leute wollen ja das ganze Drumherum erleben.
Lanzinger: Ich habe mir mal unser Spiel angeschaut, weil ich keine Zeit hatte, mitzufahren.
Sugzda: Ich sehe es als gute Möglichkeit, einen kommenden Gegner zu beobachten – sofern die Kamera richtig mitfährt.

Wie wichtig ist für Sie die Videoanalyse?

Plabst: Grundsätzlich sehr, sehr wichtig. Es gibt Vereine, die betreiben regelmäßig 90 Minuten Videoanalyse – manchmal vor, manchmal nach dem Training. Wenn ich das aber bei uns einführe, habe ich am nächsten Tag fünf Kündigungen auf dem Tisch. Fabian und ich machen schon Videoanalysen, bearbeiten das aber meist individuell oder in der Gruppe, wenn es Anlass dazu gibt oder Spieler mit taktischen Fragen auf uns zukommen.
Sugzda: Videoanalysen sind schon sehr hilfreich. Aber mehr als zwei oder drei Szenen kannst du nicht besprechen. Was kann ein Spieler aufnehmen? Ich weiß das doch noch aus meiner aktiven Zeit. Zehn Minuten, vielleicht eine Viertelstunde, danach wird’s schon schwer.

Wie professionell muss man eigentlich in der Landesliga sein?

Sugzda: Rauchen in der Halbzeit und eine Stunde vor dem Spiel noch eine Leberkässemmel – das ist unprofessionell.

Unentschuldigtes Fehlen im Training?

Plabst: Geht gar nicht. Wird nicht geduldet (Sugzda und Lanzinger nicken).

Urlaub während der Saison oder Vorbereitung?

Plabst: Das ist die sechste Liga, da gibt es schon noch wichtigere Dinge – wie die Familie und den Beruf. Andi Hohlenburger ist während der Vorbereitung zehn Tage weggefahren. Das hat er mir schon frühzeitig mitgeteilt. Also, was soll ich da machen? Bei ihm fällt mir die Entscheidung aber leicht, denn er hängt sich anschließend wieder voll rein. Und die Mannschaft akzeptiert, dass Andi danach sofort wieder spielt.
Lanzinger: Jacky Muriqi hat schon unterschieden, ob ältere Spieler mit Kindern auf die Ferien angewiesen sind. Jüngere, die einfach so wegfahren, haben danach keine große Rolle mehr gespielt.
Sugzda: Wir haben drei Monate Pause. Im Dezember und Januar kann man auch gut Urlaub machen – wenn die Spieler wollen, kann ich ihnen gern ein paar schöne Ziele und Hotels aufschreiben. Aber ja, die Problematik gibt es. Aber das ist ja auch der Grund, warum man keinen 16-Mann-Kader hat, sondern 22 bis 24 Leute.

Aber jetzt haben wir genug von Urlaub und Vorbereitung geredet. Am
2. März geht’s wieder los. Wo wird Ihr Verein am Ende der Saison stehen?

Sugzda: Was für eine Frage. Ist mir egal. Was bringt mir Platz vier? Ich will für die nächste Saison junge Spieler mit Siegermentalität aufbauen und die Mannschaft weiterentwickeln.
Plabst: Ich traue dir nicht.
Sugzda: Okay, wir werden vor Freising liegen.
Plabst: Du wirst den schlafenden Riesen wecken. Bei uns denke ich, dass wir ein kleines sportliches Wunder brauchen, wenn wir am Ende des Tages vor Wasserburg und Deisenhofen oder einem der beiden landen sollten. Und mal schauen, was bei Mannschaften wie etwa Grünwald noch geht, wenn sie die ersten Spiele gewinnen.
Lanzinger: Also, ich hätte gern eure Probleme und würde mich über Platz acht freuen. Wir haben unseren Spielern schon gesagt, dass sie bei ihrer Urlaubsplanung eventuelle Relegationssspiele berücksichtigen sollten. Sehr wichtig ist für mich, dass Helmut Lucksch in jedem Fall unser Trainer bleiben wird. Damit haben wir schon mal eine Basis geschaffen für den Fall, dass es mit dem Klassenerhalt nicht klappen sollte. Karlsfeld ist ja auch abgestiegen und wieder zurückgekommen. Wir finden: Die Landesliga passt zu uns Moosinningern, da sind wir gern. In der Vorrunde haben wir schon die kurze Sommerpause wegen der Aufstiegsspiele zu spüren bekommen. Jetzt haben alle die gleichen Voraussetzungen. Und in den Spielen gegen Freising und Hallbergmoos haben wir ja durchaus mithalten können.

Quelle: Merkur.de

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