Felix Schürgers über die Entwicklung und Spielidee des TSV Murnau

„System bringt nichts, wenn du keine Punkte holst“

Der Dirigent: Felix Schürgers versucht ständig, seinen Vorderleuten durch Anweisungen zu helfen.
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Der Dirigent: Felix Schürgers versucht ständig, seinen Vorderleuten durch Anweisungen zu helfen.

Mit 26 Jahren zählt er mittlerweile zu den älteren Fußballern im Team des TSV Murnau. Und entsprechend verhält sich Felix Schürgers. Als Torwart seines Heimatvereins geht er voran, treibt seine Vorderleute jederzeit an.

Murnau– Schürgers besticht durch Zuverlässigkeit und Ehrgeiz. Im Tagblatt-Interview spricht er über seine eigene Rolle, neue Trainer-Ideen und die Zukunft des TSV.

Beim 2:0 in Deisenhofen standen Sie bei wichtigen Szenen im Mittelpunkt: Gefallen Ihnen solche Spiele besser als Partien ohne Arbeit?

Ich fand mich nicht so wichtig in dem Spiel. Im Endeffekt waren es zwei Paraden. Natürlich tun die gut. Gegen Otterfing habe ich bei drei Schüssen drei Treffer kassiert. Es ist immer gut, wenn man was zu tun bekommt. Mein Stil ist aber, die Gefahr vorher zu erkennen. Ich rede eigentlich das ganze Spiel über, versuche die Verteidiger an die richtigen Stellen zu schicken. Ich freue mich tatsächlich mehr, wenn ich einen Diagonalball drei Sekunden vorher erkenne, als über eine Parade. Aus dem Spiel kann man viele Erkenntnisse ziehen. Wir haben keinen Hurra-Fußball gespielt, sondern einen guten Mix gefunden.

Toreverhindern war für die Murnauer immer eine Ehrensache. Was ist zuletzt aus den stolzen Verteidigern geworden?

Es gibt mehrere Ursachen. Voriges Jahr sind wir extrem gut gestanden. Wir hatten ein Konsolidierungsjahr und haben Fußball gespielt, um zu punkten. Dafür haben wir die richtigen Spieler: Erfahrene Leute, die das können. Dieses Jahr hat der Trainer eine neue Spielidee mitgebracht. Dahinter stehen wir. Aber es ist ein brutal riskantes Spiel, das viele so noch nicht gespielt haben. Schon in der Vorbereitung gegen Antdorf hat man die Risiken in der ersten Halbzeit sehr deutlich gesehen.

Dieser Plan dürfte einem Torwart weniger gefallen...

Bevor sich der neue Trainer vorgestellt hat, hatte ich im Kopf: Vielleicht schaffen wir es in dieser Saison, die stabilste Abwehr der Liga zu stellen. Mir war bewusst, dass wir das abhaken können, als der Coach die Philosophie präsentiert hat. Aber: Bei dem Plan darf man sich als Defensive nicht zu eitel sein. Wer offensiver spielt, ist hinten anfälliger. So lange am Ende die drei Punkte stehen, ist es doch egal, ob man 3:2 oder 1:0 gewinnt.

Wie erklären Sie die Abwehrschwäche und die Aussetzer?

Derzeit schaffen wir es nicht, das System über komplette 90 Minuten zu spielen. Fehlendes Spielglück gehört leider auch dazu. Das Zweite: Um mehr zu wollen, musst du brutal viel arbeiten. Erst wenn alle Spieler das verstehen und ins Training kommen, kannst du einen Fortschritt erzielen. Das geht bei mir los und zieht sich durch alle Reihen. Ich schaffe es donnerstags ins Training und bin Montag bei der Zweiten dabei – aber auch nicht so oft, wie mir lieb wäre. Haasi (Thomas Haas/Red.) war zwei Wochen im Urlaub, Leo (Axthaler/Red.) hatte eine wichtige Prüfung, Michi Meditz auch. Wir sind eben Hobbysportler. Wenn wir mehr erreichen wollen, muss ein Jahr alles zusammengehen.

Dazu heißt es oft, dass die Kreisliga stärker geworden ist. Teilen Sie den Eindruck?

Die Liga wird vom Niveau her immer besser, immer noch ausgeglichener. Was das unterstreicht: Bad Heilbrunn und Brunnthal – die Bezirksliga-Aufsteiger – spielen als Mannschaften aus der Kreisliga relativ schnell oben mit. Die Kreisliga hat sich ein bisschen an die Bezirksliga angeglichen. Es sind nur noch Nuancen. Das sehen die meisten so.

Vor zwei Jahren hätte ein ähnlicher Durchhänger beinahe in die Kreisklasse geführt. Warum hat der TSV mit Abstiegskampf Probleme?

Ich finde eher, dass wir den Druck brauchen. Man sieht’s in den Derbys. Wir haben dafür seit Jahren Probleme in den anderen Duellen mit Otterfing, Aying oder Deisenhofen. Ich weiß nicht einmal, ob etwa die Bezirksliga mental unsere Liga wäre. Da würde wegfallen, dass du die Spezln ein Jahr mit den Siegen aufziehen kannst. Die Motivation müsste dann aus eigenem Antrieb kommen.

Wie präsent ist das Thema Abstiegskampf?

Wir müssen uns damit beschäftigen. Jedem muss der Ernst der Lage klar sein. Jeder Punkt ist wichtig. Du brauchst immer mindestens 30, um der Relegation zu entgehen. Es fehlen also noch 14. Eher braucht man 35, um sicher nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben.

Sehen Sie Fortschritte?

Man kann die Fortschritte erkennen. Doch jeder Fortschritt wird derzeit mit individuellen Fehlern zunichte gemacht. Am Ende ist Fußball ein Ergebnissport. Es bringt nichts, wenn du dir die Eier selbst ins Nest legt. Wir können das System nicht bis zum Ende spielen und absteigen. Irgendwann müssen die Fortschritte kommen und die Punkte. Wir würden gerne besser, schöner, schneller, effektiver spielen. Wir würden gerne wie Brunnthal und Heilbrunn kicken. Das braucht aber Zeit. Bei den Teams kam das auch nicht gleich. Da gehören Rückschläge dazu. Die muss man wegstecken. Ich stehe völlig hinter dem System – wie die ganze Mannschaft. Am Ende bringt es jedoch nichts, wenn du keine Punkte holt. Von Peter Bosz’ (Trainer Leverkusen/Red.) Mannschaften schwärmen auch immer alle. Trotzdem stehen die oft ohne Punkte da. Augsburg dagegen holt mit einfachem Fußball seine Punkte.

Sehnen Sie da schon die Talente der nächsten Generation herbei?

Wir haben schon jetzt junge, gute Spieler. Und uns alte. Ich hatte immer Bedenken, dass wir denen im Weg stehen. Seit diesem Jahr habe ich die nicht mehr. Ich freue mich brutal auf die A-Jugend. Ich schaue mir sehr gerne ihre Spiele an. Wir sind offen für die Jugend. Wir Alten wollen nicht unseren Stiefel runter spielen. Bei uns darf jeder Verantwortung übernehmen. Bei Deisenhofen siehst du es: Die Kreisliga ist auch für die Jungen kein Zuckerschlecken.

Quelle: Merkur.de

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