Nachwuchs-Training wird fortgesetzt 

FF Geretsried: Gar kein Fußball ist auch keine Lösung

Die Nachwuchs-Kicker der FF Geretsried machen ihre Übungen auf dem Sportgelände am Robert-Schumann-Weg in abgeteilten Feldern in Fünfergruppen – und sind heilfroh darüber.
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Die Nachwuchs-Kicker der FF Geretsried machen ihre Übungen auf dem Sportgelände am Robert-Schumann-Weg in abgeteilten Feldern in Fünfergruppen – und sind heilfroh darüber.

Beim FF Geretsried wird das Nachwuchs-Training unter den Corona-Bedingungen fortgesetzt. Ziel ist, dass jedes Kind einmal pro Woche trainieren kann. 

GeretsriedDie Pandemie hat den Amateurfußball seit einem Jahr nahezu lahmgelegt. Darunter leiden vor allem die fußballbegeisterten Kinder und Jugendlichen. Gar kein Fußball ist auch keine Lösung, dachten sich die Jugendleiter derFußball-Freunde Geretsried und tüftelten ein Konzept aus, wie es funktionieren könnte, den rund 150 jungen Kickern des Vereins von den G- bis zu den D-Junioren wieder regelmäßiges Fußballtraining zu ermöglichen.

Der Kunstrasenplatz auf dem Sportgelände am Robert-Schumann-Weg in Geretsried bietet einen ungewohnten Anblick. Rot-weiße Absperrbänder unterteilen das Areal in acht Felder, jedes etwas größer als ein Tennisplatz. In jedem Feld bewegen sich fünf Kinder: Manche passen sich den Ball in Staffelform zu, nebenan markieren bunte Hütchen einen Dribbelparcours. Weiter hinten spielen sie zwei gegen zwei mit Torabschluss; den können die Verteidiger nur durch geschicktes Stellungsspiel unterbinden – den Gegner berühren ist derzeit nicht erlaubt: Fußballtraining unter Corona-Bedingungen.

Ständig geänderte Regeln durch die Regierung waren das Hauptproblem 

Seit drei Wochen rollt der Ball wieder am Krötenteich. Zuvor hatten sich Jugendleiter Matthew Cox und sein Stellvertreter Mirko Prajs tagelang die Köpfe zerbrochen, wie sich ein Training trotz der Einschränkungen realisieren ließe. „Das größte Problem war, dass sich die Regeln ständig geändert haben“, sagt Cox. Seit dem letzten Spiel im Oktober waren fast fünf Monate Pause, weil alle Hallenturniere gestrichen worden waren. „Aber wir wollten im Verein etwas für die Kinder machen.“

Im März sei es „fast wieder normal“ gewesen. Dann kam die Bundesnotbremse – und mit ihr wieder totale Unsicherheit. Aber: „Es war immer noch erlaubt, dass zwei Leute zusammen Sport machen“, sagt der Jugendleiter. Zu Abständen habe es keine Infos gegeben. „So haben wir uns gesagt: Warum machen wir nicht mit einem Haufen Zweiergruppen Training?“ Das Problem: Mit dem Trainer wären es wieder drei Haushalte gewesen. Nachfragen beim Bayerischen Fußball-Verband und beim Bayerischen Landes-Sportverband ergaben: „Wenn der Trainer nur am Rand steht, macht er keinen Sport.“

Jugendleiter Prais: „Wir wollten im Verein etwas für die Kinder machen.“

„Das Ziel war, dass jedes Kind einmal in der Woche trainieren kann“, ergänzt Prajs. Deshalb sei die Trainingszeit halbiert worden – 45 statt 90 Minuten. Das hat funktioniert. Seit vergangener Woche bekommt jedes Kind sogar wieder zwei Trainingseinheiten pro Woche, weil mit fünf Spielern in einer Gruppe trainiert werden kann. Allerdings müssen sich die Kinder derzeit zum Training anmelden – und umgezogen zum Platz kommen –, damit ein Corona-konformer Ablauf gewährleistet ist.

„Wir haben die Eltern bei den Überlegungen von Anfang an abgeholt“, erläutert Prajs. Dann wurden die Trainer ins Boot geholt. Schließlich habe man nur noch Vorsitzenden Patrick Verbaast, der zunächst „sehr skeptisch“ gewesen sei, überzeugen müssen. Dessen Bedenken hatten sich jedoch wohl spätestens aufgelöst, als er mitbekam, wie froh und dankbar sich die Eltern zeigten, dass ihre Kinder wieder ins Training dürfen.

Das zahlte sich wenig später aus. Denn mit der Bundesnotbremse kam auch die Testpflicht für die Trainer, die zu jeder Einheit einen negativen Corona-Test, nicht älter als 24 Stunden, vorlegen müssen. „Da geht ein großes Lob an die Eltern, die uns erheblich unterstützt und Tests organisiert haben“, betont Prajs, „der Verein hat ja im Moment keine Einnahmen“. Weitere Antigen-Schnelltests habe eine Firma spendiert.

Gästekabine wird zur Teststation für den Verein  

Weil nicht jeder die Möglichkeit hat, sich daheim selbst zu testen oder passend zum Training eine der öffentlichen Stellen aufzusuchen, wurde kurzerhand die Gästekabine im Vereinsheim zu einer Teststation umfunktioniert. Dort kann jeder Übungsleiter vor Trainingsbeginn einen Selbsttest machen. Das Betreten des Vereinsheims (Duschen und Kabinen sind gesperrt) sowie der Toiletten ist nur mit Mund-Nase-Schutz erlaubt.

Den Trainern sei es freigestellt, ob sie trainieren wollen. „Es wird keiner gezwungen, und wir sind niemandem böse, der nicht trainiert“, betont der stellvertretende Jugendleiter. Manchen ist es schlichtweg zu viel, zwei Mal in der Woche einen Test zu machen. „Für die Trainer bedeutet das derzeitige Konzept einen erheblichen Mehraufwand“, weiß Cox. Sie müssen mehr planen, für die inhaltliche Gestaltung seiner Übungseinheiten ist jeder selbst verantwortlich. „Aber die Kinder profitieren von den kleinen Gruppen. Du kannst dich individuell auf jeden besser einstellen“, hebt der Jugendleiter und Coach der F1-Mannschaft einen positiven Aspekt des Corona-Trainings hervor.

Im Argen liege derzeit nur, „dass die Großen nichts machen können“, meint Cox. Dabei schwingt die Sorge mit, dass die fußballlose Zeit bei dem einen oder anderen Teenager womöglich andere Interessen wecken könne.

(RUDI STALLEIN)

Quelle: Merkur.de

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